Die Milchstraße ist auf der Wasserkuppe gut zu sehen.
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Die Milchstraße ist auf der Wasserkuppe gut zu sehen.

Funkelnder Sternenhimmel in der Rhön

Mitten im Sternenpark: Eine Nachtwanderung auf der Wasserkuppe offenbart einen wahren Schatz

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Wenn sich der Himmel langsam von Blau zu Schwarz färbt, dann offenbart sich ein wahrer Himmelsschatz und es werden zigtausend Sterne sichtbar. Das ist dann auch die Stunde von Sternenführerin Anja Johannes.

  • Anja Johannes bietet Sternenwanderungen in der Rhön an.
  • Bei den Wanderungen zeigt sich am Himmel immer auch die Lichtverschmutzung der Erde.
  • Die Rhön wirbt mit dem Prädikat „Sternenpark“, während den Wanderungen wird das deutlich.

Wasserkuppe - Doch als die Sternenwanderung auf der Wasserkuppe gegen 22.15 Uhr losgeht, ist kaum ein einziger Stern zu sehen. Die Dämmerung hat gerade eingesetzt. Lediglich im Osten stehen zwei leuchtende Punkte am Himmel. Anja Johannes klärt auf: Das sind gar keine Sterne.

Nachtwanderung im Sternenpark Rhön: Anja Johannes erklärt den Himmel

Es sind die Planeten Jupiter und Saturn, die von der Sonne angestrahlt werden. „Wir haben acht Planeten in unserem Sonnensystem. Die Venus zum Beispiel kennt man als Morgen- oder Abendstern. Momentan sieht man sie morgens. Sie dreht sich langsamer um sich selbst als um die Sonne. Ich sage immer: Auf der Venus ist der Jahresurlaub schneller vorbei als die Nachtschicht“, sagt die 57-Jährige und fügt an: „Jeder Stern ist eine eigene Sonne. Unsere Sonne ist ein mittelgroßer Stern. Im Verhältnis zur Erde ist es so, als wenn man einen Gymnastikball mit einer Murmel vergleicht.“

Die Entfernung zwischen Sonne und Erde sei gerade richtig, dass Leben möglich ist. „Wäre unser Planet nur fünf Prozent näher an oder weiter weg von der Sonne, wäre es zu kühl oder zu warm. Es war quasi eine absolute Punktlandung.“

Anja Johannes erklärt bei der Nachtwanderung auf der Wasserkuppe den Sternenhimmel.

Eine Punktlandung ist auch das Datum der Sternenführung. Es ist eine dunkle Nacht. Neumond, keine Wolke am Himmel. Und es ist Kometenzeit: Komet Neowise ist momentan mit bloßem Auge zu erkennen. Doch um 22.45 Uhr lässt er noch auf sich warten. „Er wird auf jeden Fall zu sehen sein“, verspricht Anja Johannes.

Das erhoffen sich auch die vielen anderen Besucher, die an diesem Abend auf die Wasserkuppe gekommen sind. Es sind so viele wie selten zuvor, sagt die Sternenführerin. Kein Wunder: Es ist eine der letzten Nächte, an denen „Neowise“ sichtbar ist und der Erde sehr nah kommt. Danach wird er für Tausende von Jahren wieder in den Weiten des Alls verschwinden.

Sterne schauen auf der Wasserkuppe: Internationale Raumstation ISS zu sehen

Wie weit diese Weiten sind, wird jetzt mit jeder Minute deutlicher. Am Himmelszelt tut sich die Milchstraße auf. Wo eben noch das Sommerdreieck mit den Sternenbildern Schwan, Leier und Adler zu erkennen war, sind jetzt so viele Sterne zu sehen, dass man das Dreieck mit den Hauptsternen Deneb, Wega und Altair suchen muss.

Und wie man so nach oben schaut, schiebt sich ein heller Fleck ins Blickfeld. „Das ist die ISS. Die Raumstation leuchtet, weil sie von der Sonne angestrahlt wird. Sie fliegt in 27.000 Kilometern von West nach Ost. In 90 Minuten einmal um die Erde“, erklärt Anja Johannes. Kaum zu glauben, dass dort oben Menschen sind und Fotos von der Erde schießen.

Führungen

Die Volkshochschule des Landkreises und der Verein Sternenpark Rhön bieten öffentliche und individuelle Sternenführungen an. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.rhoen.de oder www.verein-sternenpark-rhoen.de .

Hessische Rhön lädt zu Nachtwanderungen ein

Solche Nachtaufnahmen zeigen immer auch die Lichtverschmutzung der Erde, Orte, an denen es nachts besonders hell ist. Das kann für die Tier- und Pflanzenwelt zum Problem werden: „Wenn es nicht richtig dunkel wird, dann ist der Tag-Nacht-Rhythmus gestört“, erklärt die 57-Jährige und holt zwei Fotos heraus, die die Plejaden zeigen – einmal fotografiert in der Nähe von Hanau und einmal auf der Wasserkuppe.

Dabei wird deutlich: Wegen der vielen Lichter der Stadt ist es in Hanau viel heller als in der Rhön. Und: Dort sieht man viel weniger Sterne als auf der Wasserkuppe.

Nicht umsonst wirbt die Rhön mit dem Prädikat Sternenpark. Am Radom angekommen, zeigt sich auch die Sternenstadt Fulda in der Ferne. Und – endlich – der Komet. Als wäre das nicht schon schön genug, fällt auch noch eine Sternschnuppe vom Himmel. Anja Johannes bringt es auf den Punkt: „Herz, was willst du mehr?“

Neben Sternenwanderungen kann man in der Rhön auch mit Alpakas spazieren gehen oder mit Monsterrollern fahren.

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