Archivfoto: Margit Strott-Heinrich

Tafel im Bergwinkel stellt vorerst Betrieb ein – die Fuldaer Tafel zieht am Freitag nach

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Fulda/Schlüchtern - Die Tafel im Bergwinkel stellt den Betrieb ein. Grund ist die Corona-Situation gepaart mit der Altersstruktur bei den Helfern. Auch die Lauterbacher Tafel hat bereits ihre Arbeit eingestellt. Die Fuldaer Tafel hat am heutigen Dienstag entschieden, dass nur noch bis Ende der Woche geöffnet ist.

Von unseren Redaktionsmitgliedern Tim Bachmann und Sebastian A. Reichert

„Die Hälfte unserer Helfer, mit mir inklusive, gehören mit gut 70 Jahren der Risikogruppe an. Viele haben Vorerkrankungen und sind durch das Coronavirus besonders gefährdet“, berichtet der Vorsitzende der hiesigen Tafel, Falko Fritzsch, auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Unsere Lager sind gefüllt und wir erhalten auch genügend Lebensmittel von den Supermärkten und Bäckereien. Doch uns fehlen die Helfer“, klärt der Warenmanager der Tafel im Bergwinkel, Walter Pickert, über das Missverhältnis auf. Das Problem hat aber nicht nur die Tafel im Bergwinkel. Wie Falko Fritzsch berichtet, haben bundesweit schon etwa 30 Tafel-Vereine ihre Arbeit vorerst eingestellt.

Corona-Verdachtsfall bei der Tafel nicht bestätigt

Auch die Tafel in Fulda kämpft mit denselben Problemen. „Die Hälfte der Helfer hat sich bereits abgeseilt“, sagt Professor Dr. Richard Hartmann, Vorsitzender der Fuldaer Tafel. „Die Abstandsregeln unter den Kunden und den Helfer kann nicht gewährleistet werden.“

Hartmann weiter: „Wir müssen über den Schutz aller nachdenken“. Das sei jedem klar, und auch, dass der Fuldaer Tafel-Verein „natürlich für unsere Kunden da sein“ will, wie Hartmann berichtet. Aber andererseits gehört „das Klientel an Helfern vom Alter her in der Risikogruppe“.

Vorstandssitzung am Dienstagmorgen

Bei der Fuldaer Tafel gab es indes auch schon einen Corona-Verdachtsfall. Ein Test gab aber Entwarnung. Der Helfer hatte nur eine Erkältung. Wäre der Test positiv ausgefallen, hätte die Tafel in Fulda wohl am Dienstag auch zum letzten Mal geöffnet.

Stattdessen ist am Freitag vorerst der letzte Öffnungstag. Der Vorstand der Fuldaer Tafel traf sich am Dienstag um 9 Uhr, um zu entscheiden, wie es angesichts der Corona-Situation am besten weiter gehen kann beziehungsweise ab wann der Betrieb eingestellt wird.

Der Vorstand der Fuldaer Tafel beschlossen dann „zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden die Abgabe von Lebensmitteln ab Freitag 20. März, bis auf Weiteres zu schließen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Ausgabe vereinfacht, um den Kontakt im Betrieb zu minimieren.“

„Schutzbedürftige Risikogruppe“

„Das trifft einen Personenkreis, der es wahrhaftig schon schwer genug hat“, klagt Fritzsch, der Vorsitzende der Tafel im Bergwinklel, derweil in Bezug auf die Betriebseinstellung. Die Helfer im Bergwinkel arbeiten in kleinen Teams von meistens drei bis fünf Personen. Sie sorgen dafür, dass Ware eingeholt, sortiert, ausgeliefert und an die Kunden verteilt wird.

„Viele Helfer sagen nun ab, weil sie selbst oder ein naher Angehöriger zur besonders schutzbedürftigen Risikogruppe gehören.“ So kann das Zentrallager momentan nur selten angefahren werden, da gleich mehrere Mitarbeiter durch Vorerkrankungen ihrer Ehepartner ausfallen – und sich nun in eine freiwillige Quarantäne begeben müssen.

Schwere Entscheidung

„Wir treffen diese Maßnahme schweren Herzens. Uns ist bewusst, dass viele Familien auf unsere Hilfe angewiesen sind. Doch ein Betrieb unter den vorliegenden Umständen ist weder den Helfern noch den Kunden zuzumuten.“

Am morgigen Dienst ist der vorerst letzte Ausgabetag in Steinau. Dann sollen die verderblichen Waren ausgegeben sein. Und auch wenn Pickert von einem gefüllten Lager spricht, so ist die derzeitige „Hamsterkauf-Situation“ auch für die Tafel-Vereine spürbar. „Ja, die Spenden gehen zurück“, sagt Fritzsch.

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