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Der Standort von Karstadt und Galeria wackelt offenbar.

Neue Sorge um Kaufhäuser

Standortgarantie für Galeria Kaufhof und Karstadt in Fulda wackelt offenbar

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Fünf Jahre sollte es die beiden Kaufhäuser Galeria Kaufhof und Karstadt in Fulda sicher weiter geben. Das hat die Konzernleitung im Dezember 2019 in einem Tarifvertrag zugesagt. Gut fünf Monate später ist die Zusage offenbar nicht mehr viel wert: Der Konzern will Standorte schließen. Ob Fulda dazu gehört, ist offen.

  • Geschäftsleitung spricht in einem Brief an die Mitarbeiter von Stellenabbau
  • Bis zu 60 Standorte in ganz Deutschland sollen betroffen sein
  • Wirtschaftlichkeit wird der große Entscheidungsfaktor sein

Fulda/Essen - Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof – seit der Kaufhaus-Fusion Ende 2018 Betreiber der beiden Fuldaer Kaufhäuser – suchte bereits Anfang März unter Verweis auf hohe Verluste durch die wochenlange Schließung wegen der Corona-Pandemie Rettung in einem Schutzschirmverfahren.

Das Verfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Jetzt stimmt das Unternehmen die Mitarbeiter auf die Schließung von Warenhäusern und einen Abbau von Stellen ein.

„Einschneidende Maßnahmen“ – „Handelsblatt“ zitiert Brief

In einem Brief der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter heißt es, der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz gingen davon aus, „dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden“.

Aus dem Schreiben zitierte am Mittwoch das „Handelsblatt“. Das Unternehmen selbst äußerte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu dem Brief.

Fachmagazin rechnet mit 60 Standortschließungen

In dem Schreiben heißt es weiter, der Sachwalter und der Generalbevollmächtigte „sagen klar, dass es neben vielen anderen teilweise einschneidenden Maßnahmen leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen muss.“

Beide arbeiteten an einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Warenhauskonzern, ein erster Entwurf sei Ende der Woche zu erwarten, bis Ende Juni solle der Plan fertig sein. „Filialschließungen und Personalabbau sind keine Strategie“, kritisiert hingegen der Gesamtbetriebsrat.

Auch Entgegenkommen der Vermieter entscheidend

Schon Ende April hatte das „manager magazin“ berichtet, die Unternehmensführung bereite sich auf Standortschließungen vor. Die Arbeitnehmervertreter rechneten intern damit, dass bis zu 60 der gut 170 Standorte in Deutschland schließen könnten.

Aktuell würden die einzelnen Standorte analysiert und auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Wie viele Häuser tatsächlich schließen, hänge auch vom Entgegenkommen der Vermieter ab. Der Konzern wolle die Mieten drücken.

Fortführungskonzept bis Ende Juni

„Wir haben keinen belastbaren Hinweis darauf, dass 60 Standorte auf der Kippe stehen“, sagt hingegen Bernhard Schiederig, Fachbereichsleiter Handel bei der Gewerkschaft Verdi in Hessen. Verdi poche darauf, dass der erst im Dezember geschlossene Tarifvertrag weiter gelte.

„Die Mitarbeiter haben in dem Tarifvertrag einen Sanierungsbeitrag geleistet, indem sie ab 2020 auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Die Beschäftigten haben jetzt Sicherheit und nicht neue Hiobsbotschaften verdient“, sagt der Verdi-Fachbereichsleiter.

Für April, Mai und Juni erhalten die Mitarbeiter Insolvenzausfallgeld nach dem Flächentarifvertrag. Bis Ende Juni muss das Unternehmen ein Fortführungskonzept vorlegen. Über dessen Umsetzung entscheidet der Gläubigerausschuss. Der Gesamtbetriebsrat sitzt dabei mit am Tisch.

Lesen Sie hier: Galeria Kaufhofs Ende in Fulda: Mietreduzierung konnte Warenhaus nicht retten.

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