Fotograf Walter Schels (vorn) mit seiner Frau Beate Lakotta während der Vernissage im Vonderau Museum in Fulda.
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Fotograf Walter Schels (vorn) mit seiner Frau Beate Lakotta während der Vernissage.

Eröffnung im Vonderau Museum

Sonderausstellung „Noch mal leben“ von Walter Schels: Eine Begegnung - auch mit sich selbst

  • Anne Baun
    vonAnne Baun
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Walter Schels zählt zu den renommiertesten Fotografen Deutschlands, und auch international ist der 84-Jährige sehr anerkannt. Am Freitagabend ist seine Sonderausstellung „Noch mal leben“ im Vonderau Museum – natürlich unter Corona-Auflagen – feierlich eröffnet worden.

Fulda - Darf man das Antlitz eines toten Menschen zeigen? Diese Frage stellte sich wohl nicht nur die Initiatorin der Ausstellung und zweite Vorsitzende des Hospiz-Fördervereins Fulda, Silvia Hillenbrand. „Ich für meinen Teil sage: Ja, man darf“, so Hillenbrand in ihrer kurzen und herzlichen Rede zur Vernissage, die von Silke Augustinski an der Oboe musikalisch umrahmt wurde. „Aber ich kann auch jeden Menschen verstehen, der sagt: Ich kann oder ich will das nicht.“

Die Sonderausstellung „Noch mal leben“ hat Fotograf Walter Schels gemeinsam mit seiner Frau, der „Spiegel“-Redakteurin Beate Lakotta (55), geschaffen. Die beiden haben todkranke Menschen im Hospiz besucht, mit ihnen gesprochen und sie fotografiert – vor und nach ihrem Tod. Das Projekt wurde bereits 2003 umgesetzt, ein Bildband ist dazu erschienen, und die Ausstellung „Noch mal leben“ wurde unter anderem in New York, London und Hamburg gezeigt.

Sonderausstellung von Walter Schels im Fuldaer Vonderau Museum - Den Tod aus der Tabuzone herausholen

Tatsächlich, so erklärt Lakotta in ihrer Einführung, haben sie und ihr Mann diese Arbeit aus persönlichen, sie wolle nicht sagen egoistischen Gründen begonnen. „Wir haben einen Altersunterschied von 30 Jahren, und es gab eine Phase, in der mein Mann große Angst hatte zu sterben, und ich hatte große Angst, ihn zu verlieren.“ Durch ihre Berufe als Journalistin und Fotograf seien sie in der Lage gewesen, sich ihren Ängsten zu stellen und näher hinzuschauen. Wortwörtlich. „Es waren zum Teil sehr intime Begegnungen“, erzählt Lakotta, „aber es war auch immer eine Begegnung mit sich selbst.“

Im Vonderau Museum wurde die Sonderausstellung von Walter Schels eröffnet.

„Wir wissen nicht, wann und wo“, nahm Walter Schels den Faden auf. „Trotzdem meine ich, dieser Wunsch, das Leben zu genießen, hat eine gegenwärtige Gültigkeit.“ Jeden Tag solle man sich sagen: heute nochmal leben – vor dem Tod. „Das wäre mein Wunsch an uns alle“, sagte Schels lächelnd, woraufhin das Publikum mit dem Applaudieren gar nicht mehr aufhören mochte.

Den Tod aus der Tabuzuone herauszuholen, das wünschte sich auch Oberbürgermeister und Schirmherr Dr. Heiko Wingenfeld. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, könne das Leben in unendlicher Form bereichern und Angst abbauen.

Walter Schels Fotos sind im Vonderau Museum zu sehen - Verweis auf Wichtigkeit der Hospizarbeit

Der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Hospiz-Fördervereins, Michael Brand, bezeichnete Schels Fotos als „lebensbejahend, berührend und hoffnungsvoll stimmend“. Zudem verwies er auf die hohe Wichtigkeit der Hospizarbeit. „Wir dürfen nicht schweigen, wir müssen offen darüber reden und unsere Angebote bekannt machen. Denn gerade jetzt – in Zeiten von Corona – brauchen wir Hilfe beim Helfen.“

Hausherr und Museumsleiter Dr. Frank Verse erklärte das Konzept der Ausstellung. „Wir haben die Bilder aufgeteilt – ein Teil befindet sich im zweiten Stock, der andere im Erdgeschoss, so dass niemand, der das nicht möchte, daran vorbeigehen muss.“

Die Schwarz-Weiß-Bilder von Walter Schels im Vonderau Museum sind eine Herausforderung

Die Schwarz-Weiß-Fotos schließlich sind eine Herausforderung und werden sicher niemanden kalt lassen. Spätestens bei den Fotos der verstorbenen Kinder (17 Monate und 6 Jahre alt), suchen sich die Emotionen ihren Weg. Doch eines wird ganz schnell klar: Hier wurde kein Voyeurismus betrieben.

Die Todkranken blicken vertrauensvoll, heiter oder trotzig in die Kamera, niemals resigniert oder ängstlich. Sie alle strahlen eine ganz besondere Form der Gelassenheit aus, die den Betrachter tröstlich stimmt. Die Aufnahmen nach dem Tod strahlen puren Frieden aus. Entspannung. Und Ruhe. Es sind würdevolle Aufnahmen, voller Respekt und Demut. So ist es nun mal. Der Kreis des Lebens hat sich geschlossen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. November zu sehen. Eintritt: 2 Euro.

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