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Selbst Bücher müssen in Quarantäne – Bibliotheken bleiben vorerst geschlossen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kreis Fulda - Seit einem Monat sind die Bibliotheken wegen der Coronakrise dicht. Nach den Lockerungen in dieser Woche dürften sie grundsätzlich wieder öffnen. Bei den meisten wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis sie für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

„Vor wenigen Wochen dachte ich noch, das Jahr kann nicht schlimmer werden“, sagt Dr. Marianne Riethmüller, Direktorin der Fuldaer Hochschul- und Landesbibliothek (HLB). Von dem Hackerangriff auf die Universität Gießen, an deren System auch Fulda hängt, hatte sich die HLB gerade erst erholt. Der Februar war der erste Monat, in dem wieder alles in der Bibliothek in geregelten Bahnen verlief.

„Doch nach dem Computervirus schlug das Coronavirus zu“, sagt Riethmüller. Um die Besucher und die Mitarbeiter vor Infektionen zu schützen, wurde die HLB Mitte März dichtgemacht. Diese Woche haben Bund und Länder beschlossen, dass Büchereien unter Auflagen wieder öffnen dürfen.

Nicht von heute auf morgen

Allerdings: „Wir werden nicht von heute auf morgen öffnen können“, erklärt Riethmüller. Dr. Antje Mohr, Pressesprecherin der Hochschule, konkretisiert: „Wir müssen nun erst einmal prüfen, wie die Vorgaben des Landes aussehen, und wie wir diese umsetzen können.“

Die Sicherheit aller stehe im Vordergrund: „Wenn die HLB öffnet und sich riesige Schlangen im oder vor dem Gebäude bilden, konterkariert das die Maßnahmen der vergangenen Wochen zur Eindämmung des Virus.“

Keine kurzfristige Öffnung

Mohr macht deutlich: Kurzfristig werde die HLB nicht geöffnet. In der nächsten Woche sollen weitere Gespräche stattfinden. „Wir wollen ein Konzept erstellen, wie die Vorgaben des Landes erfüllt werden können“, sagt die Sprecherin. Zumindest am Campus soll unter strengen Sicherheitsvorkehrungen die Bibliothek für Studierende öffnen – denn am 20. April beginnt das Sommersemester.

Langweilig wird es nicht

Trotz der Schließung: Langweilig wird den 56 HLB-Mitarbeitern nicht. „Als erstes waren Abstimmungen nötig, um Gebühren auszusetzen und Fristen automatisch zu verlängern. Danach haben wir unser digitales Angebot ausgebaut“, sagt Riethmüller. So bekommen derzeit auch Personen ohne Bibliotheksausweis einen Zugang zur sogenannten Onlineleihe, bei der mehr als 170 000 Medien zum Download oder zum Streamen verfügbar sind. Und es ist ein Webchat eingerichtet worden, um Kontakt zu den Kunden aufzubauen.

Kleinere Einrichtungen gehen andere Wege

Kleinere Einrichtungen gehen andere Wege. So gibt es bei der Bibliothek der Theologischen Fakultät Fulda einen Scanservice, und auch eine Ausleihe für Studierende und Dozenten ist möglich. Das sei allerdings mit großem Aufwand verbunden, berichtet Bibliotheksleiterin Dr. Alessandra Sorbello Staub: „Es ist noch nicht klar, ob und wie lange sich das Virus auf Büchern halten kann.

Deswegen müssen alle Medien, die bei uns zurückgegeben werden, in Quarantäne.“ Familienforschern und Heimatkundlern bleiben die Türen der Bibliothek zudem nach wie vor verschlossen. Sorbello Staub betont aber, dass – ähnlich wie bei der HLB – geprüft werde, wie nach den neuen Vorgaben geöffnet werden kann.

Kontaktlose Ausleihe nicht zu stemmen

Bei der Pfarr- und Gemeindebücherei Flieden ist eine kontaktlose Ausleihe möglich: Die Bücher werden übers Internet bestellt und können dann vor der Bücherei in einer Tüte abgeholt werden. Für die HLB sei das keine Option, sagt Leiterin Riethmüller: „In Vor-Corona-Zeiten hatten wir zwischen 400 und 500 Ausleihen täglich. Da wäre so ein Service nicht zu stemmen.“

Aber für andere Büchereien sind die Fliedener Vorbild. Als Mitarbeiter der Gemeinde Künzell in unserer Zeitung von der Aktion lasen, beschloss das Rathaus, das ebenfalls umzusetzen. Am Donnerstag war es erstmals wieder möglich, Medien aus der Gemeindebücherei auszuleihen. „Das Angebot ist sehr gut angekommen. Unser Team hat am ersten Tag 45 Tüten vorbereitet“, sagt Markus Schäfer aus dem Künzeller Rathaus.

Menschen haben Zeit, sich Büchern zu widmen

Alle Bibliotheks-Verantwortlichen wissen, wie wichtig es derzeit ist, Lesestoff anzubieten. „Gerade jetzt, während des Kontaktverbots, haben die Menschen Zeit, sich Büchern zu widmen“, sagt HLB-Chefin Riethmüller. Deswegen seien die digitalen Angebote so wertvoll: „Das wird für viele nicht so sein, wie ein echtes Buch in der Hand zu halten, aber es ist ein Anfang.“

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