Die Talbrücke in Götzenhof.
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Der Abschluss der Bauarbeiten ist für 2023 vorgesehen.

Pfeiler neigte sich

Große Baustelle an A7-Talbrücke: Kreisstraße bleibt länger gesperrt als geplant

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Es hämmert, donnert und staubt gewaltig rund um die Talbrücke: Die Arbeiten auf der Mega-Baustelle bei Götzenhof, die im April begonnen hatten, langten Ende August an ihrem Höhepunkt an. Die unter der A7-Talbrücke verlaufende Kreisstraße muss indes länger gesperrt bleiben als gedacht. Ein Pfeiler neigte sich.

  • Die Bauarbeiten an der Talbrücke haben Ende August ihren Höhepunkt erreicht. Der Bahnverkehr unter der Brücke läuft wie gewohnt weiter.
  • Die A7 ist im Bereich der Talbrücke Götzenhof war zweitweise in Fahrtrichtung Würzburg nur einspurig befahrbar.
  • Die unter der A7-Talbrücke verlaufende Kreisstraße muss länger gesperrt bleiben als zunächst gedacht. Ein Pfeiler neigte sich.

Update vom 12. September, 18.15 Uhr: Wie Hessen Mobil mitteilte, muss die Sperrung der Kreisstraße K6 verlängert werden. Die Kreisstraße, die unter der A7-Talbrücke Götzenhof verläuft, sollte eigentlich am Samstag, 12. September, wieder für den Verkehr frei gegeben werden.

Hessen Mobil erklärte: „Die Sperrung verlängert sich jedoch bis Donnerstagabend, 17. September. Die Umleitung erfolgt als U2 Richtung Almendorf, Stöckels über Götzenhof, Steinau, Steinhaus und Almendorf sowie als U1 Richtung Steinau, Götzenhof in umgekehrter Richtung und als U3 Richtung Fulda-Lehnerz über Stöckels und Petersberg.“

Was ist der Grund für die Verlängerung der Sperrung? Bei den Abrissarbeiten der beiden ehemals die Fahrbahn tragenden Hohlkästen hatte sich laut Hessen Mobil durch das Gewicht eines Bruchstücks ein Pfeiler geneigt. Dieser Pfeiler müsse nun zunächst gerichtet und gesichert werden.

Erst danach könnten die Abbrucharbeiten am zweiten Hohlkasten fortgesetzt werden. „Der betroffene Pfeiler und der Pfeiler des zweiten Hohlkastens werden samt den Fundamenten erst nach der Freigabe der K6 zurückgebaut“, teilte Hessen Mobil abschließend mit. „Der Verkehr auf der Autobahn A7 ist nicht betroffen, da alle Fahrspuren bereits seit Anfang Juni über das östliche Teilbauwerk verlaufen.

Update vom 1. September., 13.45 Uhr: Die A 7 ist im Bereich der Talbrücke Götzenhof bei Petersberg am kommenden Wochenende in Fahrtrichtung Würzburg nur einspurig befahrbar. Die geänderte Verkehrsführung gilt von Freitag, 4. September, 19 Uhr bis Montag, 7. September, 6 Uhr.

André Jaborek (links) und Peter Wöbbeking vor der 56 Jahre alten Talbrücke Götzenhof. Das westliche Teilbauwerk wird zurzeit abgebrochen.

Die Breite der verbliebenen Fahrspur in Fahrtrichtung Würzburg beträgt 3,50 Meter. Die Verkehrsführung in Fahrtrichtung Kassel bleibt im Baustellenbereich unverändert zweispurig.

Die großräumige Umleitung erfolgt bereits ab dem Hattenbacher Dreieck, wo der Verkehr in Fahrtrichtung Süden über die A 5 geleitet wird. Die kleinräumige Umleitung erfolgt ab der Anschlussstelle Hünfeld/Schlitz als U 86 über die B 27 bis nach Fulda und von dort als U 88 weiter bis zum Fuldaer Dreieck. Auf die Umleitung wird durch große LED Tafeln vor der Anschlussstelle Hünfeld hingewiesen. Die LED Tafeln werden automatisch im Staufall aktiviert.

Erstmeldung vom 31.8.: Das westliche Teilbauwerk der fast 120 Meter langen Talbrücke Götzenhof wird abgebrochen; in der Mitte klafft bereits ein riesiges Loch, das Bagger aufgerissen haben und das nun ein Gewirr von Spannstahl-Strängen entblößt.

Peter Wöbbeking, der regionale Bevollmächtigte für Osthessen bei Hessen Mobil, und Baubevollmächtigter André Jaborek führen über die Baustelle und deuten auf die 450 Tonnen schwere Gerüstkonstruktion, die schon im vergangenen Jahr aufgestellt werden musste, weil die Deutsche Bahn 2020 keine Sperrpausen genehmigte.

Dank des Gerüsts können nun beim Abbruch keine Bruchstücke auf die Gleise fallen, und der Bahnverkehr läuft unter der Brücke wie gewohnt weiter. Auf die Frage, ob es besondere Herausforderungen gibt, die die Arbeiter meistern müssen, lacht Jaborek: „Eine Höhe von 15 Metern, nötige Abstimmungen mit der Bahn und zwei betroffene Kreisstraßen: Was wollen Sie noch mehr?“

Ursprünglich für 20.000 Fahrzeuge ausgelegt

Die Talbrücke entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen, erklärt Wöbbeking. 1964 sei das Bauwerk für 20.000 Fahrzeuge am Tag ausgelegt worden, heute sind es aber weit mehr als doppelt so viele, darunter sehr viel mehr Schwerlastverkehr.

Und auch der zunehmende Einsatz von Streusalz habe der Brücke zugesetzt. „Und es ist wirtschaftlicher, abzubrechen und neu zu bauen als zu sanieren“, sagt Wöbbeking. Rund 18,5 Millionen Euro werden investiert, die Kosten zahlt der Bund.

Die Konstruktion der neuen Brücke soll moderner werden: „Die Bautechniken haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt“, erklärt der Regional-Bevollmächtigte, und Jaborek zeigt auf die Stahlstränge, um diese Aussage zu verdeutlichen: Der neue Spannstahl ist anders als der alte geriffelt und kann sich daher besser mit dem Beton verbinden.

Wie die alte Brücke wird auch die neue als Spannbeton-Konstruktion errichtet. Dabei liegen Hüllrohre im Beton, in die die Spannstähle eingeführt werden. Wenn der Beton erhärtet ist, werden die dicken Drähte angespannt, damit sie den Beton zusammendrücken.

Dadurch können große Zugspannungen, wie sie durch eine starke Verkehrsbelastung entstehen, aufgenommen werden. „Es ist ein Zusammenspiel von Stahl und Beton, das auch große Spannweiten ermöglicht“, sagt Wöbbeking.

Die Brücke

Die Talbrücke Götzenhof wurde 1964 als Spannbeton-Hohlkasten-Brücke errichtet. Das 120 Meter lange Bauwerk besteht aus zwei voneinander unabhängigen Teilbauwerken. 2003 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt; unter anderem waren damals die Stege und die Koppelfugen im Hohlkastenboden verstärkt worden. Doch aufgrund der gestiegenen Verkehrsbelastung ist die Brücke den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Sie wird daher durch einen Neubau inklusive Pfeiler, Fundamente und Widerlager ersetzt. 

4+0-Verkehrsfürhung kann eingerichtet werden

Die Widerlager des neuen Bauwerks werden etwas versetzt, dadurch reduziert sich die Spannweite gegenüber der alten Brücke um vier Meter; auch die Pfeiler werden etwas verschoben. Unter den Widerlagern werden abhängig von der Beschaffenheit des Baugrunds bis zu 28 Meter lange Betonbohrpfähle in die Erde gerammt, die die Bauwerkskräfte in den Untergrund übertragen.

Weil die Brücke aus zwei unabhängigen Tragesystemen besteht, kann hier eine 4+0-Verkehrsführung eingerichtet werden. Schon seit dem Frühjahr wird der gesamte Autobahnverkehr in beiden Fahrtrichtungen jeweils vor der Baustelle mit vier eingeengten Fahrstreifen auf das östliche Teilbauwerk geleitet. Wenn das westliche neu gebaut ist, wird der Verkehr dann hierher verlegt und auf der anderen Seite gehen die Arbeiten weiter. Die gesamte Baumaßnahme soll bis Frühjahr 2023 abgeschlossen werden.

Seit dem vergangenen Wochenende wird auch die noch stehenden Reste des westlichen Teilbauwerks abgebrochen. Zunächst wird die Steinauer Straße zwischen Lehnerz und Götzenhof gesperrt, danach soll die Lehnerzer Straße folgen. Während dieser Zeit wird eine rund 50 Zentimeter starke Schicht aus Sand aufgeschüttet, um die Straßen vor Beschädigungen zu schützen. Während von oben die Abbruchbagger die seitlichen Kragarme des Überbaus abreißen, werden die zwei tragenden Hohlkästen von unten abgebrochen. Es wird ein faszinierendes Schauspiel.

Sperrung

Im Zuge der Arbeiten werden zwei Kreisstraßen gesperrt. Die Steinauer Straße ist ab Montag, 31. August, 9 Uhr bis Samstag, 5. September, nicht passierbar. Die Umleitung erfolgt als U1 Richtung Steinau, Götzenhof über Stöckels, Almendorf, Steinhaus und Steinau sowie als U2 Richtung Lehnerz in umgekehrter Richtung.

Die Lehnerzer Straße ist von 7. bis 12. September gesperrt. Die Umleitung erfolgt als U2 Richtung Almendorf, Stöckels über Götzenhof, Steinau, Steinhaus und Almendorf sowie als U1 Richtung Steinau, Götzenhof in umgekehrter Richtung und als U3 Richtung Fulda-Lehnerz über Stöckels und Petersberg

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