Neue Bewohner von Sonnerden werden die Gebäude beziehen.
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Neue Bewohner von Sonnerden werden die Gebäude beziehen.

Nach Schul-Wegzug

Bullerbü in der Rhön - Genossenschaft Sonnerden plant in Schwarzerden ein Mehrgenerationenprojekt

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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  • Jessica Vey
    Jessica Vey
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Aus Schwarzerden wird nach dem Wegzug der Physiotherapie-Schule nun Sonnerden: Für diese Verwandlung in der Rhön hat die Genossenschaft Sonnerden klare Vorstellungen.

  • Die Physiotherapie-Schule Schwarzerden zieht nach fast 100 Jahren in der Rhön nach Fulda. Dafür kommt das Mehrgenerationenprojekt Sonnerden.
  • Die gleichnamige Genossenschaft plant eine Art Zukunftsdorf. Das Projekt soll sich über das Wohnen finanzieren. Die Warteliste ist schon jetzt lang.
  • Gersfelds Bürgermeister Dr. Steffen Korell freut sich, dass das Mehrgenerationenprojekt in seiner Kommune verwirklicht wird.

Schwarzerden - Ein Dorf soll entstehen, in dem mehrere Menschen eine neue Heimat finden, wo Kultur erlebt werden kann, wo Büroräume im Grünen gemietet werden können – und wo weiterhin Seminare veranstaltet werden. Die Schule für Ergotherapie und Physiotherapie in Schwarzerden hatte zuletzt mitgeteilt, dass sie nach fast 100 Jahren aus der Rhön (nach Fulda) wegzieht.

„Wir planen eine Art Zukunftsdorf. Viele von uns haben diese Idee von Bullerbü im Kopf, und es heißt ja auch: Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“, sagt Jonas von der Gathen. Der 37-Jährige ist einer der zwölf Genossenschaftler bei Sonnerden und wird mit seiner Familie – er hat drei Kinder im Alter von 8, 6 und 3 – von Sieblos nach Schwarzerden ziehen.

Arzt, Yogalehrerin, Kindergärtner und Jungunternehmerin

Die anderen künftigen Bewohner, die sich zum Teil erst seit eineinhalb Jahren kennen, kommen aus ganz verschiedenen Ecken der Bundesrepublik: „Einige leben bereits in der Rhön, aber wir haben zum Beispiel auch eine Jungunternehmerin aus Freiburg und einen Arzt aus Hamburg, der momentan schaut, in welcher Praxis er mit einsteigen könnte“, erklärt von der Gathen.

Auch ein Kindergärtner, ein Gärtner, eine Yogalehrerin und Gründer von Start-Up-Unternehmen seien bei dem Mehrgenerationenprojekt mit an Bord. „Es ist eine gute Mischung aus jungen Familien und älteren Menschen.“ Wie viele Wohnungen es insgesamt geben wird, sei noch nicht klar. Aber: Jede Familie soll ihren eigenen Platz haben.

Schon jetzt lange Warteliste

Und: Das Projekt soll sich über das Wohnen finanzieren. Die Nachfrage sei schon jetzt hoch: „Wir haben eine Warteliste von 40, 50 Menschen, die gerne hier in der Rhön leben möchten. Es gibt einen riesigen Bedarf nach solchen Wohnformen“, sagt der 37-Jährige.

Er betont, dass das Projekt keine Kommune werden soll: „Es gibt keine Ideologie. Aber natürlich muss es passen. Es soll ein liberales Umfeld geschaffen werden mit Leuten, denen Nachhaltigkeit und sinnorientiertes Wirtschaften ebenso wichtig ist wie uns.“

Co-Working-Space auf dem Land

Von der Gathen ist selbstständig und arbeitet als Personalvermittler in einem sinnorientierten Personalunternehmen, wie er sagt. Der Standort in der Rhön sei bewusst gewählt: „Hier ist man mitten in der Natur und gleichzeitig mit dem Bahnhof in Fulda gut angebunden. Wir sind begeistert von der Region und wollen von den Menschen hier lernen und Kooperationen eingehen. So gibt es beispielsweise schon Kontakte zum Biosphärenreservat.“

Neben den Wohnungen sollen Büros entstehen, die an Unternehmer vermietet werden. „Geplant ist eine Art Co-Working-Space auf dem Land“, erklärt der 37-Jährige, der häufig Anglizismen verwendet. Auch Seminare sollen weiterhin möglich sein. In Schwarzerden gibt es ein Tagungshaus, das für diese Zwecke bereits in der Vergangenheit genutzt wurde. Und es soll ein kulturelles Angebot geben: „Was das sein wird, muss man sehen, Konzerte, Lesungen, es ist Vieles denkbar. Wir haben hier ja eine tolle Location.“

Lob vom Bürgermeister

Von der Gathen ist schon jetzt häufig auf dem fünf Hektar großen Areal anzutreffen. Die Genossenschaft hat alle zwölf Gebäude inklusive Inventar gekauft. „In den ersten Jahren werden wir viel renovieren und sanieren müssen“, erklärt er. „Wir hatten vor Corona ein Sommerfest ins Auge gefasst, an dem es offiziell losgehen sollte. Jetzt wird es eher der Herbst werden. Vielleicht gibt es dann einen Tag der offenen Tür.“

Gersfelds Bürgermeister Dr. Steffen Korell (CDU) freut sich, dass das Mehrgenerationenprojekt in seiner Kommune verwirklicht wird – auch wenn er bedauert, dass Medischulen nicht mehr in der Rhön ansässig sein wird. „Das ist schade, aber gleichzeitig freut mich die Entwicklung in Schwarzerden. Es ist ein Projekt, wonach sich jede Kommune die Finger leckt. Leben und Arbeiten, wo andere Urlaub machen – es ist ein toller Standort und ein zukunftsträchtiges Modell.“

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