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Terror an Edeka-Mitarbeitern: Staatsanwältin fordert Psychiatrie-Unterbringung

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Im Prozess gegen einen 28-Jährigen, der die Mitarbeiter eines Edeka-Marktes in Fulda terrorisiert haben soll, fordert die Staatsanwaltschaft die dauerhafte Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus. Donnerstag soll das Urteil gefällt werden.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Zwei Jahre lang – zwischen September 2016 und November 2018 – soll der 28-Jährige die Mitarbeiter des Marktes in der Pacelliallee belästigt haben. Laut Anklage hatte er dort bis zu 60 Mal am Tag angerufen, dabei auch Morddrohungen gegen den Marktleiter und dessen Angestellte ausgesprochen. Damit habe er sich rächen wollen, da dem Fuldaer zuvor ein Hausverbot erteilt worden war.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich in ihren Plädoyers vor dem Landgericht Fulda einig: Schuldfähig ist der Mann nicht. Denn der Fuldaer leidet an einer seltenen genetischen Krankheit. „In 35 Jahren Berufserfahrung ist mir diese Erkrankung noch nie untergekommen“, sagte ein Psychiater, der ein Gutachten über den 28-Jährigen erstellt hatte. Die Krankheit wirke sich auf mehrere Organe aus, führe zu einer verminderten Intelligenz und einem gestörten Sozialverhalten. „Es ist vergleichbar mit einer leichten geistigen Behinderung“, erklärte er. Hinzu komme eine Alkoholsucht.

Keine körperliche Gewalt angewendet

„Im Moment der emotionalen Erregung kann er sich nicht steuern“, führte der Arzt aus. Ein weiterer Psychiater aus der Vitos-Klinik in Haina, in der der 28-Jährige zwischenzeitlich untergebracht war, drückte es drastischer aus: „Wegen einer banalen Auseinandersetzung mit einem Mitbewohner ist er ausgetickt. Wir konnten ihn überhaupt nicht beruhigen und mussten ihn in eine gesicherte Zelle stecken. Ich war froh, dass ein Gitter zwischen uns war – denn ich hatte Angst, dass er auf mich losgehen würde.“

Allerdings habe der 28-Jährige bislang keine körperliche Gewalt angewendet. Auf die Edeka-Mitarbeiter habe er lediglich mit psychischer Gewalt eingewirkt. „Es ist ihm jedoch nicht bewusst, was er den Opfern damit angetan hat. Er ist der Meinung, er habe nichts falsch gemacht. Für ihn waren die Anrufe nur Spaß“, sagte einer der Psychiater. Beide Ärzte sind sicher: Ohne Behandlung werde es wieder zu solchen Vorfällen kommen – und es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte seine Drohungen dann auch in die Tat umsetze.

Unterbringung sei unvermeidlich

Staatsanwältin Christina Dern sprach sich deswegen dafür aus, den Fuldaer dauerhaft in eine psychiatrische Anstalt einzuweisen. „Er hat das Leben der Supermarkt-Angestellten erheblich beeinträchtigt“, erklärte sie. Die Opfer hatten vor Gericht von Stress, Anspannung und Schlafstörungen berichtet. „Er hat ein Klima der Angst ausgelöst“, sagte Dern. Es sei zu befürchten, dass er seine Drohungen eines Tages wahrmache. Eine Unterbringung sei deshalb unvermeidlich.

Das sah Verteidiger Mark Röder anders. Sein Mandant habe keine erhebliche Straftat begangen, und „aggressive Übergriffe“ seien nicht zu erwarten. Er brauche vielmehr einen geregelten Tagesablauf. Der Anwalt schlug deswegen zum Beispiel Betreutes Wohnen und die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt vor – und vor allem eine strenge Alkoholabstinenz.

Entscheidung am Donnerstag

Der 28-Jährige ist seit Mai in einer Psychiatrie untergebracht – erst in Haina, jetzt in Gießen. Die Erste Große Strafkammer wird am Donnerstag, 19. Dezember, 15 Uhr, darüber entscheiden, ob er dort dauerhaft bleiben muss.

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