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4600 Wanderer im Sperrgebiet - Bundeswehr freut sich über „viele glückliche Menschen“

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Von: Rainer Ickler

Wanderer beim Wandertag auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken.
Die Wanderer konnten sich an vielen Stellen über den Truppenübungsplatz informieren. © Rainer Ickler

Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause war es wieder soweit. Die Bundeswehr hatte am Wochenende zum Wandern im Truppenübungsplatz Wildflecken eingeladen. Die Resonanz war riesig: Mehr als 4600 Menschen machten von dem Angebot Gebrauch.

Wildflecken - Einmal im Jahr darf im Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes, wo sonst geschossen und gesprengt wird, gewandert werden. In diesem Jahr kamen besonders viele. Standort-Kommandant Oberstleutnant Kai Schulze war sehr zufrieden: „Ich habe nur glückliche Menschen gesehen, die die gute Organisation gelobt haben.“

Rhön: Wandern im Sperrgebiet - Viele Besucher auf Truppenübungsplatz

Drei Strecken standen zur Auswahl: 13,5 Kilometer, 22,7 Kilometer und die lange 26,7-Kilometer-Tour. Klaus Krieger aus Steinau wollte unbedingt den geheimnisvollen 808 Meter hohen Kleinen Auersberg erklimmen und von dort die Rundumsicht in die Rhön genießen. Seine Ehefrau Evi nutzte die Gelegenheit, um die Kirche Maria Ehrenberg kennenzulernen.

Otto und Gitti Brehler aus Hünfeld waren von der Tour begeistert: „Wir finden es interessant, im verbotenen Gebiet zu wandern. Es war perfekt organisiert, und wir wurden gut an den Raststationen verpflegt. Dazu gab es viele Informationen.“

Unter anderem gaben Bundeswehr-Angehörige Einblicke in die verschiedenen Munitionsarten und die Problematik der Blindgänger. An einer anderen Stelle konnten die Wanderer sehen, wie beim Üben auf Metallscheiben geschossen wird.

Aber der Truppenübungsplatz ist auch ein Gebiet, in dem die Natur sich selbst überlassen bleibt und sich ungestört entwickeln kann. Ein Teil der Fläche ist Kernzone. Wölfe, Mufflons, Biber, Schwarzstörche oder Kammmolche sind hier sesshaft. Viele seltene Pflanzen können ungehindert wachsen, weil sich die Natur quasi im Urzustand befindet. Denn in weiten Bereichen findet keine Nutzung stattfindet. Egon Schleyer, Leiter Naturschutz im Bundesforstamt, nennt den Truppenübungsplatz ein „Landschaftsmuseum“. „Die Vielfalt an Tieren und Pflanzen ist hier sehr groß.“

An einer Stelle der Wanderstrecke wird an die Zeit erinnert, als die US-Armee den Truppenübungsplatz in Unterfranken betrieben hat. Historische Jeeps und Lkw sowie nachgebaute Zelte mit Inventar vermitteln einen Einblick, wie es früher war. Auf einem Foto wird daran erinnert, dass auch Elvis Presley während seiner Armeezeit bei einem Manöver in Wildflecken war. Zuständig für das Wiederaufleben der Geschichte der US-Armee sind Gruppen aus Gersfeld und Haßfurt, die die Exponate gesammelt haben und bei verschiedenen Gelegenheiten zeigen.

Wandern in Wildflecken: Bundeswehr informiert über ihre Arbeit

Auf der Wanderung kommt man auch an einstigen Ortschaften vorbei, die 1937/38 im Zuge des Baus des Truppenübungsplatzes abgesiedelt wurden – wie Silberhof, Reußendorf, Werberg oder Dörrenberg. Lediglich kleine Hinweistafeln erinnern an deren Existenz.

Ein Höhepunkt für viele Wanderer ist der Besuch von Maria Ehrenberg. Hunderte nutzten die Gelegenheit, um sich die Kirche anzuschauen, über ihre Geschichte zu informieren und über den imposanten Aufstieg mit den unzähligen Treppenstufen zu staunen. Auf der großzügigen Freifläche rund um das Gotteshaus bietet sich die Gelegenheit, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.

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