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Fehlgeburten durch Hundekot? Gemeinden weisen auf mögliche Risiken hin

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Von: Suria Reiche

Tobias Konrad und seine Hündin Holly drehen im Hünfelder Bürgerpark ihre abendliche Runde.
Tobias Konrad und seine Hündin Holly drehen im Hünfelder Bürgerpark ihre abendliche Runde. © Charlie Rolff

Es ist ein wahrlich „beschissenes“ Thema: Hundekot auf Gemeindewegen, Wiesen und öffentlichen Plätzen. Landwirte in der Region schlagen aber nicht nur aufgrund des Ekel-Faktors Alarm. Denn der Hundekot könne für ihre Tiere gefährlich sein.

Osthessen - Insgesamt fünf Tiere zählt der Elterser Landwirt Stefan Reinhard, welche in der vergangenen Zeit noch vor ihrer Geburt verendet sind. Grund dafür sei Hundekot, der bei der Heu-Herstellung oder in der Silage ins Futter seiner Kühe und Rinder gelangt sei. Das sei nicht nur traurig, sondern stelle auch einen finanziellen Schaden dar, so der Landwirt. „Und das Problem wird größer“, sagt er.

Denn: Nur die wenigsten Hundehalter wüssten von dem Problem, das der Kot ihrer Vierbeiner in der Landwirtschaft anrichten könne. Gelange er ins Futter der Tiere, könne das sogar zu Fehlgeburten führen. Durch den Kot im Futter könne nämlich ein Parasit mit dem Namen „Neospora caninum“ übertragen werden. Das bestätigt auch Dr. Fabian Kunz von der Tierarztpraxis Hünfelder Land. Deswegen sei es wichtig, dass Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere in Feld und Flur mitnehmen.

Osthessen: Fehlgeburten durch Hundekot? Gemeinden weisen auf Risiken hin

„Der Hundekot treibt auch die Menschen in der Politik um“, sagt Christina Dehler, Ortsvorsteherin des Hofbieberer Ortsteils Elters im Kreis Fulda. Sie habe schon aus vielen Ortsteilen der Gemeinde gehört, dass vermehrt Beschwerden darüber eingingen. „Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Hundehalter-Dichte sehr verstärkt. Das Thema Hundekotverschmutzung ist auch auf dem Land zu einem echten Problem geworden“, sagt sie.

Auch in Schlitz habe sich die Anzahl der Hundebesitzer in der Pandemie vermehrt, sagt Bürgermeister Heiko Siemon (CDU). „Im Großen und Ganzen gehen die Hundebesitzer in Schlitz verantwortungsvoll mit der Beseitigung der Hundekotbeutel um. Jedoch gebe es auch hier Vandalismus – zum Beispiel würden die Beutel herausgerissen und anderweitig verwendet. (Lesen Sie hier: Politik macht sich für Hundewiese in Neuhof stark)

Timo Zentgraf (parteilos), Bürgermeister von Künzell, sieht bei der Sache mit dem Hundekot mehr Schwierigkeiten: Hundekot sei in nahezu jeder Gemeinde ein Problem. „Unvernünftige Hundebesitzer machen eben nicht an den Gemeindegrenzen Halt“, sagt er. Selbst „vernünftige“ Hundebesitzer schimpften regelmäßig über die „unvernünftigen“ Hundebesitzer, so Zentgraf.

Einer dieser „vernünftigen“ Hundebesitzer ist Roland Kaufmann, Vorsitzender der Ortsgruppe Hünfeld des Vereins deutscher Schäferhunde. Er sagt: „Den Hundekot auf Wegen und Wiesen liegenzulassen, das geht überhaupt nicht.“ Deswegen sei bei den Mitgliedern des Vereins bei jedem Spaziergang eine Plastiktüte an der Leine dabei, in der der Kot entsorgt werde. Aber es gibt sie: Die Hundehalter, die den Kot ihrer Vierbeiner einfach liegenlassen. Und das wirft ein schlechtes Licht auf diejenigen, die die Haufen ihrer Tiere sachgemäß entsorgen.

Christina Dehler, Ortsvorsteherin von Elters, will mit Schildern auf das Hundekot-Problem im Ortsteil von Hofbieber aufmerksam machen.
Christina Dehler, Ortsvorsteherin von Elters, will mit Schildern auf das Hundekot-Problem im Ortsteil von Hofbieber aufmerksam machen. © Sophie Brosch

In Hünfeld seien das die meisten, sagt Pressesprecher Helmut Käsmann: „Ich würde sagen, 99 Prozent der Hundebesitzer stellen kein Problem dar“, sagt er. Genau wie an anderen Orten gebe es einige Hundetüten-Spender, aus denen Hundebesitzer Tüten ziehen können, um die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu entsorgen.

Video: Nicht nur in der Stadt: Warum Sie Hundehaufen auch in der Natur einsammeln sollten

Eigentlich sollten Hundebesitzer mit den Tüten den Kot ihrer Tiere aufnehmen und die im besten Fall zugeknoteten Tüten in einen Mülleimer werfen. Das machen aber laut Gemeinden nicht alle: Auch in Wartenberg gebe es hier und da Verschmutzungen mit Hundekot, sagt Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann (SPD).

Die Gemeinde habe in beiden Ortsteilen an markanten Stellen entsprechende Hundebeutel-Spender für Hundekot aufgestellt. Insgesamt seien diese an etwa 20 von Hundebesitzern stark frequentierten Standorten zu finden. „Die Tüten sind in der Regel farbig markiert, um entsprechend gut gefunden zu werden, falls sie mal nicht im Mülleimer landen.“ Denn „schwarze Schafe“, die sich nicht an die örtlichen Gepflogenheiten halten, gebe es in den Gemeinden immer.

Auch Zentrgraf spricht davon, dass es in Künzell mittlerweile zahlreiche Hundekottüten-Spender und Abfalleimer gebe, in denen der Hundekot landen soll. „Doch anscheinend sind das nie genug, wenn man die weggeworfenen Beutel am Wegesrand auch in unserer Gemeinde sieht.“ Nicht nur am Wegesrand, sondern auch auf Wiesen landet der Hundekot laut Landwirt Reinhard – und dann gelange er nicht selten ins Futter der Tiere.

„Dass Fehl- und Totgeburten in Zusammenhang mit dem Hundekot stehen, wissen viele Hundehalter nicht“, so Dehler, die deswegen mit Info-Tafeln in der Gemeinde auf das Problem aufmerksam machen will.

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