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Söhne des Angeklagten sagen im Mordprozess aus: „Er war kein Vorbild für uns“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Künzell - Im Mordprozess gegen einen 55-Jährigen aus Künzell, der im Juni 2019 seine Frau getötet haben soll, haben am Freitag weitere Kinder des Angeklagten ausgesagt.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Fast zwei Stunden dauert die Befragung der beiden 18-Jährigen und ihrer 23-jährigen Schwester. Zwei Stunden, in denen ihr Vater kein einziges Mal vom Boden aufblickt. Zwei Stunden, in denen der 55-Jährige völlig regungslos bleibt.

„Keine Vaterfigur“

Es wird deutlich: Die Kinder haben mit dem Mann, dem vorgeworfen wird, ihre Mutter ermordet zu haben, gebrochen. Sie vermeiden es, ihn Vater zu nennen, bezeichnen ihn als „der Angeklagte“ oder „dieser Mensch“. Einer der 18-Jährigen sagt, schon vor der Tat sei der 55-Jährige „keine Vaterfigur, kein Vorbild für mich“ gewesen. Sein Zwillingsbruder präzisiert: „Er hat kein Interesse an uns gezeigt, manchmal über Monate kaum geredet. Es gab keine Vater-Sohn-Unternehmungen oder -Gespräche.“ Spätestens, nachdem er seinen Job verloren hatte, habe der Vater nur noch geschlafen oder auf der Couch gelegen und Fernsehen geschaut.

Die Mutter hingegen sei „ein komplett unterschiedlicher Mensch“ gewesen, erklärt einer der 18-Jährigen. „Sie war lebensfroh, herzensgut, wurde auch von unseren Freunden gemocht.“ Der Bruder ergänzt: „An der Arbeit im Supermarkt ist sie richtig aufgeblüht. Sie war bei ihren Kollegen beliebt.“ Das habe der Angeklagte ihr nicht gegönnt.

Über die Mutter geherrscht

Allerdings: Wirkliche Spannungen zwischen den Eheleuten haben die Kinder nicht wahrgenommen. Es sei zwar hin und wieder zu Streit gekommen und laut geworden, bis auf eine Ohrfeige vor zehn Jahren sei der Vater aber gegenüber der Mutter nicht handgreiflich geworden. Die Kinder hätten sich jedoch über die Art der Ehe gewundert: „Sie hat ihn von vorne bis hinten bedient: Essen gebracht, Tee gekocht, sogar ihm Socken und Schuhe angezogen. Er hat über unsere Mutter geherrscht“, sagt einer der Söhne. Wenn die Mutter nicht da war, sei es auch die Aufgabe der Kinder gewesen, ihn zu bedienen: „Er war dominant. Ich hatte Angst vor ihm“, bekennt sein Bruder.

Eskaliert sei die Situation Ende Mai 2019: In einem Krisengespräch, bei dem auch die Kinder dabei waren, verlangte der 55-Jährige, dass seine Frau ihren Job aufgibt. „Das war für uns völlig abwegig, schließlich war das die einzige Einnahmequelle der Familie“, sagt ein Sohn. Zudem habe der Vater behauptet, seine Frau würde ihn betrügen, und die sechs gemeinsamen Kinder seien gar nicht von ihm. Diese sind aber überzeugt: „Unsere Mutter hätte ihn nie betrogen.“ Die Staatsanwaltschaft sieht Eifersucht als ein Motiv, warum der Mann seine Frau getötet haben soll.

Nächster Termin am 16. März

Der Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen. In der Verhandlung verliest der Vorsitzende Richter Josef Richter allerdings einen Brief des 55-Jährigen, den er im August aus der Haft heraus an seine Kinder geschickt hatte. Dort spricht der Künzeller davon, dass die Getötete sein Leben zerstört und er einen „großen Fehler“ begangen habe. Die Kinder haben auf den Brief nicht geantwortet. Die Tochter betont, man wolle mit dem Vater nichts mehr zu tun haben: „Wir wollen das alles hinter uns lassen. Am liebsten würde ich alle seine Sachen verbrennen.“

Der Prozess wird am Montag, 16. März, 9.45 Uhr, fortgesetzt.

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