Ein 29-Jähriger (links) und ein 39-Jähriger (rechts) haben im Dezember 2018 ein Ehepaar in Fulda überfallen. Gestern sind beide zu Haftstrafen verurteilt worden. Foto: Sebastian Kircher

Sieben Jahre Haft nach Raubüberfall auf Gastronomen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Nach einem Raubüberfall auf ein Fuldaer Gastronomen-Ehepaar im Dezember 2018 müssen beide Angeklagte ins Gefängnis. Das hat die Erste Große Strafkammer des Landgerichts am Mittwoch entschieden.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Beide Angeklagte wirkten nach der Urteilsverkündung niedergeschlagen und starrten auf den Boden. Der 39-Jährige, der zum Tatzeitpunkt in Flieden lebte und nun in Schlüchtern wohnt, muss für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Er hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft, wie sie sein Verteidiger gefordert hatte. Den 29-Jährigen, der mit dem anderen Angeklagten in Flieden wohnte und seit Februar in U-Haft ist, verurteilte die Kammer zu sieben Jahren Haft, obwohl sein Verteidiger einen Freispruch aus Mangel an Beweisen verlangt hatte.

Überfall aus Geldnot

Nach Ansicht der Kammer lief es im Dezember 2018 so ab: Die Angeklagten fassten aus Geldnot den Plan, das Ehepaar zu überfallen. In dessen Restaurant hatte der 39-Jährige für ein paar Wochen zur Aushilfe gearbeitet, in der Wohnung des Paares in der Amand-Ney-Straße in Fulda übernachtet. Sowohl das Haus als auch das Restaurant in der Innenstadt seien kurz vor der Tat von den beiden „ausbaldowert“ worden, sagte der Vorsitzende Richter Josef Richter.

Angriff mit Schreckschusspistole

Als die Eheleute am 15. Dezember spätabends nach Feierabend an ihrem Haus ankamen, habe der 39-Jährige seinem Komplizen ein Zeichen gegeben. Der 29-Jährige sei dann mit einer Schreckschusswaffe auf sie losgegangen, habe auf den Mann geschossen, die Frau zu Boden gestoßen und ihr die Handtasche mit den Tageseinnahmen von rund 4300 Euro entrissen. Die Verletzungen der Opfer waren mit Hämatomen und Prellungen zwar relativ leicht. „Aber beide leiden bis heute unter Angstzuständen und Schlafstörungen“, betonte Richter.

Nur durch Geständnis kam es zum Verfahren

Der Vorsitzende hielt jedoch auch fest: „Ohne das Geständnis des 39-Jährigen wäre es nie zu einem Verfahren gekommen. Die Polizei hatte die Angeklagten überhaupt nicht im Verdacht.“ Nach dem Überfall gab es nämlich keine Hinweise auf sie. Erst im Januar, als die beiden Fliedener sich zerstritten hatten, ging der 39-Jährige zur Polizei.

Dank dieses Geständnisses sei seine Strafe wesentlich geringer ausgefallen. Denn, auch das betonte Richter: Die Kammer sieht ihn eindeutig als Mittäter an und nicht nur als Gehilfen, wie es der Verteidiger ausgelegt hatte. Chatnachrichten belegten, dass er die Tat mitgeplant habe, zudem sei er es gewesen, der die Adresse der Opfer gekannt habe und beim Auskundschaften dabei gewesen sei. „Nicht zuletzt hatte er Geldsorgen, also auch großes Interesse daran, dass dieser Überfall stattfindet“, erklärte Richter. Hinzu kommen 23 Vorstrafen des 39-Jährigen. „Eine Bewährungsstrafe ist unter diesen Umständen nicht möglich.“

„Aus Haftstrafen nichts gelernt“

Auch der 29-Jährige, der sich während des Prozesses nicht geäußert hatte, ist vielfach vorbestraft, verbrachte bereits sechs Jahre hinter Gittern. „Die bisherigen Haftstrafen haben ihn nicht beeindruckt, er hat daraus nichts gelernt“, sagte Richter. Für das Gericht war es unumstritten, dass er bei dem Überfall dabei war, zuviele Indizien und Zeugenaussagen hatten dafür gesprochen. Die Kammer ließ ihm jedoch die Chance, nur einen Teil der Strafe im Gefängnis sein zu müssen: Nach Anrechnung der U-Haft muss der 29-Jährige etwa zehn Monate absitzen und kommt dann in eine Entziehungsanstalt, um seine Drogensucht zu behandeln. Ist die Therapie nach zwei Jahren erfolgreich, könne er auf Bewährung entlassen werden, sagte Richter, der den Verurteilten einen Rat mit auf den Weg gab: „Sie haben beide noch ihr Leben vor sich. Es ist nie zu spät für einen Neuanfang.“

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