Karl-Heinz Kaib (links) und Jakob Brähler stehen an der Spitze der Kalbacher Bürgerinitiaitive.	Foto: Volker Nies
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Karl-Heinz Kaib (links) und Jakob Brähler stehen an der Spitze der Kalbacher Bürgerinitiaitive.

Bürgerinitiative wehrt sich

Streckenplanungen für Fulda-Frankfurt -„Kalbach wäre eindeutig der Verlierer“

  • Volker Nies
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Die Bürgerinitiative „Keine weitere Bahntrasse durch Kalbach” lehnt die von der Bahn bevorzugte Variante IV für die Neubaustrecke Frankfurt–Fulda ab. Die Initiative fordert, zwischen Schlüchtern und Fulda im Wesentlichen die heutige Trasse zu nutzen.

Kalbach - Die Variante IV, die von der Bahn bevorzugt wird, würde im Kreis Fulda vor allem das Gemeindegebiet von Kalbach berühren. Diese Variante IV führt in einem zehn Kilometer langen Tunnel von Schlüchtern bis an das Kalbachtal. Das Kalbachtal soll mit zwei Brücken überquert werden. „Kalbach wäre der Verlierer bei dieser Trasse – ganz eindeutig“, warnt Jakob Brähler, Vorsitzender der BI. „Eine solche Belastung unserer Gemeinde ist nicht akzeptabel. Schon in der acht bis zehn Jahre dauernden Bauphase würde vor allem Mittelkalbach buchstäblich untergehen“, mahnt Brähler.

Gemeinsam mit BI-Schriftführer Karl-Heinz Kaib, dem früheren Kalbacher Bürgermeister, hat er dem Regierungspräsidium Darmstadt eine 17 Seiten lange Stellungnahme übersandt. Das RP bewertet derzeit in einem Raumordnungsverfahren die Planungen der Bahn. Bis Ende September konnten sich Anliegergemeinden und Bürger zu den Plänen äußern. In einem Jahr will das RPDarmstadt erklären, wo und wie die Bahn weiter planen soll.

Diskussion um Bahntrasse durch Kalbach - Bürgerinitiative wehrt sich gegen Pläne

Die Kalbacher drängen darauf, dass sich das RP für eine genaue Prüfung der Variante V einsetzt. Dabei würde die Neubaustrecke im Korridor der bisherigen Trasse gebaut. Diese Variante war lange Ziel der Regionalplanung. „Mit ihrem neuen Vorschlag hat sich die Bahn von jahrzehntelang gültigen Planungen entfernt“, kritisiert Kaib. „Es war lange Konsens in der Politik und bei Planern, dass Trassen gebündelt werden sollen. Die A 66 und die neue Strecke für die Bahnverbindung Fulda–Frankfurt sollten gebündelt werden“, erinnert Kaib. Diese Bündelung sei im gültigen Regionalplan Nordhessen festgeschrieben. Eine intensive Prüfung einer solchen Bündelung habe auch das Regierungspräsidium Darmstadt schon 2015 in einem Schreiben an die Bahn gefordert, sagt Kaib. „Es gibt keinen Grund, von diesem Grundsatz abzuweichen.“

Dass eine Bündelung von alter und neuer Strecke möglich sei, zeige die Bahn selbst, sagt Brähler: Zwischen Hanau und Gelnhausen werde die neue Schnellbahnstrecke als Ausbau der bestehenden Strecke erfolgen. „Weil die Bündelung von Autobahn und Bahn-Neubaustrecke immer Ziel war, ist der entlang der A 66 Raum für die Neubaustrecke sogar jetzt schon vorhanden. Im Bereich des Neuhofer Bahnhof liegt das dritte Gleis sogar schon“, betont Brähler.

Fehlende detaillierte Schallberechnung führt zur Belastung Kalbachs

Von einem Neubau in der bestehenden Bahntrasse profitierten auch die Gemeinden, die an dieser Trasse liegen, weil sie dann einen besseren Lärmschutz bekämen, sagt Brähler: „Durch den Neubau gelten schärfere Lärmgrenzwerte. Das bedeutet, dass an der Neubaustrecke der Lärm sinkt, obwohl mehr Züge fahren werden“, erklärt Brähler.

Das werde eine genaue Lärmberechnung bestätigen, die aber von der Bahn bisher abgelehnt werde. „Durch die Weigerung der Bahn, detaillierte Schallberechnungen durchzuführen, werden Varianten bevorzugt, die kaum Siedlungsgebiete queren. Das führt jetzt zu einer ungerechtfertigten Belastung Kalbachs“, beklagt Kaib. Auch der BUND Hessen sei für den Kalbacher Vorschlag, die Trassen zu bündeln.

Durch den Tunnelbau des östlichen Gleises bestehe zudem die Gefahr, dass die Abdichtung der Kreisabfalldeponie beschädigt werde. Die Variante IVgefährde auch Wasserschutzgebiete und sie schränke die Siedlungsentwicklung von Kalbach ein.

Die von der Bahn als zweitbeste Lösung bezeichnete Variante VII bringe Kalbach keine Verbesserung, denn sie werde Niederkalbach und dazu auch Neuhof und Flieden stark belasten, erläutert Kaib.

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