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Statistik der Arbeitsagentur: 1500 Betriebe im Kreis planen Kurzarbeit

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kreis Fulda - Selten hat sich ein Arbeitsmarkt binnen weniger Tage so gewandelt wie in diesem Monat: Am 12. März, dem Stichtag für die März-Zahlen, war noch alles rosarot. Die Arbeitslosenquote lag im Kreis bei traumhaften 2,8 Prozent. Dann kam Corona. Rund 1500 Betriebe im Kreis haben Kurzarbeit angezeigt.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

„Die aktuelle Krise trifft die Region hart. Fast alle Branchen – außer Gesundheit und dem Bereich Lebensmittelhandel – sind betroffen“, sagt Waldemar Dombowski, Chef der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, unserer Zeitung. Rund 2200 Unternehmen im Arbeitsagenturbezirk, davon 1500 im Kreis Fulda, haben bis Ende März Kurzarbeit angemeldet. Mit der Anzeige von Kurzarbeit starten die Betriebe das formale Verfahren, damit Beschäftigte Kurzarbeitergeld erhalten.

„Manche Unternehmen haben schon für die zweite Märzhälfte Kurzarbeit angezeigt, die meisten gehen ab 1. April in diese Phase“, sagt Dombrowski. Wie viele Arbeitnehmer betroffen sind, erfasst die Agentur erst, wenn tatsächlich kurzgearbeitet wurde. Unsere Zeitung hatte am Samstag geschätzt, dass mehr als 10 000 Beschäftigte im Kreis betroffen sein werden. Der DGB schließt sich heute dieser Schätzung an.

Vergleich zur Finanzkrise 2009

Wie gewaltig der wirtschaftliche Einbruch sein wird, zeigt ein Vergleich. „Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes wird das Niveau der Finanzkrise 2008/09 weit übertreffen. Im April 2009, dem Höhepunkt der Krise, waren 6900 Beschäftigte im Kreis Fulda in Kurzarbeit. Jetzt wollen 1500 Unternehmen in Kurzarbeit gehen. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten wird sehr hoch sein“, sagt Dombrowski. „Ein Unterschied der Krisen 2009 und jetzt ist auch, dass in der Lehman-Krise vor allem Industriebetriebe, gerade Autozulieferer, betroffen waren. Jetzt sind fast alle Branchen und alle Unternehmensgrößen betroffen.“

Am 12. März, dem Stichtag der März-Statistik, war die Welt noch halbwegs in Ordnung. Am Freitag, 13. März, beschlossen die meisten Bundesländer, ihre Schulen zu schließen. „Seit diesem Tag werden wir von den Firmen mit Fragen zum Kurzarbeitergeld überrollt“, berichtet Dombrowski. „Die Zahl der Anfragen stieg explosionsartig an“, kommentiert er. Sein Ziel sei es, dass alle Betriebe, die Kurzarbeit ab 1. April beantragt haben, dieses bis Ende April auch erhalten. Dazu habe die Agentur die zuständige Abteilung mit 66 Kräften aus Bereichen verstärkt, die jetzt weniger gefordert sind. Beantragt wird das Kurzarbeitergeld vom Arbeitgeber.

Zeichen für Frühjahrsaufschwung

Die Statistik zum Stichtag 12. März enthält Zahlen wie aus einer anderen Welt. Die Arbeitsagentur sieht in dem Rückgang der Arbeitslosigkeit bis zum Stichtag „Zeichen für einen Frühjahrsaufschwung“.

Mitte März waren im Landkreis Fulda 3530 Personen arbeitslos. Dies waren 136 weniger als im Februar 2020 und 47 mehr als im März 2019. Von der einsetzenden Frühjahrsbelebung haben laut Agentur alle Personengruppen profitiert. Im Vergleich zum Vorjahr fällt der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit bei jüngeren Menschen unter 25 Jahren positiv auf (minus 21 auf 401). Dagegen stieg die Zahl der älteren Arbeitslosen über 50 Jahren spürbar an (plus 49 auf 1104).

Solide Verfassung bis 13. März

„Trotz der Konjunkturdelle zeigte sich der Arbeitsmarkt bis zum 13. März in einer soliden Verfassung“, sagt Dombrowski. Die Arbeitslosenquote sank gegenüber Februar und erreichte mit 2,8 Prozent das Niveau von März 2019. „Die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt wurde von der Pandemie abrupt beendet.“

Der Agenturchef bewertet es positiv, dass die Unternehmen versuchen, ihre Beschäftigten durch die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld zu halten. Dieses Instrument habe sich in der Finanzkrise 2008/2009 bewährt.

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