Manfred Dehler hat die geplante Ausstellung im Maßstab 1:10 vorab aufgebaut.
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Manfred Dehler hat die geplante Ausstellung im Maßstab 1:10 vorab aufgebaut.

Projekt von Manfred Dehler

Gejagt, gepeinigt und verbrannt - Ausstellung soll Geschichte der Hexenverfolgung in Osthessen erzählen

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Manfred Dehler plant eine Ausstellung im Tanner Naturmuseum über die Hexenverfolgung in der Region. Der Titel lautet „gejagt – gepeinigt – verbrannt“.

Tann - Manfred Dehler, ehemaliger Leiter der Tourist-Information Tann, liegt die Geschichte am Herzen. Und er will mit den Ausstellungen nicht nur an die Historie erinnern, sondern damit auch die Attraktivität der Stadt Tann steigern. „Mein Herz schlägt für Tann“, sagt er.

Es ist schon die achte Ausstellung, die er organisiert. Es fing mit dem Thema Spinnen an, gefolgt von der Schau über Rhöner Körbe und schließlich über das Thema Foltern. Danach begannen die geschichtlich orientierten Ausstellungen über „Eberhard von der Tann“, „475 Jahre Reformation in Tann“, „General Ludwig von der Tann“ und „Adel und Ritter der Rhön“.

Tann: Ausstellung zur Hexenverfolgung in Osthessen geplant

Jetzt hat der einstige Leiter der Tourist-Info das Konzept für die Hexenausstellung fertiggestellt. Daran hat er ein Jahr lang gearbeitet und viele namhafte Experten mit ins Boot geholt. Sie soll – wenn es die Corona-Pandemie zulässt – im Juli starten.

In seinem Haus hat er schon den Ausstellungsraum und die Exponate im Maßstab 1:10 nachgebaut. Dort ist genau dargestellt, wie er sich die Schau vorstellt. Das reicht vom Verhörraum über den Kerker, die Folterwerkzeuge bis hin zum Feuer, in dem sie verbrannt wurden. Bei der Realisierung werden ihm Lehrer und Künstler Burkhard Suchy-Amlung und eine Klasse der Eichenzeller Von-Galen-Schule behilflich sein. Die Besucher sollen nicht nur anhand von Tafeln und Bildern informiert werden, Dehler strebt an, mehrere Elemente einzubeziehen, um die Geschichte der Hexenverfolgung erlebbar zu machen. Das reicht von Filmen über ausgestellte Werkzeuge bis hin zu interaktiven Modellen.

Aber nicht nur das. Dehler hat mittlerweile vier namhafte Experten gewinnen können, die ihn mit Exponaten oder Ausarbeitungen zum Thema Hexenverfolgung in der Region Fulda unterstützen. Hartmut Hegeler aus Unna hat der Stadt Tann ein komplettes Ausstellungskonzept in Plakatform zur Verfügung gestellt. Seine Aktivitäten in Sachen Rehabilitierung werden deutschlandweit gewürdigt, sagt Dehler. (Lesen Sie hier: „Bitte keine Polizei“: 20-Jähriger fährt betrunken gegen Verkehrsinsel in Tann und flüchtet zu Fuß)

Historie

Zwischen 1600 und 1606 fielen im Hochstift Fulda weit über 200 Frauen der Hexenverfolgung zum Opfer. Dank der Nachforschungen und Veröffentlichungen der Heimatforscherin Ingrid Möller-Münch sind die Schicksale dieser Frauen heute unvergessen. Manfred Dehler will mit der Ausstellung an diese Schicksale erinnern. Sie seien Teil der regionalen Geschichte und sollten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 

Dr. Kai Lehmann, Direktor des Museums Schmalkalden, verfügt über alle derzeit bekannten Hexenprotokolle Deutschlands und wird eine Auswahl zur Verfügung stellen. Lehmann hat bei einer Terra-X-Sendung des ZDF zur Hexenverfolgung als beratender Historiker mitgewirkt. Dr. Berthold Jäger ist Experte der Hexenverfolgung im Stift Fulda in der Zeit von 1600 bis 1606 und hat erlaubt, Passagen aus seiner Broschüre zu verwenden. Ingrid Möller-Münch, Verfasserin der Broschüre zur Hexenverfolgung der Merga Bien, hat ebenfalls die Veröffentlichung aus Teilen ihrer Broschüre erlaubt.

Manfred Dehler hat Ausstellung in Tann vorbereitet

Das bisher nachweislich letzte Hexenhemd in Deutschland ist im Besitz der Stadt Veringenstadt. Das Hemd in Originalgröße und Leinenstruktur wird von Schneider Suleimann Hasso aus Tann nachgeschneidert und in der Ausstellung gezeigt.

Die Stadt Tann begrüßt die Ausstellung, sagt Bürgermeister Mario Dänner (parteilos). Zwar gebe es noch einige Details zu klären, er finde es aber positiv, dass auf diese Art und Weise die Attraktivität der Stadt gesteigert wird und geschichtsbewusste Besucher nach Tann gelockt werden.

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