Fotos: Mirko Luis

Stadtpfarrer Buß: „Authentizität ist die halbe Miete“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Petersberg - Die Entwicklung einer guten Gesprächs- und Kritik-Kultur hält Fuldaer Stadtpfarrer Stefan Buß für elementar, um in Unternehmen, Institutionen, aber auch im privaten Bereich Vertrauen herzustellen. „Wenn wir authentisch sind, haben wir die halbe Miete gewonnen“, sagte er in seinem Impulsvortrag zu Beginn des 3. Fuldaer Marketingtages.

Von Mirko Luis

Eröffnet wurde dieser von Tino Mickstein, Vorsitzender des Vereins Marketing-Netzwerk Region Fulda. Die vielen positiven Reaktionen auf die ersten beiden Marketingtage hätten den Verein nicht zögern lassen, das Veranstaltungsformat fortzuführen. Das zentrale Thema der Veranstaltung „Wem vertrauen wir“ sei aktueller denn je. Ob in Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft – immer mehr Akteure bemühten sich, Vertrauen zu gewinnen. Der Fuldaer Marketingtag, so Micksteins Ankündigung, soll zu einer festen Institution werden. Er bedankte sich in dem Zusammenhang für die Unterstützung bei der Region Fulda GmbH und bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, die den Teilnehmern das vom Wirtschaftstag bekannte Online-Voting-Tool zur Verfügung stellt, mit dem direkt Fragen an die Referenten gestellt werden können.

Vor 110 Teilnehmern der Fachtagung – darunter Unternehmenschefs, Marketingspezialisten und Führungskräfte der Region – verdeutlichte Buß, dass man in der Geschäftswelt keine Angst haben müsse, nicht sofort auf jede Frage eine Antwort liefern zu können. Man könne seinem Gegenüber beispielsweise sagen, dass man sich genau die selbe Frage stelle wie er und um die Antwort ringe. Das sei viel glaubwürdiger als eine Lösung vorzutäuschen. „Wer neue Dinge ausprobiert, darf dabei auch Fehler machen – wichtig ist es, offen mit diesen umzugehen“, so der Stadtpfarrer. Fehler zu reflektieren, brauche natürlich Zeit.

Gerade dort, wo Menschen in Verantwortung stünden, sei ein vertrauensvolles Miteinander wichtig. Buß riet Führungskräften dazu, mit Mitarbeitern ein Jahresgespräch zu führen, bei der als zentraler Punkt die Befindlichkeiten des Mitarbeiters stehen. Mit Blick auf die Kirche meinte Buß, dass für sie Netzwerken und offene Kommunikation längst zum Alltagsbrot geworden sei und da keine großen Unterschiede zur Wirtschaftswelt bestünden.

Enttäuschung und Frust führe bei vielen Menschen nicht nur zu Enttäuschungen, sondern zur Entwicklung von Misstrauen. Daraus werde ein Schutzschild, das nach dem Prinzip „Wenn man mit dem Schlimmsten rechnet, kann man nicht enttäuscht werden“ funktioniere. Herrsche in Unternehmen keine Kultur des Vertrauens, drohten diesen ernsthafte Probleme – bis hin zum Zerfall.

„Angst kann sich entfalten, wenn wir nicht die Kontrolle haben“, so Buß. „Einmal gesätes Misstrauen ins Positive zu wenden, fällt schwer“, verdeutlichte er und brachte als Beispiel die Flüchtlingsbewegung. Er habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen noch gar keinen persönlichen Kontakt mit Ausländern gehabt hätten, zum Selbstschutz aber ein „Schubladendenken“ und eine negative Haltung gegenüber dem Fremden entwickelten.

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