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Sophia-Prozess: Wer hat vor dem Unglück am Bahnsteig geräumt?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Neuhof - Im Prozess um das Bahnunglück vom 4. Februar 2010, bei dem Sophia (16) in Neuhof ums Leben kam, hat das Landgericht Fulda immer noch nicht klären können, wer in den Stunden vor dem Unglück den Bahnsteig geräumt hat.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Der angeklagte Chef der Winterdienst-Firma sagte, seine Firma habe die Arbeiten nach einer mündlichen Kündigung durch die Bahn eingestellt. Eine von der Bahn mündlich beauftragte Ersatzfirma erklärt, sie habe vor dem Bahnhof, aber nicht am Bahnsteig geräumt.

Winterdienstchef setzte auf Ersatzfirma

Der Vorgesetzte des angeklagten 67 Jahre alten Winterdienst-Koordinators der Bahn berichtete am Mittwoch am siebten Verhandlungstag, Winterdienstler der Bahn hätten sich am 1. Februar mit dem Angeklagten getroffen und ihm vorgeschlagen, ihm den Bereich Gießen und Kassel – einschließlich Neuhof – abzunehmen, damit er sich auf andere Bereiche konzentrieren könne. Das habe der Angeklagte vehement abgelehnt.

Wahrscheinlich hatten die Winterdienst-Verantwortlichen bei der Bahn da aber längst entschieden, verstärkt auf ein Ersatzunternehmen zu setzen. Eine 66 Jahre alte Mitarbeiterin der Bahn-Winterdienst-Zentrale in Kassel berichtete in der Verhandlung, ihr Chef habe sie Ende Januar angewiesen, bei Reklamationen nicht mehr die Firma des Angeklagten, sondern eine Ersatzfirma anzurufen. Die Einträge in einem Protokollbuch der Bahn zeigten, dass die Mitarbeiterin ab dem 29. Januar neunmal eine Winterdienstfirma für den Neuhofer Bahnhof anforderte – jedes Mal die Ersatzfirma.

Ersatzfirma war nicht eingewiesen

Am Abend vor dem Unglück rief sie diese Firma erneut an und beauftragte sie, in Neuhof bis vier Uhr morgens zu räumen. Um acht Uhr – kurz nach dem Unglück – meldete die Firma Vollzug. Der Vorsitzende Richter Josef Richter bemerkte, dass die Ersatzfirma bisher angebe, sie habe vor dem Bahnhof aber nicht am Bahnsteig geräumt.

Die Ersatzfirma besaß nämlich keinen Sicherheitsplan und keine Einweisung für Arbeiten auf dem Neuhofer Bahnsteig. Ein 60 Jahre alter Notfallmanager der Bahn erklärte am Dienstag, ohne Einweisung habe niemand am Bahnsteig räumen dürfen. Selbst in dem Fall, in dem die Winterdienstfirma im Notfall über Nacht für eine andere Firma einspringe, hätte sie ohne Einweisung nicht am Gleis Schnee räumen dürfen. „Die Bahn lässt in diesem Fall einen Bahnsteig ungeräumt? Das konsterniert mich“, kommentierte Knut Hillebrand, Verteidiger der Winterdienstchefs.

Der Prozess wird am 30. September fortgesetzt. Was der Notfallmanager, der 20 Minuten nach dem Unglück vor Ort war, beobachtete, und was das Eisenbahnbundesamt kurz nach dem Unglück veranlasste, lesen Sie in der Mittwochausgabe der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper.

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