Die Künstlerin Doris Becker zeigt in ihrer Ausstellung „Faces“ Frauen-Porträts in den unterschiedlichsten Facetten.
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Die Künstlerin Doris Becker zeigt in ihrer Ausstellung „Faces“ Frauen-Porträts in den unterschiedlichsten Facetten.

Unterschiedliche Facetten

Künstlerin Doris Becker porträtiert Frauen mit spannenden Biografien - Ausstellung „Faces“

  • Alina Komorek
    vonAlina Komorek
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Die Künstlerin Doris Becker zeigt in ihrer Ausstellung „Faces“ Frauen-Porträts in den unterschiedlichsten Facetten. In ihrer Galerie im Roten Schloss in Tann berichtet sie zum heutigen Weltfrauentag davon, was sie an den Gesichtern besonders interessiert.

Tann - „Männerporträts haben mich gar nicht interessiert“, sagt Doris Becker. Die Bilder in ihrer Galerie zeigen aus diesem Grund auch fast nur Frauen. „Ich bin gerne Frau, gern sehr weiblich“, sagt Becker und streicht ihr Kleid glatt.

Die 64-Jährige ist erst vor ein paar Jahren bei der Kunst angekommen, geht aber seitdem täglich in ihr Arbeitszimmer und erweitert ihre erste Ausstellung, die Acrylmalereien und Collagenwerke in verschiedenen Stilen und Techniken umfasst. Bevor sie 2017 den Schritt in die Kunst gewagt hat, war Becker Lehrerin für Deutsch und russische Sprache und hat zuletzt als Rehabilitationspädagogin für intellektuell geschädigte Kinder gearbeitet. (Lesen Sie hier: Santiano-Frontmann kritisiert Politik: Großteil unserer Branche wird in Corona-Zeiten im Stich gelassen).

Tann: Künstlerin Doris Becker porträtiert Frauen mit spannenden Biografien - Ausstellung „Faces“

„Das Thema Frauen für meine Arbeiten war mir schnell klar“ erzählt Becker. Sie sei über die Beschäftigung mit der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“, die sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts um Wassily Kandinsky und Franz Marc gebildet hatte, auf Gabriele Münter gekommen und habe darüber einen Einstieg in die Kunst gefunden. Sie sei viel unterwegs gewesen und habe vor allem in Frankfurt und Wiesbaden alle möglichen Ausstellungen besucht, „in denen Frauen heute endlich Kunst zeigen können“, wie sie sagt. Die Schwierigkeiten, die Frauen hatten, bis sie einen Zugang zur Kunst fanden, sind auch ein Grund, weshalb Becker sich mit den Lebensläufen von Künstlerinnen auseinandersetzt, bevor sie sie in ihren Bildern porträtiert.

Dabei beschränkt sie sich nicht auf Malerinnen, sondern entdeckt auch in der Musik und der Schauspielerei Frauen, deren Biografien Becker spannend findet. Neben den Schauspielerinnen Audrey Tautou und Audrey Hepburn blicken auch Sängerin Diana Ross und Malerin Frida Kahlo in wenigen, meist aber kräftigen Farben von den ungerahmten Leinwänden auf die Betrachtenden. „Ich versuche, die Gesichter vor einem einfacheren Hintergrund darzustellen“, sagt die Künstlerin, „die Augen sind zwar nicht fotorealistisch, aber umso aussagekräftiger.“

Doris Becker: Ich versuche, die Gesichter vor einem einfacheren Hintergrund darzustellen

Was sie an der jeweilige Frau so interessiert? „Was verbirgt sie? Was denkt sie? Was geht da vor?“, sind die Fragen, die Becker umtreiben, sobald sie sich an die Leinwand stellt. Gerade schwierige Biografien zögen sie an, deshalb habe sie sich auch Marilyn Monroe und ihren tragischen Beziehungen gewidmet, auch die 2018 verstorbene Sängerin von The Cranberries, Dolores O’Riordan, ist auf mehreren Collagen zu sehen. Becker hat im Stil von Alexej von Jawlensky angefangen und zeigt in Hommagen an ihn knallige Farben. Zu ihrem Motiv hat sie auch die Mähnen von rockigen Sängerinnen gemacht und interpretiert das Aufbegehren von Frauen in den Zwanzigern des vergangenen Jahrhundert so: „Dort zeige ich den Beginn des Schminkens, Rauchens, Trinkens und Tanzens“, erklärt sie mit Blick auf das Porträt einer Frau mit dunklen Augen.

„Frauen haben noch viel mehr Chancen, wenn sie sich trauen, mit ihrer Kunst nach draußen zu gehen“, sagt Becker. Sie selbst will es wagen – doch Corona stoppte sie vorerst. Ihre erste Ausstellung „Faces“ konnte noch nicht offiziell eröffnet werden, die Vernissage wurde wegen der Pandemie immer wieder verschoben. Trotzdem - oder gerade deshalb - hat sie immer weiter gemacht und ihre Vorliebe für Collagen entdeckt. Alle Techniken hat sie sich selbst angeeignet über Bücher und Workshops, hat Stile und Materialien getestet und sich dann mit den Frauen beschäftigt, die in den verschiedenen Bereichen kreativ tätig waren.

Ausstellung „Faces“ von Doris Becker konnte wegen Corona noch nicht offiziell eröffnet werden

Bei aller Tragik, die Teil der Biographien der porträtierten Frauen sind, wirken gerade die aktuellen Werke wie ein Ausbruch aus der Ruhe und Eintönigkeit des Lockdowns und betonen die Lebensfreude der Frauen: Die Popart-Collage „Looking at the Stars“ zeigt, wie zehn Frauen in Champagnergläsern baden, dabei überschäumen in ihrer Gestik, nichts zurückhalten und den Blick zu den Sternen heben. Wenn Frauen bei Becker immer in Gedanken sind, sind sie gleichzeitig auch Frauen, die mit ihrer Weiblichkeit prahlen.

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