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Nachfrage nach Corona-Impfung ist eingebrochen - Ärzte nennen Gründe

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Von: Sarah Malkmus

Die Corona-Impfung ist kaum noch gefragt. Auch der Novavax-Impfstoff brachte keinen neuen Schwung in die Impfkampagne. (Symbolfoto)
Die Corona-Impfung ist kaum noch gefragt. Auch der Novavax-Impfstoff brachte keinen neuen Schwung in die Impfkampagne. (Symbolfoto) © Hendrik Schmidt/dpa

Die Nachfrage nach der Impfung gegen das Coronavirus ist offenbar abgeebbt. Das spüren Ärzte und Krankenhäuser im Landkreis Fulda. Auch der neue Impfstoff von Novavax ändert daran nichts. 

Fulda - Die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff von Novavax ist in Hessen geringer als erhofft. Das insgesamt nachlassende Interesse an einer Corona-Impfung sei auch in den lokalen Impfstellen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes spürbar, erläuterte das Sozialministerium in Wiesbaden.

Die Kreise und kreisfreien Städte seien allerdings gebeten worden, zumindest eine Impfstelle auch in Zeiten schwächerer Nachfrage offen zu halten. Viele Menschen hatten sich von dem Mittel neuen Schwung für die Impfkampagne in Deutschland gewünscht. Auch im Landkreis Fulda blieb dieser bislang aus. Dort war die Nachfrage nach der Corona-Impfung bereits zum Jahresbeginn eingebrochen.

Corona-Impfung kaum noch gefragt - Ärzte nennen Gründe

„Es ist schon traurig“, sagt Mediziner Dr. Thomas Sitte. „Vorvergangene Woche habe ich nur 41 Impfungen verabreicht.“ Bis vor kurzem sei das noch anders gewesen: In seinem „Impfzentrümchen“ am Bahnhof habe er in den vergangenen 15 Wochen etwa 4800 Patienten geimpft.

Viele seien dankbar für das einfache und „kundenorientierte“ Angebot in Zeiten gewesen, in denen andere Feierabend und Wochenende hätten. Vor Weihnachten habe er rund 700 Impfungen in einer Woche verabreicht. Sitte weiß: „Corona tötet, Impfen schützt.“ Das gelte weiterhin. (Mit dem Corona-Ticker für den Landkreis Fulda bleiben Sie informiert.)

Für den „Totimpfstoff“ Novavax, den es seit Anfang März gibt, habe er gerade einmal zwei Nachfragen gehabt. Verimpfen werde er ihn deshalb nicht. Diejenigen, die im vergangenen Jahr bei den Impfstoffen von Astrazeneca, Johnson & Johnson sowie Biontech und Moderna Bedenken hatten, würden auch jetzt kaum einen anderen Impfstoff nehmen, vermutet der Mediziner. „Und diejenigen, die sich schon zweimal oder dreimal haben impfen lassen, nehmen es oft mit dem Boostern nicht mehr so Ernst.“

Video: 13.200 Novavax-Erstimpfungen zum Start - Lauterbach nicht zufrieden

Ob der gesunkenen Nachfrage ist das „Impfzentrümchen“ nun stillgelegt worden, sagt er. „Ich impfe weiter hier und da in der Praxis meiner Frau in Kämmerzell. Aber den Aufwand am Bahnhof machen wir mangels Nachfrage jetzt - leider - nicht mehr.“ Insgesamt denkt er aber, „dass wir bei Corona das Schlimmste überstanden haben“.

Dr. Ralph Hönscher, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO), bestätigt den Negativ-Trend: „Die Impfnachfrage hat sich reduziert. Sie nimmt von Woche zu Woche ab.“ Auch bei ihm steht „leider“ niemand für den Impfstoff Novavax Schlange: „Bei uns haben sich vielleicht zwei Leute gemeldet“, sagt er. Hönscher glaubt, dass viele Menschen denken, sie werden sich sowieso infizieren. „Deutlich rückläufig“ nennt auch Klinikum-Sprecherin Barbara Froese die Impfnachfrage.

Corona-Impfung: Herz-Jesu-Krankenhaus berichtet von „schlagartigem Rückgang“

Ähnliches auch im Herz-Jesu-Krankenhaus: Seit Ende Januar gebe es einen „schlagartigen Rückgang“ bei der Nachfrage nach Corona- und Booster-Impfungen, sagt Michael Sammet, Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda. Noch im Zeitraum von November 2021 bis Januar 2022 hatte das Herz-Jesu-Krankenhaus in seinen Impfzentren am Herz-Jesu-Krankenhaus „eine gewaltige Nachfrage nach Corona-Impfungen sowie Booster-Impfungen, sodass sämtliche Termine innerhalb kürzester Zeit ausgebucht waren“.

Wegen weiter sinkenden Anmeldungen habe man im Herz-Jesu-Krankenhaus die beiden Impfzentren im Februar an einem Standort zentralisiert. Nachdem sowohl das Interesse an der zweiten Boosterimpfung, die aktuell nur für bestimmte Personengruppen freigegeben ist, als auch die anfänglich vermutete sowie erhoffte hohe Nachfrage für den Impfstoff Novavax ausblieben, werde das Impfzentrum am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda seit Anfang März nur noch bei Bedarf betrieben.

Dass die Impfnachfrage eingebrochen sei, liege, so mutmaßt Sammet, daran, dass bereits viele Menschen geimpft seien oder eine Infektion durchlaufen hätten. Derzeit sieht er wieder einen schnellen Anstieg der Infektionsfälle. Allerdings falle die Anzahl an schweren Krankheitsverläufen niedrig aus, die Lage in den Krankenhäusern sei deshalb stabil.

Damit eine angemessen hohe Immunität erreicht werde, sei es wichtig, sich durch eine Impfung für den Schutz gegen das Virus zu entscheiden und damit der Infektionsdynamik entgegenzuwirken. „Dann ist auch ein Ende der Corona-Pandemie in Sicht.“

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