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Ein schwerer Abschied: Beistand mit Abstand ist bei Beerdigungen eine Herausforderung

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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REGION - Eine Umarmung am Grab, ein herzliches Beileid mit Handschlag – das alles ist bei Beerdigungen momentan nicht möglich. Sie finden in Corona-Zeiten nur im engsten Familienkreis statt – und mit Mindestabstand.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

„Es war eine riesige Beerdigung, so viele Leute waren da, das hätte ihm gefallen.“ Angehörige, die einen Menschen betrauern, sagen einen solchen Satz nach einer großen Beisetzung gerne, manchmal mit einem Lächeln auf den Lippen. Denn es ist ein kleiner Trost zu sehen, wie beliebt und bekannt der oder die Verstorbene war.

Beschränkte Anzahl an Gästen

In Zeiten von Corona sind solche Beerdigungen jedoch nicht möglich. Die Anzahl derjenigen, die teilnehmen dürfen, ist beschränkt. Der Landkreis hat hierzu die Empfehlung herausgegeben, dass nur zehn Personen dabei sein sollen. Normalerweise findet vor dem Begräbnis eine Totenmesse statt. Auch diese fällt aus. Zudem sind die Trauerhallen geschlossen, weil dort zum Teil der Mindestabstand nicht gewährleistet werden kann. Die Trauergemeinde trifft sich vor der Halle oder am Grab.

„Für die Angehörigen ist es schwer“

„Für die Angehörigen ist es schwer. Und in Künzell ist die Friedhofshalle eigentlich groß genug“, erklärt der katholische Pfarrer Rudolf Liebig aus Künzell. Er hatte in den vergangenen Wochen bereits sechs Bestattungen in dieser „Pandemie-Situation“, wie er sagt. „Bei manchen Beerdigungen hat man richtig gemerkt, dass gern noch mehr Angehörige gekommen wären. Aber es dürfen nur zehn sein“, sagt Liebig und ergänzt: „Für Trauernde ist es eine Hilfe, wenn viele mitgehen und bei dem Begräbnis dabei sind.“ Auch seine Vorbereitung laufe nun anders ab. Statt beim persönlichen Besuch findet das Trauergespräch am Telefon statt. „Mir fehlt als Seelsorger der persönliche Kontakt.“

Persönliche Begegnung ist anders

Es sei anders, als wenn man sich persönlich begegnet, sagt auch der evangelische Pfarrer Stefan Bürger aus Neuenberg. Die Vorgaben zu den Beerdigungen würden von den Angehörigen akzeptiert, aber schön sei es nicht. „Man hat in so einer Situation gern Menschen um sich. Und natürlich ist es auch für diejenigen traurig, die beim Begräbnis nicht dabei sein können“, sagt Bürger. Daher stelle er nach der Beerdigung ein PDF mit der Ansprache zur Verfügung.

Änderungen für Bestattungsunternehmen

Auch für die Bestattungsunternehmen hat sich einiges geändert, wie Stefan Schneider, Geschäftsführer bei Storch Bestattungen, sagt. Sein Unternehmen kümmert sich zum Beispiel um die Ausnahmegenehmigung beim Ordnungsamt, dass zehn Angehörige bei der Beerdigung anwesend sein dürfen – aber auch um Urkunden, die Todesanzeige, den Blumenschmuck und vieles mehr. Das alles muss koordiniert werden. „Und das ist momentan nicht einfach“, sagt Schneider.

„Es fehlt ein Stück Menschlichkeit“

Bastian Kummer von Pietät Kummer ergänzt: „Konnte man sonst auch mal in großer Runde im Familienkreis des Verstorbenen ein Trauergespräch führen, so sind es aktuell nur maximal zwei Angehörige.“ Erde, Blumen und Weihwasser dürften ebenfalls momentan nicht am Grab stehen, beziehungsweise würden weggeräumt, nachdem der Pfarrer diese benutzt habe. „Durch die aktuelle Pandemie und ihre Maßnahmen fehlt leider ein Stück Menschlichkeit“, bedauert Kummer. Der herzliche Händedruck am Grab fehle.

Situation wird noch seltsamer

Stefan Schneider fügt noch etwas an: „Wenn wir jetzt einen Verstorbenen zum Beispiel aus einem Seniorenheim abholen, kommen wir voll vermummt mit Mundschutz. Das macht diese Situation, die ja ohnehin schon ein Ausnahmezustand ist, noch seltsamer.“ Menschen, die nicht am Coronavirus verstorben sind, würden beim Bestattungsunternehmen aber wie sonst auch behandelt werden. So kann sich die Familie am offenen Sarg verabschieden. „Allerdings nur einzeln, nacheinander“, schränkt Schneider ein.

Abschied am offenen Sarg nicht möglich

Anders sieht das bei Personen aus, die am Coronavirus verstorben sind. „Wir hatten diesen Fall bisher drei oder vier Mal. Es waren alles Feuerbestattungen. Die Menschen werden uns in speziellen Hüllen übergeben. Wir legen sie dann so in den Sarg. Damit das Krematorium weiß, dass es ein Coronapatient war, wird das am Sarg kenntlich gemacht – allerdings so, dass das die Familie nicht sehen muss“, erklärt Schneider.

Ein Abschied am offenen Sarg sei in den Fällen nicht möglich. „Für die Hinterbliebenen ist das ganz schwer. Sie haben den Verstorbenen manchmal schon seit Wochen nicht gesehen und können das nun auch nach dem Tod nicht“, bedauert Schneider.

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