Fotos: Adobestock, Charlie Rolff, privat

Tate Gallery of Modern Art in London kauft Walthers „Stellwerk“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die Tate Gallery of Modern Art in London – eines der größten und bedeutendsten Museen für moderne Kunst – hat jetzt ein Werk von Franz Erhard Walther gekauft und in einer Dauerausstellung mit eigenem Raum installiert: das „Stellwerk“.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Feuerstein

Das „Stellwerk“ des in Fulda lebenden Künstlers lenkt damit den Zug der Bekanntheit seiner Kunst auf ein wichtiges Gleis. Die doppelte Wandformation ist für Walther ein wichtiger Abschnitt seiner Arbeit. 1979 entstanden, ist sie die erste bildhafte Plastik, die durch Handlung – eine Person betritt die Formation und begreift sie im Sinn des Wortes – zu etwas ganz anderem wird. Der Skulpturbegriff wird aufgelöst, bekommt durch die agierende Person, die zum Teil des Werkes wird, eine neue Bedeutung.

Walther wurde unlängst eingeladen, sein Werk in London zu „aktivieren“, für ihn ein ergreifendes Erlebnis, eine Begegnung mit seiner Vergangenheit als revolutionärer und oft verkannter Reformer der Kunst. Der Vorgang, bei dem er das Werk durchschritt, textile Klappen öffnete, Finger in eine Schlaufe steckte, ruhig mit dem Gesicht zum Publikum stand, wurde gefilmt, ebenso wie ein längeres Interview mit dem Künstler und die Aufnahme handschriftlicher Informationen zur ausgestellten Arbeit.

Film wird täglich gezeigt

Der Film wird in einem Projektionsraum täglich gezeigt. Auch Besucher können in begrenzter Zahl nach Voranmeldung das Werk aktivieren. Wie Walther erläuterte, werden bei der Aktivierung die Grenzen zwischen dem Objekt und dem agierenden Betrachter aufgehoben.

Walther hat solche Wandformationen von 1979 bis 1985 geschaffen. Sie wurden aus gefärbtem oder naturbelassenem Baumwollstoff von seiner damaligen Frau und Mitarbeiterin Johanna E. Walther handgenäht, die heute in der Nähe von Fulda bei Langenbieber lebt. Die Formationen enthalten oft Klappen, die farbige Fensteröffnungen freigeben, Plätze zum darauf stehen und mitunter auch Komponenten zum Tragen.

Prinzipien seiner Kunst verständlich machen

„Stellwerk“ ist einzigartig unter den Formationen, weil sie zwei Teile enthält, von dem der eine als Spiegelung des anderen gedacht ist. Wobei letzterer eine Doppelung aus gelbem Baumwollstoff ist. Sie hängt zusammengefaltet neben der Formation und kann entfaltet auch als Einzelteil gehängt werden. Für Franz Erhard Walther ist „Stellwerk“ wichtig, weil die begehbaren Wandformationen die Prinzipien seiner Kunst für jeden verständlich machen können.

„Da ist für mich kein Unterschied zwischen der physischen Interaktion und einer Aktion, die man sich vorstellt. Ich sehe den Körper, das Bewusstsein und Denken des Betrachters zusammen mit dem Objekt als Einheit. Hierbei wird deutlich, dass Betrachter und Akteur zum Teil des Kunstwerkes werden. Und das war damals neu.“

Ausstellung in München

Franz Erhard Walther ist die Lokomotive, seine Werke sind die Schienen und Stellwerke, die eine neue Kunstform unter schwierigen Bedingungen in sechs Jahrzehnten eine großartige internationale Akzeptanz gebracht haben.

Von diesem Weg können sich übrigens Besucher einer Ausstellung überzeugen, die vom 5. März bis zum September im Haus der Kunst München eine umfassende Retrospektive seiner Werke bietet.

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