Fotos: privat

Spanischer Medienrummel um Marianne Drews – 100.000 Pilgerin in Herberge

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Künzell/ Nordspanien - Ziemlich überwältigt zeigte sich Marianne Drews vom plötzlichen Trubel um ihre Person. Der Grund: Während sie auf dem Jakobsweg unterwegs war, kam sie als 100.000 Pilgerin in eine bekannte Kultherberge in Güemes (Kantabrien).

Von unserem Redaktionsmitglied Selina Eckstein

Liebe Leser, stellen Sie sich vor, Sie wandern beziehungsweise pilgern über den Jakobsweg. Sie kommen in ein Dorf und werden von allen Menschen bejubelt.

Ein bisschen weit hergeholt mag diese Vorstellung klingen, doch Marianne Drews aus Künzell ist das genauso passiert. „Als ich die letzten Meter des kleinen Hügels zur Herberge „Albergue del Abuelo Peuto“ („Die Herberge des perfekten Opas“) in Güemes hinauflief, wunderte ich mich schon über die vielen Menschen, die am Eingang standen“, berichtet die 28-Jährige, die die letzte halbe Stunde ihres Wegs gemeinsam mit drei Österreichern gegangen war.

Erster Pilger 1999

Vor dem Eingang der Herberge zückten die Menschen ihr Smartphone, um den Moment zu filmen. Alle Leute hätten wild durcheinandergeredet, sie bejubelt und ihr ein Glas Sekt in die Hand gegeben: „In diesem Moment dachte ich noch – wow, wird hier jeder ankommende Pilger so herzlich begrüßt? Das ist ja wirklich besonders“, erinnert sich die Künzellerin.

Da alle um sie herum auf Spanisch redeten, verstand Drews nur Bahnhof. Anna, die als Freiwillige in der Herberge aushilft, konnte der Pilgerin schließlich auf Englisch erklären, warum alle feiern. Drews war die 100.000 Pilgerin in dieser Herberge, nachdem 1999, also genau vor 20 Jahren, der erste Pilger dort empfangen wurde.

Ein Teil der Geschichte

Für Drews selbst war es in diesem Moment „nur eine Zahl und ein verrückter Zufall, aber nach und nach verstand ich das Ausmaß und die Bedeutung dieses Moments für die Menschen, die seit 20 Jahren nur durch Spenden und ehrenamtliche Tätigkeit die Herberge aufgebaut haben und seitdem am Leben halten“, erklärte die Pilgerin.

Schließlich sei es nicht nur eine Herberge, sondern auch ein soziales Projekt, das auf dem kollektiven Engagement vieler beruht. All diese Dinge wurden Drews erst nach und nach bewusst. Genauso wie die Tatsache, dass sie nun als 100.000 Pilgerin ein Teil der Geschichte der Herberge geworden ist.

Fotos auf vielen Smartphones

Um diesen Moment festzuhalten, kamen am nächsten Morgen Reporter von Zeitungen, Radiosendern und dem spanischen Fernsehsender „tve“, um eine Reportage mit Drews zu machen. Da ihre Spanischkenntnisse nicht ausreichten, übernahm der Gründervater Ernesto die Gespräche mit den Radiosendern.

Auch in den darauffolgenden Tagen wurde die Künzellerin in Cafés und anderen Herbergen angesprochen. „In der Pilgerwelt verbreitete sich die Neuigkeit natürlich wie ein Lauffeuer.“ Die Leute seien dabei sehr aufgeregt gewesen, berichtet Drews weiter, und wollten ein Foto mit ihr machen. „Ehrlich gesagt will ich gar nicht wissen, auf wie vielen Smartphones ich mittlerweile verewigt wurde“, erzählt sie immer noch etwas ungläubig von dem Erlebten.

Blasenpflaster nicht vergessen

Bei all dem Medienrummel um ihre Person war es für sie persönlich eine wertvolle Erfahrung. Denn eigentlich wollte sie dem Trubel des Alltags entliehen, „doch der Jakobsweg stellt jeden vor seine ganz individuellen Herausforderungen“, musste die Pilgerin, die nicht gerne im Mittelpunkt steht, feststellen. Doch sie lernte für sich damit umzugehen und merkte, wie es ist, „plötzlich Projektionsfläche vieler Menschen“ zu sein.

Mittlerweile ist die Künzellerin wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Mit jeder Menge Erfahrungen und Erlebnissen im Gepäck, die sie so schnell nicht vergessen wird.

Jedem, der darüber nachdenkt, den Jakobsweg selbst einmal zu laufen, kann sie nur raten: „Wenn es einem schon immer mal durch den Kopf gespukt ist, den Jakobsweg zu gehen, kann ich nur sagen: ,Hört auf nachzudenken, macht es einfach!‘ Ach ja und Blasenpflaster nicht vergessen.“

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