Aus Sicht der meisten Bewohner von Müs waren die Zement- und Kalkwerke Otterbein schon bisher Quelle vieler Probleme.
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Aus Sicht der meisten Bewohner von Müs waren die Zement- und Kalkwerke Otterbein schon bisher Quelle vieler Probleme.

Dauerkonflikt beschäftigt Menschen

Bürgerbefragung zur Steinbrucherweiterung: 82,5 Prozent der Müser in Sorge

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die große Mehrheit der Bürger von Müs lehnt die vom Unternehmen ZKW Otterbein geplante Erweiterung des Kalksteinbruchs bis auf 135 Meter an den Ortsrand ab. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Anlieger.

Großenlüder - Die Gemeinde hatte alle Bewohner von Müs über 14 Jahren sowie die Bewohner von einigen Straßen in Uffhausen, die in der Nähe des Steinbruchs liegen, im Juli nach ihrer Meinung gefragt. Dazu wurden anonymisierte Fragebögen versandt. „Es ist wichtig, dass wir erfahren: Wie sind die Menschen betroffen? Was können wir für sie tun?“, sagte Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) bei Beginn der Befragung im Frühsommer.

Gestern hat der Gemeindevorstand die Ergebnisse veröffentlicht. 1131 Personen erhielten Fragebögen. 66,5 Prozent haben geantwortet. Zum Vergleich: Bei der vergangenen Kommunalwahl im März 2016 lag die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Großenlüder niedriger: bei 57,1 Prozent.

Steinbruch-Streit in Müs: Unabhängiger Notar wertete Fragebögen aus

658 Fragebögen wurden gewertet. Von den Teilnehmern sagten 82,5 Prozent, sie hätten „Befürchtungen zum neuen Abbaugebiet“, 75,1 Prozent sagen, sie seien in den vergangenen Jahren vom Kalksteinabbau betroffen gewesen. Unter den Teilnehmern erklärten 54 Prozent, sie wohnten im Umkreis von 500 Metern zum geplanten neuen Abbaugebiet. 51,8 Prozent sind über 50 Jahre alt, 20,8 Prozent sind unter 30 Jahre.

Um möglicher Kritik an der Neutralität der Befragung zu entkräften, berichtet der Gemeindevorstand, die Unterlagen für die Befragung seien von einem unabhängigen Notar gesichtet und überprüft worden. Der Notar habe auch die Auswertung der Fragebögen überwacht und habe keine Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Konflikt mit den ZKW Otterbein: „Nehmen die Ergebnisse zur Kenntnis“

Die BürgerinitiativePro Lebensraum Großenlüder“ sieht die Befragung positiv: „Für uns sind die Ergebnisse eine Bestätigung unserer Arbeit und der Resonanz, die sie wir aus der Bevölkerung erhalten“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Janina Reinhardt. „Die Befragung zeigt deutlich, welche Meinung und Ängste die Menschen in der Gemeinde Großenlüder seit langem haben. Sie zeigt auch, dass weitaus mehr Menschen betroffen sind, als dies die ZKW einräumen. Die Ergebnisse motivieren uns, unsere Arbeit fortzusetzen.“

Die Geschäftsleitung der Zement- und Kalkwerke Otterbein erklärt unserer Zeitung: „Wir nehmen die Ergebnisse der Jugend- und Bürgerbefragung zur Kenntnis. Wir laden alle Interessierten weiter zum Nachbarschaftsdialog ein.“ In Sprechstunden habe sich gezeigt, dass Befürchtungen und Sorgen häufig auf Unwissenheit und Falschinformationen beruhten.

„Wir verstehen, dass mit dem Vorhaben viele Bedenken verbunden sind, über die differenziert gesprochen werden muss. Unser Ziel ist es, alle relevanten Aspekte zu Umwelt, Natur und Mensch durch Fachexperten gutachterlich prüfen zu lassen.“ Dem Unternehmen sei klar, dass die Behörden nur dann eine Genehmigung erteilten, wenn sie überzeugt seien, dass keine negativen Auswirkungen für Mensch, Umwelt und Natur zu erwarten seien.

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