Aus einem Wasserhahn läuft Wasser.
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Die Versorger in Schlitz und Bad Soden-Salmünster stellten fest, dass der Wasserverbrauch gestiegen ist. (Symbolfoto)

Fuldaer schlafen länger

Strom- und Wasserverbrauch verändert sich in Corona-Zeiten – aber nicht überall

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Was bedeutet Corona-Krise eigentlich für die Ver- und Entsorger? Alle Nase lang Händewaschen in Zeiten verschärfter Hygieneregeln? Kein Problem. Homeoffice-Alltag? PC oder Laptop hochfahren – los geht es. Denn Strom und Wasser sind ja da. Und die Verpackung vom gestern Abend gelieferten Essen? Ab in die Tonne.

  • Es gibt keine signifikanten Veränderungen beim Umgang mit dem Trinkwasser in Hünfeld, Schlitz und Bad Soden-Salmünster.
  • In Fulda gibt es eine deutliche Verschiebung der Zeiten, in denen Verbraucher aktiv sind.
  • Stromverbrauch bei den Industrie- und Gewerbekunden ist massiv zurückgegangen.

Region - Die Corona-Zeiten haben den Lebensrhythmus vieler Menschen verändert: Wenn die Kinder nicht morgens um 7.07 Uhr an der Bushaltestelle sein müssen, weil keine Schule ist, wenn die Eltern nicht morgens um halb neun im Geschäft oder im Büro sein müssen, wenn Paare ihren Arbeitsplatz in die eigene Wohnung verlagern, dann müssen auch deutlich weniger Menschen früh aus den Federn.

Keine Veränderungen im „Verbrauchsrhythmus“

Theoretisch. Aber vielleicht stehen ja doch viel mehr Menschen „wie immer“ auf und nutzen die nicht verplante Zeit zum Zeitunglesen... Weder bei den Stadtwerken in Hünfeld, den Versorgern in Schlitz und Bad Soden-Salmünster hat man nämlich in den vergangenen Wochen signifikante Veränderungen beim Umgang mit dem Trinkwasser festgestellt: „Der Anstieg der Verbrauchszahlen im Vergleich von März bis Mai ist hauptsächlich auf den jahreszeitlich bedingt höheren Bedarf zurückzuführen. Wahrscheinlich liegt ein geringer Teil des Mehrverbrauchs auch daran, dass sich die meisten Verbraucher beim Händewaschen durch die Hygienehinweise mehr Zeit lassen“, mutmaßt Andreas Fischer von den Stadtwerken Bad Soden-Salmünster. Frank Jahn sieht die Ursache der Schlitzer Mehrverbräuche im April 2020 vor allem im warmen Wetter begründet: Es floss mehr Wasser in die Gärten.

Beim „Verbrauchsrhythmus“ sieht man weder in der Kurstadt noch in Schlitz oder Hünfeld Veränderungen: „Corona hatte bislang auf das Verbrauchsverhalten der Haushalte keinen Einfluss“, beschreibt Stadtsprecher Helmut Käsmann die Lage für die Stadtwerke Hünfeld, die ihre Kunden mit Wasser und Strom beliefern. „Genau wie in der Vor-Coronazeit beginnen die Verbrauchsspitzen wochentags um fünf, samstags um sechs – man will ja was im Garten machen – und sonntags erst um sieben Uhr – noch rechtzeitig zum Fernsehgottesdienst oder vorher zum Kirchgang“, liefert Käsmann auch gleich die mutmaßlichen Ursachen mit.

In Fulda ist der Energiebedarf mittags höher als bisher

Vielleicht ticken ja Beinahe-Großstädter anders: Im Großraum Fulda gibt es offenbar eine deutliche Verschiebung der Zeiten, in denen Verbraucher aktiv sind, berichtet die Pressestelle der RhönEnergie Fulda-Gruppe, die einen starken Kundenschwerpunkt in und um Fulda hat. „Morgens wird zurzeit deutlich später Strom verbraucht und mittags ist der Energiebedarf höher als bisher.“ Heißt übersetzt: „Der Fuldaer an sich“ schläft länger als sonst, ohne sein Verbrauchsverhalten ansonsten groß zu verändern. Dieses Phänomen lässt sich, wie die Zeitung „Die Welt“ berichtet, auch in anderen großstädtischen Räumen beobachten. In München, Augsburg, Leipzig und Hamburg beispielsweise verschiebt sich die „Morgenspitze“. Warum die Dresdner diese Spitze eine halbe Stunde eher erreichen als die Hamburger, bleibt ungeklärt.

Die RhönEnergie bestätigt den bundesweiten Trend, dass der Stromverbrauch bei den Industrie- und Gewerbekunden derzeit massiv zurückgegangen ist: Wenn die Maschinen infolge der Corona-Pandemie stillstehen, sinkt der Strombedarf der Firmen stark.

Abfall-Zweckverband hat mehr Hausmüll zu entsorgen

Beim Trinkwasser stellt auch die RhönEnergie keine deutlich veränderten Zapf-Rhythmen fest. Allerdings, so die Pressestelle, stelle man einen insgesamt spürbaren Rückgang des Verbrauchs fest. Dieser gehe über saison- und wetterbedingte Schwankungen hinaus. Ob das nun daran liegt, dass mehr Haushalte Regenwasser für den Garten nutzen oder dass das Leitungsnetz dank einer kleineren Zahl von Rohrbrüchen weniger Verluste aufweist, ist nicht klar.

Doch es gibt auch Bereiche mit Zuwächsen. Denn wenn sich Tag für Tag mehr Menschen in den eigenen vier Wänden aufhalten, dann fällt dort auch mehr Müll an: Der Abfall-Zweckverband im Landkreis Fulda berichtet, dass er viel mehr Hausmüll zu entsorgen hat. Dabei schlügen nicht zuletzt die Verpackungen von Fastfood und vom Online-Shopping zu Buche.

Die Leitung spülen

Einrichtungen und Betriebe, die wegen der Krise aktuell geschlossen sind oder die nach längerer Schließung wieder öffnen, sollten ihre Trinkwasserleitungen regelmäßig spülen. Das rät die Pressestelle der RhönEnergie Fulda-Gruppe. Das Trinkwasser selbst sei sicher. Steht das Wasser aber längere Zeit in der Leitung, könne es zu hygienischen Problemen innerhalb der Installation kommen.

re-fd.de/unternehmen/presse

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