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Terror im Edeka: 28-Jähriger muss in die Psychiatrie

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der 28-Jährige, der über Monate hinweg die Mitarbeiter eines Edeka-Marktes in Fulda terrorisiert hat, muss dauerhaft in ein psychiatrisches Krankenhaus. Das hat die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Fulda am Donnerstag geurteilt.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Im Edeka-Markt in der Pacelliallee ging der 28-Jährige regelmäßig Alkohol kaufen und trank dann sein Bier auf dem Parkplatz des Ladens. Je mehr er trank, desto ungehaltener wurde er jedoch. Er pöbelte Kunden an und beleidigte Mitarbeiter. Er soll zudem eine Bierflasche geworfen haben. Damit war für den Marktleiter das Fass übergelaufen: Er erteilte dem 28-Jährigen im Sommer 2016 Hausverbot.

Auf Rache aus

„Das empfand er als Demütigung – und nun war er auf Rache aus“, sagte der Vorsitzende Richter Josef Richter in der Urteilsbegründung. Er fing an, in dem Markt anzurufen, brüllte ins Telefon, beschimpfte die Mitarbeiter wüst und stieß Morddrohungen gegen sie aus. Dutzende Male am Tag hatte das Telefon geklingelt. Es wurde so viel, dass die Angestellten gar nicht mehr mitzählten.

„Erhebliche Folgen“

„Die Folgen waren für die Opfer erheblich“, erklärte Richter. Die Zeugen hatten vor Gericht von Schlafproblemen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Angst berichtet. Besonders der Marktleiter, gegen den immer wieder Morddrohungen ausgestoßen wurden, habe einen „Verlust an Lebensfreude“ erlitten. „Die Probleme an der Arbeit zogen sich auch in den privaten Alltag“, sagte der Vorsitzende. So waren die Mitarbeiter leichter reizbar, verließen den Markt nur noch in Gruppen oder hatten Bedenken, sich allein auf den Nachhauseweg zu begeben.

Allerdings kann der 28-Jährige für diese Taten nicht bestraft werden. Denn – da sind sich Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig – der Fuldaer ist schuldunfähig. „Er leidet an einer genetischen Erkrankung“, sagte Richter. Durch diese sei seine Intelligenz vermindert, sein Sozialverhalten gestört. „Die Krankheit sorgt dafür, dass er auf Kränkungen äußert nachtragend reagiert. Er kann dann nicht davon ablassen, bis er sich gerächt hat.“

Seit Mai 2019 im Krankenhaus

Das Hausverbot war so ein Auslöser. „Er hat sich durch nichts davon abbringen lassen, den Telefonterror einzustellen. Gespräche mit der Polizei, Ordnungsgeld, selbst der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Unterbringung in einer Psychiatrie – all das hat ihn nicht beeindruckt“, erläuterte Richter. Zwei Jahre lang – von September 2016 bis November 2018 – hat er die Edeka-Mitarbeiter drangsaliert. Seit Mai 2019 ist er in einem Krankenhaus untergebracht.

Richter sieht keine Chance auf Bewährung

Dort wird der 28-Jährige vorerst auch bleiben. Richter Richter sieht derzeit keine Chance auf eine Bewährung: „Zwei Gutachter haben gesagt, die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalles liege bei 100 Prozent.“ Bisher zeige er in der Therapie noch keine Einsicht. Das könne sich aber ändern, betonte Richter: „Wenn Sie gut mitarbeiten und sich an die Anweisungen der Therapeuten halten, besteht die Chance, dass Sie irgendwann auf Bewährung in Freiheit leben können, etwa in einem Betreuten Wohnen. Das zu nutzen, liegt nun aber allein an Ihnen.“

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