Fotos: ZKW Otterbein, Volker Nies

Steinbruch soll in Richtung Müs wachsen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Müs - Die Zement- und Kalkwerke (ZKW) Otterbein wollen ihren Kalksteinbruch bei Müs erweitern. Dabei soll der Steinbruch bis auf 135 Meter an den Ort heranrücken. Diese Pläne stoßen nicht bei allen Anwohnern aus der Umgebung auf Zustimmung. Das zeigte die Bürgerversammlung in Müs am Montagabend.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Der große Saal im Bürgerhaus in Müs war voll besetzt. 250 Bürger wollten sich aus erster Hand über die Pläne des Unternehmens informieren. Das Publikum blieb reserviert: Für die Darstellungen des Unternehmens gab es ebenso verhaltenen Beifall wie für die Kritik aus der Zuhörerschaft.

Um 6,5 Hektar soll der Steinbruch in Richtung Müs wachsen. Zugleich strebt das Unternehmen eine Vertiefung des Abbaus an. „Nur dort befinden sich die Rohstoffe, die den Fortbestand des Steinbruchs und des Unternehmens mit seinen 120 Arbeitsplätzen um weitere 20 bis 25 Jahre sichern. Die Rohstoffe jetzt reichen noch etwa 20 Jahre, die Firma braucht aber eine längere Perspektive“, sagte Winfried Müller, der die Firma mit seinem Sohn Dr. Christian W. Müller führt.

Steinbruch 135 Meter neben einem Dorf zulässig?

Bei der Stellung des Genehmigungsantrags werden sie von Martin Buschmann von der Aachener Ingenieurgesellschaft SST beraten. Buschmann moderierte die Diskussion am Montag und beantwortete viele Fragen – etwa dazu, ob ein Steinbruch 135 Meter neben einem Dorf zulässig ist. „Es gibt keinen gesetzlich festgelegten Mindestabstand. Doch Grenzwerte für Lärm, Staub und Erschütterung müssen eingehalten werden“, sagte Buschmann.

Ein Zuhörer zitierte aus einem Brief der ZKW-Firmenleitung von 2013, in dem die Firma einem Verein untersagte, in einem Radius von 300 Metern um den Steinbruch eine Vereinshütte zu errichten. Denn in diesem Umkreis seien Gebäudeschäden durch Sprengungen möglich. Der Seniorchef bestätigte, dass es den Brief gab. Buschmann erklärte, da sei die Firma wohl sehr vorsichtig gewesen.

Sprengungen viermal pro Woche

Der Ingenieur erklärte, im ZKW-Steinbruch werde viermal pro Woche gesprengt. Das werde in Zukunft nicht mehr werden. Einige Anwohner schilderten, dass man Sprengungen in vielen Teilen von Müs deutlich spüre. Buschmann erwiderte, dass auch bei Erschütterungen Grenzwerte einzuhalten seien. Werde ein Haus nachweislich durch eine Sprengung beschädigt, hafte die Firma.

Mehrere Zuhörer fragten, was in einigen Jahrzehnten nach der jetzt geplanten Erweiterung folge. Diese Frage lasse sich nicht beantworten, sagte Winfried Müller. „Ich verstehe, dass es Emotionen gibt“, äußerte er. Er wolle aber auch ein lebenswertes Müs, denn er wohne selbst im Ort.

Ausdehnung Richtung Müs?

Der Bergbau-Experte Prof. Dr. Hossein Tudeshki sagte, dass er die ZKW seit zehn Jahren berate. Der Abbau im bisher genehmigten Bereich biete keine langfristige Basis. „Zwei mögliche Befreiungsschläge bieten sich an: Man geht innerhalb des genehmigten Bereichs tiefer, oder man dehnt den Abbau in Richtung Müs aus“, sagte Tudeski. Er rate, beide Wege zu gehen.

Bei seiner Erklärung zeigte er auf eine Skizze von Erdschichten, einen sogenannten Längsschnitt. Als der Bad Salzschlirfer Heimatforscher Ferdinand Stein darauf hinwies, das gezeigte Bild zeige keine Erdschichten bei Müs, korrigierte sich Tudeshki: Er habe nur ein für die Region typisches Profil zeigen wollen.

Genehmigung wird noch auf sich warten lassen

Buschmann sagte, er erwarte, dass das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Kassel mehrere Jahre dauere. Die Firma habe die Bürger früh informieren wollen. Besonders kompliziert werde das Konzept für den Grundwasserschutz werden. „Aber dafür finden wir eine Lösung“, sagte er. Das Grundwasserkonzept solle in zwei drei Jahren vorliegen.

Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) bremste die Diskussion etwas. Er verwies darauf, dass erst einmal die Gemeindevertretung entscheide. Vor einem Genehmigungsantrag des Unternehmens muss der Regionalplan geändert werden. Diesen Antrag können nicht die ZKW Otterbein stellen, sondern das kann nur die Gemeinde tun.

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