Der Weinberg am Frauenberg.
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Der Weinhistorische Konvent muss den Weinberg am Frauenberg wohl verlassen.

Schlappe für Konvent

Streit um Weinberg

Die Zeichen verdichten sich: Der Weinhistorische Konvent muss den Weinberg am Frauenberg wohl verlassen. Eine Klage des Vereins ist nun vom Landgericht Fulda abgewiesen worden.

Der Streit um den Weinberg tobt bereits seit mehreren Jahren. Die Eigentümer des Grundstücks, das Ehepaar Susanne und Franz Erhard Walther, haben den Pachtvertrag zum Jahresende 2018 auslaufen lassen. Sie hatten die Veranstaltungen des Vereins im Weinberg als störend empfunden. Zudem habe das Verhalten einzelner Mitglieder das Vertrauensverhältnis zerstört. Der Weinkonvent baut dort bereits seit 30 Jahren Wein an. Mit dem Engagement soll auch daran erinnert werden, dass Fulda auf eine lange Weintradition zurückblickt: Die Stadt war im frühen Mittelalter die größte Winzergemeinde Deutschlands.

Der Verein hatte deshalb Anfang des Jahres darauf geklagt, den Pachtvertrag fortzusetzen. Diese Klage ist nun vom Landgericht abgewiesen worden, bestätigt Pressesprecher Patrick Krug. „Nach Auffassung der Kammer wurde der zwischen den Parteien geschlossene Pachtvertrag wirksam durch die Kündigungserklärung der Beklagten mit Ablauf des 31. Dezember 2018 beendet“, erklärt er. Der Pachtvertrag habe ausdrücklich „das Recht einer jeder Partei vorgesehen, selbigen – unter Einhaltung einer zeitlichen Frist – ordentlich zu kündigen“. Dieses Recht hätten die Eigentümer ausgeübt.

Kaufangebot wurde abgelehnt

Der Verein hat jetzt die Möglichkeit, Berufung einzulegen und vor das Oberlandesgericht ziehen. Da das Urteil bereits Anfang April gefällt wurde, müsste der Weinhistorische Konvent dies in den nächsten zwei Wochen tun. „Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. Aber wir denken auf jeden Fall darüber nach, in die nächste Instanz zu gehen“, sagt die Kanzlerin des Konventes, Barbara Hermann. Auf die Argumente des Vereins, etwa dass kein Kündigungsgrund vorliege und dass der Weinberg für die Öffentlichkeit erhalten bleiben müsse, sei das Gericht nicht eingegangen. Die Eigentümer wiederum sehen sich durch das Urteil in ihrem Handeln bestärkt: „Das Landgericht hat die Klage vollumfänglich abgewiesen“, betont Dr. Tarek-Leander Bary, Anwalt der Walthers.

Sollte es zu keiner Berufung kommen, muss der Konvent das Gelände räumen – also sowohl die Aufbauten als auch die Rebstöcke entfernen. Die Eigentümer haben allerdings erlaubt, dass die Mitglieder den Weinberg eine Zeit lang weiter pflegen dürfen. Ein Kaufangebot des Areals durch den Verein lehnen die Eigentümer aber ab, sagt Bary: „Es liegt nicht im Interesse der Eheleute Walther, Teile ihres Grundstücks zu veräußern.“

Wohin mit den Veranstaltungen?

Zwar hat der Verein mittlerweile die Aussicht auf einen alternativen Weinberg – ein städtisches Grundstück, ebenfalls am Frauenberg. „Wir sind der Stadt sehr dankbar für diese Möglichkeit, wollen das Gelände aber nicht bewirtschaften, solange nicht geklärt ist, wie es mit dem vorhandenen Weinberg weitergeht“, sagt Kanzlerin Hermann.

Ebenso unklar ist, wo die Veranstaltungen des Vereins künftig stattfinden. Vergangenes Jahr wurden die Affengalerie am Schlossgarten und das ehemalige Café Palais benutzt, die dieses Jahr wegen Bauarbeiten nicht zur Verfügung stehen. In Gesprächen mit der Stadt ist deshalb die Idee aufgekommen, den Museumshof dafür zu nutzen. „Das wäre ein attraktiver Ort, um die Historie und die Kultur des Weines in Fulda hervorzuheben“, sagt Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Allerdings müsse noch geprüft werden, ob und wie das überhaupt umsetzbar wäre. Unabhängig vom Ort: Die Veranstaltungen des Weinkonventes liegen wegen Corona derzeit auf Eis.

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