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Tadel für Regierungspräsidenten: Viel Kritik an Klübers Windkraft-Vorstoß

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kreis Fulda - Mit diesem Echo dürfte Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU) nicht gerechnet haben. Sein Vorstoß, im Kreis Fulda müssten mehr Windräder aufgestellt werden, stößt bei Naturschutzverbänden auf heftige Kritik. Und auch innerhalb der CDU hagelt es Protest.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

„Hinterhof-Ökologie“ wirft die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) dem Regierungspräsidenten vor, die Burghauner CDU spricht von „Durchhalteparolen“ Klübers, die Bürgerinitiative „Aufgewacht“ (Burkhardser Kopf) kommentiert, Klüber leiste „keinen Beitrag zu einer ernsthaften, sachorientierten Diskussion“, die Kreis-FDP schimpft, Klüber wolle „die ländlichen Regionen als Energielieferanten für die Ballungsräume missbrauchen“.

Klübers Vorstoß

Klüber hatte vor einer Woche in unserer Zeitung erklärt, der Kreis Fulda müsse einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Kreis würden viel weniger Windräder gebaut als im Rest des Regierungsbezirks. Viele Osthessen seien gegen Windkraft. „Die Bevölkerung will mehr Klimaschutz. Wir wollen in 30 Jahren kein CO2 mehr produzieren. Aber wie will die Region das erreichen?“, fragte Klüber. Wer Windkraft ablehne, der müsse sagen, wo der Strom herkommen solle. Wald sei im Prinzip ein geeigneter Standort.

HGON

HGON-Sprecher Reinhard Kolb sagt, er sie „erschüttert, dass der Regierungspräsident und die überwältigende Mehrheit der Politiker unseres Landes keinerlei Kompetenz in Energiefragen besitzen“. Man könne ein hochtechnisiertes Land wie Deutschland nicht autark mit Windenergie versorgen. „Derzeit produzieren bei uns über 30 000 Windräder 20 Prozent des Stroms. Doch Strom macht nur 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus. Wir benötigten in Deutschland mehr als zwei Millionen Windräder, um den Energiebedarf über Windstrom zu decken.“ Damit wäre Deutschland ökologisch zerstört. „Die Ausrichtung auf Windstrom zerstört, ohne ausreichend zu liefern.“ Alternativen gebe es – etwa Sonnenenergie aus der Sahara.

CDU Burghaun

„Mehr Klimaschutz bedeutet nicht den Bau von mehr Windrädern“, sagt Christian Heß, Fraktionschef der CDU-Burghaun. Die Union in Burghaun wehrt sich derzeit gegen einen Anfang November genehmigten Windpark bei Haunetal-Wehrda. Windstrom unterliege enormen Schwankungen. Deshalb müsse man bei einem Ausbau der Windenergie weiter Kohle- und Gaskraftwerke betreiben, da es derzeit keine praxistauglichen Speicher für Strom gebe. Das mache den Strom in Deutschland zu einem dem teuersten der Welt. Zudem sei Osthessen kein guter Standorte für Windkraftanlagen. Die geringsten CO2-Emissionen erzeugten Kernkraftwerke oder auch die neue Generation an Dual-Fluid-Reaktoren, einer besonderen Form von Kernreaktoren.

BI Aufgewacht

„Klübers Aussage, Windkraftkritiker müssten sagen, woher der Strom in Zukunft kommen soll, ist ein bemerkenswertes Beispiel an politischer Ratlosigkeit“, sagen Dennis Martin und Claus-Dieter Schad, Sprecher der BI „Aufgewacht“. Klüber halte Windkraft für ein Mittel zum Erreichen der Klimaziele. Daran gebe es jedoch Zweifel. Wenn Klüber eine sachliche Debatte wolle, dann müsse er die Argumente von Windkraftgegnern wie dem Hünfelder Bürgermeister Stefan Schwenk (CDU) und dem Neuhofer CDU-Vorsitzenden Franz Josef Adam ernsthaft prüfen. Dass der Burkhardser Kopf aus Gründen des Natur- und Artenschutzes als Vorrangfläche nicht in Frage komme, zeigten seit 2014 mehrere Gutachten – auch ein Kontrollgutachten 2019.

FDP Fulda

FDP-Kreischef Mario Klotzsche (FDP) wirft Klüber vor, dieser wolle mehr Windkraftflächen „politisch durchdrücken“. „Es kann niemals richtig sein, das zu zerstören, was wir erhalten wollen: unsere Wälder, Natur- und Lebensräume. Das sind die CO2-Speicher, die wir für den Klimaschutz benötigen.“ Durch moderne Gaskraftwerke und Bio-Erdgasanlage wie in Kleinlüder lasse sich viel mehr für den Klimaschutz tun als durch Windkraftanlagen.

CDU Fulda

CDU-Kreischef Markus Meysner äußert Verständnis für Klüber: „Er hat Recht, wenn er sagt, dass Osthessen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss. Das bedeutet aber nicht, dass mehr Windräder aufgestellt werden müssen.“ Richtig sei, dass Deutschland Alternativen zum Strom aus Kohle, Gas und Kernkraft finden müsse. „Wir müssen technologieoffen nach Alternativen suchen.“ Ihm fehle ein Gesamtkonzept für die Energiewende.

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