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Studie: In Zentren wie dem Klinikum Fulda überleben Krebspatienten länger

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Von: Volker Nies

Die wirtschaftliche Situation des Klinikums Fulda ist angespannt.
In einem zertifizierten Krebsbehandlungs-Zentrum wie dem Klinikum Fulda ist die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Studie zufolge deutlich höher als in einem Krankenhaus. © Stadt Fulda

Krebspatienten leben nachweislich länger, wenn sie in einem zertifizierten Krebszentrum behandelt werden. Das ist das Ergebnis einer großen bundesweiten Studie, deren Bedeutung für Osthessen das Klinikum Fulda am Mittwoch vorgestellt hat. Der Maximalversorger unterhält die einzigen Krebszentren in der Region.

Fulda - Lungenkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs - wer eine Tumordiagnose erhält, der ist oft wie am Boden zerstört. Eine der ersten Fragen des Betroffenen ist: Wo wird mir jetzt am besten geholfen? Zumindest auf diese Frage gibt es jetzt eine klare Antwort: In einem zertifizierten Krebsbehandlungs-Zentrum - wie sie in Osthessen allein am Klinikum Fulda bestehen - ist die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich höher als in einem Krankenhaus, das sich nicht auf die Behandlung von Krebspatienten spezialisiert hat.

Studie: In Krebszentren überleben Patienten länger

Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie, für die Daten von mehreren 100.000 Krebspatienten analysiert worden sind, die von 2009 bis 2017 in einem deutschen Krankenhaus behandelt wurden und bei der AOK versichert waren. Allein die Zahl der erfassten Brustkrebspatienten lag bei 143.000, machte Christine Lochner, Koordinatorin am Onkologischen Zentrum des Klinikums, den Umfang der Untersuchung deutlich. Bundesweit gibt es rund 150 Krebszentren.

Der Unterschied in der Überlebenswahrscheinlichkeit ist deutlich. Besonders groß war der Überlebensvorteil durch eine Zentrumsbehandlung bei Gebärmutterhalskrebs (minus 25,9 Prozent Sterblichkeit), Hirntumorkrebs (minus 15,8 Prozent), Lungenkrebs (minus 15,0 Prozent) und Brustkrebs (minus 11,7 Prozent). Deutliche Vorteile ergaben sich auch bei Darmkrebs, Kopf-Hals-Tumor, Protstatakrebs und bei gynäkologischen Tumoren.

Stellten die Krebsbehandlungsstudie am Klinikum Fulda vor (von links): Achim Hellinger, Thomas Hawighorst, Joachim Henkel, Thomas Menzel, Stefan Sydow, Christine Lochner und Heinz-Gert Höffkes.
Stellten die Krebsbehandlungsstudie am Klinikum Fulda vor (von links): Achim Hellinger, Thomas Hawighorst, Joachim Henkel, Thomas Menzel, Stefan Sydow, Christine Lochner und Heinz-Gert Höffkes. © Volker Nies

„Bisher haben wir zwar angenommen, dass die Behandlungsqualität in einem Krebszentrum besser als in einem nicht zertifizierten Krankenhaus ist, aber dieser Vorteil war nicht bewiesen. Durch die neue Studie ist der Beweis jetzt erbracht“, sagte Professor Dr. Heinz-Gert Höffkes, Chefarzt der Tumorklinikum am Klinikum Fulda. Krebszentren hätten klare Vorteile, sagte Höffkes: „Die Behandlung erfordert heute absolute Spezialisten. Sie ist auch für uns sehr anspruchsvoll.“

„Um von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert zu werden, müssen hohe fachliche Anforderungen erfüllt werden. Ich bin stolz darauf, dass uns das seit Jahren gelingt“, äußerte Klinikum-Vorstand Dr. Thomas Menzel. Das Klinikum ist erst kürzlich als fairstes Unternehmen 2023 im Bereich „Öffentliche Krankenhäuser“ ausgezeichnet worden.

Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für Patienten, sondern auch für unsere Mitarbeiter wichtig und ermutigend, weil sie zeigen, dass sich unsere Anstrengungen für mehr Qualität nachweislich auszahlen.

Dr. Thomas Hawighorst, Chefarzt der Frauenklinik des Klinikums Fulda

Die acht Krebszentren in Hessen spielen im Hessischen Onkologiekonzept eine wichtige Rolle, erläuterte Stefan Sydow, Leiter der Gesundheitsabteilung im Hessischen Sozialministerium. Er verwies auf große Unterschiede: Bei Brustkrebs werden 81 Prozent der Patientinnen und Patienten in einem Zentrum behandelt, bei anderen Krebsarten gehen die Werte bis auf elf Prozent hinunter.

Für die AOK Hessen legte Hauptabteilungsleiter Joachim Henkel dar, warum sich die Krankenkasse an der Studie beteiligt hat: „Wir haben die Daten unserer Patienten zur Verfügung gestellt, weil wir Qualität transparent machen wollen und uns Ergebnisqualität wichtig ist.“

Zentren

Onkologische Zentren am Klinikum Fulda mit Jahr der Gründung: Darmzentrum (2006), Brustzentrum (2007), Prostatakrebszentrum (2008), Onkologisches Zentrum am Klinikum Fulda (2014), Bauchraum-Onkologisches Zentrum (2014), Bauchspeicheldrüsenkrebszentrum (2014), Gynäkologisches Krebszentrum (2018), Blutkrebszentrum (2020), Zentrum für urologische Krebserkrankungen (2020), Nierenkrebszentrum (2020), Hirntumorzentrum (2021).

Der AOK-Experte verwies darauf, dass bei bestimmten Krebsoperationen ab 2025 Mindestmengen gelten werden, die ein Krankenhaus erfüllen muss, um sie durchführen zu dürfen. Der Wert liegt bei 100 Brustkrebs-OPs und 75 Lungenkrebs-OPs im Jahr. „Diese zahlenmäßige Anforderung erfüllen wir“, berichtete Dr. Thomas Hawighorst, Chefarzt der Frauenklinik. Er fügte an: „Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für Patienten, sondern auch für unsere Mitarbeiter wichtig und ermutigend, weil sie zeigen, dass sich unsere Anstrengungen für mehr Qualität nachweislich auszahlen.“

Dass sich die Fuldaer Zentren beim Vergleich mit den anderen Spezialisten auf Bundesebene nicht verstecken müssen, erläuterte Dr. Achim Hellinger, Chefarzt für Bauchraum-Chirurgie. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit kein Zentrum, das eine geringere Sterblichkeit seiner Darmkrebs-Patienten meldete als das Zentrum des Klinikums Fulda, berichtete Hellinger.

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