Fotos: Volker Nies

Sophia-Prozess: Zwei weitere Schülerinnen stürzten am Unglückstag

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Neuhof - Kurz vor dem tödlichen Unglück, bei dem Sophia (16) vor einen einfahrenden Zug rutschte, fielen zwei weitere Schülerinnen ins Gleis. Diese beiden Mädchen kamen aber wieder rechtzeitig auf den Bahnsteig. Das sagten die beiden Betroffenen als Zeugen vor dem Landgericht Fulda aus. Dort müssen sich drei Verantwortliche der Bahn und der Chef der zuständigen Winterdienst-Firma wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Die Erste Strafkammer hörte am achten Verhandlungstag zehn damalige Schülerinnen und einen ehemaligen Schüler sowie einen Ingenieur, die am Morgen des Unglücks am Neuhofer Bahnhof gewesen waren. Alle Zeugen berichteten, dass der Bahnsteig in Richtung Fulda nur unzureichend geräumt gewesen und dieser an einigen Stellen glatt gewesen sei. Und sie erklärten, dass es im Bahnhof ein größeres Gedränge als sonst morgens gegeben habe, weil hohe Schneehaufen am Bahnsteig lagen und nur ein relativ schmaler Durchgang für die Schüler zur Verfügung stand.

Gefährliche Eis-Mulde im Gleis

Eine damals 17 Jahre alte Freundin von Sophia sagte aus, dass sie mit dem späteren Opfer und drei anderen Mädchen kurz vor Einfahrt des Zugs in den Bahnhof nah an den Gleisen vorbeiging, um sich nach dem Einsteigen am Zugende einen besseren Sitzplatz zu sichern.

Dabei sei sie, die Freundin, auf einer eisglatten Stelle am Bahnsteig ausgerutscht und ins Gleisbett gefallen. „Ich sah schon die Lichter des Zugs auf mich zukommen, als ich gerade noch herauskam“, berichtete sie. Ausgeglitten sei sie offenbar auf einer kleinen Vertiefung im Bahnsteig, in der sich Eis gebildet hatte.

Kurz nach dem Unfall gestreut?

Die Mädchengruppe lachte über den Ausrutscher und ging weiter. Doch im nächsten Moment rutschte Sophia auf derselben Stelle aus und fiel ins Gleis. Diese Freundin berichtete auch, dass kurz nach dem Unfall auf dem Bahnsteig gestreut worden sei. Das hatte aber kein anderer Zeuge beobachtet.

Dass die beiden Mädchen an der gleichen Stelle gefallen waren, war von einigen Schülerinnen beobachtet worden. Sie beschrieben diesen Bereich als „eisglatt“.

Tränenreicher Verhandlungstag

Etwa fünf Minuten, bevor Sophia mit ihren Freundinnen am Gleis entlang ging, hatte eine heute 27 Jahre alte Juristin die gefährliche Mulde passiert. „Ich bin auf dieser eisglatten Stelle ausgerutscht und aufs Gleis gefallen. Zum Glück kam der Zug noch nicht, und ich kam wieder heraus“, sagte die 27-Jährige. Der Bahnsteig sei zudem sehr marode gewesen, und am Bahnhof habe morgens immer ein großes Gedränge geherrscht. „Die Zustände waren bedenklich: Es war nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert“, sagte sie.

Es war ein emotionaler Verhandlungstag. Im Zeugenstand wurde am Dienstag viel geweint. Bei ihrer Schilderung der letzten Momenten Sophias musste die Freundinnen schluchzen. Auch Sophias Mutter, die den Prozess als Nebenklägerin verfolgt, weinte.

Lesen Sie den ausführlichen Text – auch mit der Kritik der Verteidiger an den Aussagen – in der Mittwochausgabe der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper.

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