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Sommerferien kürzen – Stoff nachholen?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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REGION - Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht. Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Stoff nachzuholen. Die Länder lehnen den Vorstoß an. Was sagen Schulleiter aus der Region?

Markus Bente, Leiter der Wigbertschule in Hünfeld

Ein Nachbar meint neulich: „Na, du hast jetzt schön frei!“ Nein, haben wir nicht. Ich weiß, dass die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen Ihre Aufgabe des Fernunterrichts sehr ernst nehmen. Fernunterricht ist in der Vorbereitung erheblich aufwendiger als persönlich durchgeführter Unterricht. Neben der verdienten Erholung dienen Sommerferien aber auch der Vorbereitung des neuen Schuljahrs. Auch diese Zeit wird benötigt. Zwei Wochen mehr oder weniger Unterricht ist für eine Kompensation nicht vermittelter Inhalte und Kompetenzen kein wesentlicher Zugewinn. Das bekommen wir professionell hin. Bei G8 wurde seinerzeit ein ganzes Schuljahr eingespart! Eine Verkürzung der Sommerferien wäre bloßer politischer Aktionismus ohne nennenswerten Zugewinn.

Dr. Lothar Jordan, Bildungsunternehmen Dr. Jordan

Auf der Homepage des Kultusministeriums ist zu lesen, dass Kultusminister Prof. Lorz eine Meldung zur Verkürzung der Sommerferien kommentiert als „unverantwortlich dummen Aprilscherz“. Damit meint er sicherlich nicht unseren Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble, der, in welcher Funktion auch immer, einen pragmatischen Vorschlag in dieser Richtung formulierte. Ich persönlich bin generell für eine Verkürzung der Sommerferien und nicht erst aufgrund von Covid-19. Meiner Meinung nach sind vier Wochen Erholung vollkommen ausreichend – sowohl für die Schüler als auch für die Lehrkräfte. Zur aktuellen Situation: Sowohl organisatorisch als auch arbeitsrechtlich stellt eine Verkürzung von etwa zwei Wochen für das BU Dr. Jordan keine Schwierigkeiten dar. Unsere Lehrkräfte haben Angestelltenverträge, die diesen empfehlenswerten Vorschlag ermöglichen.

Dr. Ulf Brüdigam, Leiter der Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda

Der Kultusminister hat am 1. April die Meldung einer Verkürzung der hessischen Sommerferien noch als unverantwortlichen Aprilscherz bezeichnet. Das gilt für mich auch heute noch. In den drei Wochen vor und auch in den Osterferien haben viele Schülerinnen und Schüler intensiv am Lernstoff gearbeitet. Wir haben vom ersten Tag an Online-Unterricht durchgeführt. In den Ferien hat unser IT-Team die Lernplattform aufgerüstet und es haben Onlineschulungen für Lehrkräfte stattgefunden, damit Lerninhalte noch stärker im Videochat vermittelt werden können. Wie viel Stoff tatsächlich nicht vermittelt werden kann, hängt auch von den Rückkehrregelungen in den Präsenzunterricht ab. Dazu liegen im Moment noch keine Informationen vor. Der Bedarf an zusätzlicher Lernzeit ist für uns deshalb im Moment nicht bezifferbar. Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass sich viele Schülerinnen und Schüler in den letzten Wochen mächtig angestrengt haben, um ihre Aufgaben zu bewältigen. Ich hoffe, dass das so bleibt und gönne ihnen ihre Sommerferien auch von Herzen.

Matthias Höhl, Leiter der Rabanus-Maurus-Schule

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Schulen und die Lehrkräfte gut mit den besonderen Anforderungen der gegenwärtigen Ausnahmesituation umgehen konnten, auch wenn diese in Teilen zu einer erheblichen Verdichtung der Belastungen führten. Wir am Domgymnasium sehen in der Krise aus schulischer Sicht keinen Grund zu übertriebener Sorge, da unsere Lehrkräfte sofort zu einem tragfähigen Lernkonzept für ihre Schülerinnen und Schüler übergegangen sind. Es konnte auf die vorhandene technische Infrastruktur zugegriffen und täglich mit den Lerngruppen kommuniziert werden. Eine Verlängerung dieser Phase ist gewiss nicht so wirksam wie echter Unterricht in der Schule, durch die fortgeschrittene Digitalisierung lässt sich jedoch ein Teil des Entfalls gut kompensieren. Wir werden nun gemäß dem Plan des Kultusministeriums vorgehen, bis alle Schülerinnen und Schüler wieder in der Schule unterrichtet werden können. Organisatorisch ist in den Schulen vieles machbar, wie die letzten Wochen gezeigt haben. Das würde auch für den Fall geänderter Ferienzeiten gelten. Nicht zuletzt deshalb sehe ich den weiteren Entwicklungen, soweit sie die Schulen betreffen, gelassen und zuversichtlich entgegen. Ich gehe davon aus, dass über den Vorschlag von Bundestagspräsident Schäuble – sollte er weiterhin ernsthaft verfolgt werden – im Kreis der Länderchefs unter Moderation der Bundeskanzlerin beraten wird und man zu abgestimmten Lösungen kommen wird.

Holger Arnold, Leiter der Vogelsbergschule in Lauterbach.

Von der Debatte halte ich insofern wenig, da wir aktuell vor riesigen organisatorischen Herausforderungen stehen, die gerade die Berufsschulen mit der großen Zahl an Abschlussklassen besonders beschäftigen. Ab 27. April kommen 32 Lerngruppen mit über 450 Schülerinnen und Schülern unter den Bedingungen des Infektionsschutzes (max. 15 pro Lerngruppe) und der Vorbereitung auf deren Abschlussprüfungen in die Vogelsbergschule zurück. Dies erfordert tragfähige und sichere Konzepte. Parallel bereiten wir das neue Schuljahr vor. Wir benötigen Verlässlichkeit und keine neue Planungsunsicherheit, um beiden Anforderungen bestmöglich im Sinne der Schülerinnen und Schüler aber auch für alle Lehrerinnen und Lehrer gerecht zu werden.

Ulrike Vogler, Kommisarische Leiterin der Der Ferdinand-Braun-Schule Fulda

Berücksichtigt werden sollte bei der Beantwortung der Frage nach verkürzten Sommerferien, dass in der Zeit der Schulaussetzung ja dennoch ein Lernen stattgefunden hat. Die Lehrkräfte an unserer Schule haben sich in Teams verständigt und den Schülern, Azubis und Studierenden regelmäßig Lernaufgaben digital zur Verfügung gestellt, deren Bearbeitung mit entsprechenden Fristen eingefordert und Feedback gegeben oder auch Unterricht über Videokonferenzen abgehalten. Diese neuen Lernformen haben alle gleichermaßen vor neue Herausforderungen gestellt. Eine adäquate Vorbereitung der Lehr- und Lernmaterialien kostete oft weit mehr Zeit und Kraft als „normaler“ Präsenzunterricht. Auch aus diesem Aspekt empfinde ich den Vorschlag von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, die Sommerferien zu kürzen, als unangemessen.

Ralf Kleemann, Konrektor der Konrad-Adenauer-Realschule in Petersberg

Die Planungen an unserer Schule gehen weit über die Sommerferien hinaus. Schon aus organisatorischen Gründen wäre es nicht möglich, die Sommerferien einfach so zu verkürzen, ganz abgesehen von der Situation in den Familien unserer Schüler. Auch wenn man dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren kann, gibt es vielleicht schon Pläne. Was ich mir vorstellen könnte: dass wir das Betreuungsangebot, das es ja derzeit in der schulfreien Zeit gibt, auch in den Sommerferien über sechs Wochen aufrecht erhalten.

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