Fotos: Stadtarchiv Fulda

Stilles Ende einer Ära – heute ist bei Dura in Fulda nach 65 Jahren Schluss

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Eine neue Produktionstechnik und eine dynamische Unternehmerpersönlichkeit – das war die Basis für das Wachstum der 1955 gegründeten Fuldaer Firma Dura. Lange gehörte sie zu den größten Arbeitgebern der Region. Doch am Dienstag, 31. März, endet die Geschichte der Dura – eine Geschichte, die vor 65 Jahren ganz klein begann.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Zehn Jahre nach dem Krieg waren die meisten Deutschen aus dem Gröbsten heraus. Sie wollten sich etwas leisten – nicht zuletzt mehr Wohnkomfort. Christian Wirth, Eigentümer der Filzfabrik in Fulda, erkannte diesen Trend. Das herkömmliche Webverfahren war aber zu teuer, um Teppichböden zur Massenware machen zu können. Für einen größeren Markt brauchte er ein neues Herstellungsverfahren.

Fündig wurde Wirth in der Tuftingindustrie, die gerade in Amerika und England entstand. Wirth kaufte eine Tuftingmaschine in England und stellte sie in einem kleinen Raum seiner Filzfabrik auf. Am 23. Dezember 1955 gründete Wirth die Dura Tufting GmbH. Der Name Dura ist abgeleitet vom lateinischen Wort für dauerhaft.

Erster Rekord mit Monaco

Das erste Produkt waren Bettumrandungen mit dem Namen Monaco, weil gerade die Fürstenhochzeit in aller Munde war. Mit „Monaco“ erzielte die Dura ihren ersten Rekord: Mehr als die Hälfte aller verkauften Bettumrandungen kamen von der Dura.

Bald eroberte die Tuftingware den Markt der Bodenbeläge: 1967 wurden erstmals mehr getuftete Bodenbeläge verkauft als gewebte Beläge, 1980 lag der Marktanteil der Tuftingware bei 76 Prozent.

1580 Angestellte im Jahr 1991

In den ersten 25 Jahren machte die Dura insgesamt 3,1 Milliarden Mark Umsatz und verkaufte 212 Millionen Quadratmeter Tufting-Teppichböden. Die Zahl der Beschäftigten wuchs von 1960 bis 1980 von 250 auf 1550. Der Jahresumsatz lag 1981 bei 352 Millionen Mark.

Nach einer zwischenzeitlichen Delle lag der Umsatz 1991 erneut bei 377 Millionen Mark, 1580 Menschen arbeiteten in Fulda und Großenlüder für die Dura.

Top 3 bei den Privatkunden

Gründer Christian Wirth war 1969 verstorben. Angestellte Geschäftsführer setzten den Wachstumskurs fort. Die Wirth-Gruppe mit ihren Hauptfirmen Dura und Filzfabrik war ein Unternehmen von bundesweitem Rang. Die jährlichen Pressekonferenzen von Filzfabrik-Geschäftsführer Dr. Helmut Schäfer zur Vorstellung der Bilanz fanden abwechselnd in Fulda und Frankfurt statt. Alles, was in der Wirtschaftspresse Rang und Name hatte, kam.

Die Umsätze des Unternehmens wuchsen in den 1970er und 1980er Jahren beständig. Die Teppichböden für den Wohnbereich waren das Hauptgeschäft; bei Privatkunden war die Dura Marktführer, im Objektbereich – also Teppiche für Büros, Hotels und Geschäfte – gehörte sie zu den Top 3.

Der Bereich der Teppichböden für die Automobilindustrie war kleiner, aber wuchs stärker. Die Produktion von Autoteppichböden konzentrierte sich auf Großenlüder. Hier waren 1990 etwa 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Engagement für den Umweltschutz

Bei den getufteten Böden war die Dura jahrzehntelang Marktführer in Deutschland. Sie war ebenso Innovationsführer: In den 1970er Jahren begann die Dura als erstes Unternehmen, den Autoherstellern bereits verformte Bodengruppen zu liefern.

1992 unternahm die Dura einen Versuch, in der Nähe der Werke der Autohersteller eigene Produktionen aufzubauen, um schneller liefern zu können. Das 1992 eröffnete Werk in Belgien, von dem aus Ford beliefert wurde, schloss 1999 aber wieder, als der Auftrag von Ford auslief.

Auch im Engagement für den Umweltschutz war die Dura vorn. Als eines der ersten Unternehmen verzichtete sie 1990 auf den Einsatz von FCKW in Teppichböden.

Umsatz ging zurück, Stellen gingen verloren

Aber Mitte der 1990er ging der Umsatz bei den Teppichen für den Wohn- und Objektbereich kontinuierlich zurück. Von 1993 bis 2001 schrumpfte der Jahresumsatz von 370 auf 247 Millionen Mark. Parallel ging die Mitarbeiterzahl von 1500 auf 800 zurück.

Allein 2001 gingen 230 Stellen verloren, was in Fulda für Aufsehen sorgte. Nur der Autobereich blieb zunächst stabil. Mitte der 2000er Jahre ging die Dura erneut auf Expansionskurs – auch außerhalb Europas.

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