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Sophia-Prozess wurde eingestellt – Angeklagte müssen Geldauflage zahlen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der Prozess um das Bahnunglück in Neuhof vom Februar 2010 ist abgeschlossen: Das Landgericht Fulda hat am Dienstagmittag das Verfahren gegen die vier Angeklagten gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Ein emotionaler und schwieriger Prozess ist zu Ende gegangen. Fast zehn Jahre nach dem Unglück wurde der tödliche Unfall verhandelt.

Die Schülerin Sophia (16) war am Neuhofer Bahnhof auf einem eisglatten Bahnsteig ausgerutscht und von einem einfahrenden Zug erfasst worden.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Vier Männer waren wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Jetzt wurde das Verfahren eingestellt – Staatsanwaltschaft, die vier Verteidiger und auch Sophias Mutter, die als Nebenklägerin am Prozess teilnahm, stimmten dem zu.

Der Chef der verantwortlichen Winterdienst-Firma muss 3600 Euro, die drei Bahn-Mitarbeiter müssen jeweils 1200 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen.

Der Vorsitzende Richter Josef Richter begründete, mit der Zahlung der Geldauflage werde das öffentliche Interesse an einer weiteren Strafverfolgung beseitigt. Die persönliche Schuld der vier Angeklagten wiege nicht so schwer, dass diese einer Einstellung entgegenstünde.

Angeklagte gelten weiter als unschuldig

Die Einstellung ist nicht mit einem Schuldeingeständnis der Angeklagten verbunden. Sie gelten weiter als unschuldig. Die Einstellung diene einer friedensstiftenden Beendigung des Verfahrens, erklärt der Richter.

Der Vorsitzende der Ersten Strafkammer sagte, das Verfahren sei außergewöhnlich schwierig und komplex gewesen; ein großes Problem sei die Aufsplitterung der zwischen unterschiedlichen Bahngesellschaften gewesen.

„In der Gemengelage ist es schwierig, eine strafrechtliche Verantwortlichkeit zuzuordnen. Das deutsche Recht kennt nämlich keine strafrechtliche Haftung von Unternehmen, sondern immer nur von einzelnen Menschen“, sagte Richter.

Richter: „Komplizierte Situation“

Beim Winterdienst sei die Lage durch den Einsatz von Subunternehmen und Sub-Sub-Unternehmen noch komplexer gewesen.

Der Vorsitzende Richter sagte, trotz der komplizierten Situation sei es dem Gericht gelungen, den Sachverhalt weitgehend aufzuklären. Auch das habe eine befriedigende Wirkung.

Richter sagte, die Verhandlung habe hinreichende Hinweise ergeben, dass der Bahnsteig nicht ausreichend geräumt und gestreut gewesen sei. Dabei habe ein Bahnsteig – und vor allem ein baufälliger und vielen Schülern benutzter Bahnsteig wie in Neuhof – besonders intensiv kontrolliert werden müssen. Das sei offenbar nicht erfolgt.

Die Angeklagten treffe dafür eine Verantwortung: Der Chef der Winterdienst-Firma sei für die Räumung verantwortlich gewesen; offenbar habe die Firma aber wenige Tage vor Unglück die Arbeit eingestellt, weil der Chef annahm, dass die Bahn den Winterdienstvertrag drei Tage vor dem Unglück gekündigt habe.

Auch der Fahrdienstleiter, der der Leiter des Bahnhofsmanagements Kassel der Winterdienstkoordinator hätten ihre Sorgfaltspflichten nicht erfüllt. Sie seien aber auch nicht ganz untätig gewesen.

„Winterdienst nicht ausreichend gewesen“

Insgesamt sei die Organisation des Winterdienstes durch die Bahn und die von dem Unternehmen bereitgestellten Mittel nicht ausreichend gewesen. „Das hatten die angeklagten Mitarbeiter aber nicht zu verantworten. Sie mussten in dem strengen Winter 2010 mit den unzureichenden Mitteln zurecht kommen“, sagte der Richter.

Was sagt die Nebenklägerin, die Mutter von Sophia, zu dem Ausgang des Verfahrens? – das und weitere ausführliche Informationen zu dem Prozess lesen Sie in der Mittwochausgabe unserer Zeitung und im E-Paper.

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