Dieter Thoma ist einer der erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten. / Foto: BVMW

Skisprunglegende Thoma im Interview: „Selbst verantwortlich für sein Handeln“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Olympiasieger, Weltmeister, Vierschanzentournee-Sieger, Gesamtweltcupsieger im Skispringen: Dieter Thoma ist einer der erfolgreichsten Skispringer, die Deutschland je hervorgebracht hat. Eigentlich sollte er am Donnerstag, 19. März, beim BVMW-Jahresempfang in Fulda einen Einblick in seine Erfolgsgeheimnisse geben. Diese Veranstaltung fällt aber aus.

Bekannt ist der 50-Jährige auch als Experte bei Skisprung-Übertragungen in der ARD. Die Tätigkeit fürs Fernsehen ist aber nur eine Facette im Berufsleben des gebürtigen Schwarzwälders. Er arbeitet im Bereich Sportmarketing und ist zudem Projektpartner von Gewerbe- und Wohnungsentwicklungen. Im Interview verrät die Skisprung-Legende, wie wichtig innere Balance ist und was man aus Niederlagen lernen kann.

Frage: Wie hat Sie Ihre sportliche Karriere für Ihre weitere berufliche Laufbahn geprägt?

Dieter Thoma: Ohne diese umfangreiche Schule wäre ich wohl nicht so selbsterfahren und könnte mein gewonnenes Wissen nicht mit gutem Gewissen weitergeben. Der Sport und das Leben drumherum haben mich als Mensch vor allem in meinen selbstbestimmten Gedanken ständig verändert. Ein Athlet ist meistens selbst verantwortlich für sein Handeln und sollte niemand anderem die Schuld geben.

So lernt man zum Beispiel nach Verletzungen, sich selbst zu motivieren. Denn sonst ist die Rückkehr auf das zunächst alte und dann notwendig neue Leistungsniveau nicht möglich. Diese Lebenserfahrungen gibt es in anderen Bereichen zwar nicht so extrem schnelllebig, sie sind aber selbstverständlich auf andere Lebensumstände übertragbar.

Frage: Sie sagen, dass es in den Bereichen Sport und Business Faktoren gibt, die wichtig für anhaltenden Erfolg sind. Welche sind dies?

Dieter Thoma: Wichtig ist ein geduldiges Durchhaltevermögen, das durch Eigenmotivation und eine positive Grundeinstellung zum Leben viel leichter ertragbar und erreichbar wird. Ohne neue Ziele ist man darüber hinaus überall verkehrt. Wichtig dabei ist, den Weg zu erkennen und anzufangen, ihn mit aller Entschlossenheit zu gehen.

Weiterentwicklung heißt auch, bereit zu sein, Gewohnheiten und alte Rituale abzulegen um neue Wege einzuschlagen. Das ist der Treibstoff, um zu lernen. Und wenn man erfolgreich sein und bleiben will, dann bleibt einem nichts anderes übrig als sich weiterzuentwickeln.

Frage: Sind Niederlagen und Rückschläge notwendig, um erfolgreich zu sein?

Dieter Thoma: Die gibt es ja nicht nur im Sport, sondern auch im Berufs- und Privatleben. Ja, sie sind sehr wichtig, um zu erkennen, was überhaupt Erfolg und Glücklichsein bedeutet. Das beste Beispiel ist unsere Gesundheit. Wenn du gesund bist, hast du viele Wünsche, wenn du krank bist, nur den einen, gesund zu werden.

Manchmal gibt es natürlich auch Probleme, ich nenne sie Aufgaben, die nicht zu lösen sind. Aber man kann daran wachsen und stärker als die Aufgabe selbst werden. Das bedeutet: Die direkte Konfrontation ist der bessere Weg, als sich zurückzuziehen und sich selbst zu bemitleiden. Unser Unterbewusstsein reagiert auf unsere Gedanken. Worte, Taten, unsere Gefühle und bestimmen unser Wohlsein.

Frage: Sie sind Sportexperte im Fernsehen, Unternehmensberater und Vortragsredner. Welches Gewicht hat in Ihrem Arbeitsalltag der Job als Speaker?

Dieter Thoma: Den wichtigsten Teil nimmt derzeit mein ARD-Experten-Job ein. Ich liebe allerdings auch die Herausforderung, mit meinen Vorträgen vor Unternehmerinnen und Unternehmern aufzutreten. Denn ich denke, dass ich den Leuten Interessantes zu erzählen habe, aber ich nicht immer weiß, wie das ankommt. Die sind sehr spannend für mich, diese direkten Rückmeldungen. Ich lerne bei diesen Veranstaltungen aus den Gesprächen und den Reaktionen der Besucher selbst jede Menge.

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