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Die Sportart Futsal im Fadenkreuz – Ein Pro und Contra

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Eschborn ist heute Schauplatz des Futsal-Hessenpokals. Mit dabei hätten die SG Oberzell/Züntersbach, die SG Ausbach/Friedewald, der Hünfelder SV oder die SG Rückers als letztjährige Kreismeister sein können. Mitmachen will niemand des Quartetts.

Von unseren Redaktionsmitgliedern Johannes Götze, Michel Ickler und Tobias Konrad

Für den Hessenpokal darf sich lediglich dann der Kreissieger qualifizieren, wenn im Kreis nach Futsal-Regeln gespielt wurde. Dies war zumindest im vergangenen Jahr in allen vier heimischen Kreisen der Fall. Der DFB hatte im aktuell gültigen Masterplan angewiesen, Futsal zu fördern und offizielle Turniere des Verbands nur noch nach Futsal-Regelwerk durchführen zu lassen.

Der HFV setzt dies um und gibt regulären Fußballteams durch die Kreismeisterschaften die Möglichkeit, sich für den Hessenpokal zu qualifizieren. In diesem treten zudem reguläre Futsal-Teams an. Aktuell gibt es 17 gemeldete Teams im gesamten Bundesland, die in Regionalliga (zwei), Hessenliga (sieben) und Verbandsliga (acht) Meister, Auf- und Absteiger ausspielen. Heuer werden nur zwölf Teams in Eschborn antreten, gerade einmal vier Kreissieger haben gemeldet. Das Interesse geht von Jahr zu Jahr zurück. Sowohl auf Kreis- als auch auf Landesebene.

Vorrundenaus im Hessenpokal

Die Gründe sind vielfältig. Thorsten Heiderich, Trainer der FSG Hohenroda, gibt einen Einblick. Sein Team war als einziges osthessisches im vergangenen Jahr zum Hessenpokal nach Kelkheim gereist. „Wie dort Futsal gespielt wurde, war echt in Ordnung. Allerdings sind wir so ein bisschen wie Robinson Crusoe auf die Insel gekommen, weil die anderen Mannschaften im Ligabetrieb Futsal spielen.“

Entsprechend war für den Kreisoberligisten nach der Vorrunde Schluss. Dennoch zog sich der Tag gewaltig, die Anreise begann um 6.30 Uhr, spätabends war der Tross zurück in der Heimat. Wirklich herzerwärmend sei die Veranstaltung ohnehin nicht gewesen, „weil wir vielleicht vier, fünf Fans mit dabei hatten, und die anderen Mannschaften hatten auch nicht mehr. Entsprechend war in der Halle außer den Teams nichts los.“

Viel weniger Fouls

Grundsätzlich gibt sich Heiderich gegenüber Futsal nicht verschlossen: „Ich habe mir die Spiele schon vor der Jahrtausendwende bei Eurosport angeschaut und fand das damals schon super. Aber ich frage mich, ob das im unteren Amateurbereich Sinn ergibt. Wenn ich das Turnier in Wildeck mit Rundumbande und die Kreismeisterschaften in Wildeck vergleiche, ist das rein vom Spaß her eine ganz andere Geschichte.“

Heiderich habe festgestellt, dass beim regulären Hallenfußball viel weniger Foul gespielt würde, als dies noch in den Neunzigern der Fall sei, womit er das oft herangezogene Argument des faireren Spiels bei Futsal entkräften möchte.

Nur neun Teams in Künzell

Nicht umsonst wird auch im Kreis Hersfeld/Rotenburg hinter vorgehaltener Hand diskutiert, ob man wieder weg vom Futsal gehen sollte. Zumal in Wildeck gar eine Rundumbande genutzt werden könnte. Fuldas Pokalspielleiter Gerhard Wiegand hatte in der Vorwoche kundgetan, „dass ich persönlich lieber Futsal auf große Tore gespielt hätte“.

Dennoch setzte er auf das offizielle Regelwerk, um den Vereinen nicht die Möglichkeit zur Teilnahme am Hessenpokal zu nehmen. Sofern die Veranstaltung auch im kommenden Jahr stattfindet, dürfte dort die Spvgg. Bimbach teilnehmen. Nur neun Teams hatten in Künzell den Kreismeister gesucht – so wenige wie noch nie.

Hallenmasters in Hünfeld

Der Hünfelder SV als Masterssieger im Kreis Lauterbach/Hünfeld hingegen nicht. Der Kreis entschied sich gegen Futsal – und musste dafür ein Hindernis überspringen. Nicht mehr Kreismeisterschaften sondern Hallenmasters heißt die Veranstaltung nun, außerdem musste der Förderverein des Kreisfußballausschusses als offizieller Veranstalter auftreten.

Weil alle Topteams gemeldet hatten und diese auch ausnahmslos ihre ersten Garnituren in die Halle schickten, konnte das Turnier als Erfolg verbucht werden – zumal die Halle deutlich besser als im Vorjahr gefüllt war.

Davon konnten die Kreise Fulda und Hersfeld/Rotenburg in diesem Jahr nur träumen. Spätestens in den K.o.-Runden waren die Hallen leergefegt. Und auch Interesse und Beteiligung in Schlüchtern lassen von Jahr zu Jahr nach, wie die aktuelle Runde beweist. Der Usus einer vollen Halle ist längst Geschichte.

Pro von Michel Ickler

Tempo, Cleverness und Technik: Diese drei Eigenschaften beschreiben den Futsal am besten. Der kleine sprungreduzierte Ball ist einfach zu kontrollieren, bleibt am Boden und ermöglicht bessere Kombinationen. Hinzu kommt das nahezu körperlose Spiel. Im Idealfall kommt eine Partie zustande, die wir uns alle beim Fußballschauen wünschen: schnell und direkt. Der Fußball quasi in seiner Ursprungsform. Auch wenn das eben beschriebene Spiel im Amateurbereich nicht komplett umgesetzt werden kann – auf dem Spielfeld fühlt es sich so an. Denn - Hand aufs Herz - „hoch und weit“ wird oft genug in der regulären Saison gespielt. Futsal also als eine willkommen Abwechslung, die gleichzeitig zur Entwicklung im technischen Bereich dient.

Zudem bietet der Futsal gleiche Bedingungen für alle. Keine Frage ist die Bande beim Hallenfußball wie ein siebter Feldspieler. Aber wer darf mit diesem spielen? Der Rechts- oder Linksaußen – reiner Zufall! Fußball ist aber ein Leistungssport und sollte nichts mit Zufall zu tun haben. Wie beim Futsal, bei dem sich die schnellere, cleverere und technisch versiertere Mannschaft durchsetzt. Von der Verletzungsgefahr in der Halle möchte ich erst gar nicht anfangen zu sprechen. Gegen ein komplettes Foulverbot ohne rassige Zweikämpfe sollte es demnach keine Einwände geben. Ein Spiel ohne Blutgrätschen, Verzweiflungsschüsse aus der zweiten Reihe, dafür aber mit Technik und Feingefühl – schöner kann Fußball in der Halle doch gar nicht sein!

Contra von Tobias Konrad

Futsal kann schön sein. Da stimme ich dem Kollegen Ickler zu. Allerdings sollten wir das Spiel mit dem kleineren Ball doch den Profis überlassen. Ohne unsere hiesigen Kicker in ein schlechtes Licht rücken zu wollen, muss gesagt sein, dass die fußballerischen Mittel bei dem Großteil doch eher begrenzt sind. Ein schnelles, direktes Spiel? Mitnichten. Viel zu selten habe ich in der Vergangenheit miterlebt, dass sich die qualitativ besseren Teams durchgesetzt haben. Vielmehr gelingt es den weitaus limitierteren Mannschaften, sich besonders in den K.o.-Spielen durchzumogeln. Das kleine Tor wird verbarrikadiert – und dem Gegner fallen in der kurzen, zehnminütigen Spielzeit keine Ideen ein. Das soll also schön aussehen?

Viel zu gerne sehe ich einen herrlichen Distanztreffer in den Winkel. Ganz davon abgesehen ergeht es vielen Zuschauern wohl ähnlich. Anders lässt es sich nicht beschreiben, dass sich beispielsweise bei der Endrunde des Kreises Hersfeld/Rotenburg vor zwei Wochen nur eine Handvoll an Leuten in die Halle verirrt hatte. Wer schaut sich schon gerne 15 Partien an, die meist nur ein Tor beinhalten? Oder weshalb waren die Tribünen beim Turnier des SV Großenbach oder beim HZ-Cup deutlich besser gefüllt? Die Zuschauer stehen auf Unterhaltung. Ich plädiere ganz klar für den traditionellen Hallenfußball, gerne mit Rundumbande, jedoch ebenso gerne mit ähnlichen Regeln wie beim Futsal. Daraus müssen wir eine gute Kombination finden!

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