Künftig wird es im Tiergartenareal auch Mischbereiche geben, in denen sich Mensch und Tier frei bewegen können.
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Künftig wird es im Tiergartenareal auch Mischbereiche geben, in denen sich Mensch und Tier frei bewegen können.

Neues Konzept

Tiergarten Fulda wird in drei Bereiche gegliedert - im Corona-Lockdown startete Tiertraining

Im Tiergarten Fulda wird sich bis zur Landesgartenschau (LGS) 2023 viel verändern. Die gesamte Fläche wird Teil des LGS-Geländes und neu gestaltet.

Fulda - Passend zu den baulichen Veränderungen setzen die Verantwortlichen künftig auch neue inhaltliche Schwerpunkte, kündigt die Stadt in einer Pressemitteilung an. „Wir möchten die Mensch-Tier-Begegnung in den Vordergrund stellen und durch erlebnispädagogische Konzepte begleiten“, fasst Dr. Bianca Reith, Tierärztin und fachliche Leiterin des Tiergartens, den inhaltlichen Anspruch zusammen.

Tiergarten Fulda wird in drei Bereiche gegliedert - Tiertraining im Corona-Lockdown gestartet

So werde es bald ein Angebot für Schulklassen und Kindergartengruppen geben. Geplant ist, den bisherigen Zoo-Charakter zurückzunehmen und stattdessen einen vielseitigen Lern- und Begegnungsort zu schaffen. Trotzdem soll der Tiergarten auch weiterhin für Besucher regulär geöffnet bleiben.

Die baulichen Maßnahmen sowie das inhaltliche Konzept sollen ineinandergreifen und zu einem geschützten Raum führen, in dem sich Mensch und Tier in einer naturnahen Umgebung „auf Augenhöhe“ treffen können. Vorgesehen ist laut Stadt, dass sich das Gelände des Tierparks zukünftig in drei Bereiche gliedert:

Einen Abschnitt nur für Tiere – die Gehege –, einen nur für Menschen – etwa den Eingangs- und Bistrobereich –, sowie einen Bereich, in dem sich bestimmte Tierarten wie Hirsche, Schafen oder Ziegen dauerhaft oder zeitweise frei bewegen können und die unmittelbare Begegnung mit dem Menschen möglich ist.

Geplant sei sogar ein Spielplatz, auf dem sich Ziegen und Kinder treffen können. „Dies ist kein Streichelbereich, sondern eine Zone, in der unter Anleitung von pädagogischem Personal das Miteinander zwischen Mensch und Tier in den Vordergrund rückt“, verdeutlicht Reith.

Tiergarten Fulda mit neuem Konzept: Weniger Zoo, mehr Begegnung

„Wir haben schon während des Lockdowns mit Tiertraining begonnen. Dabei geht es nicht darum, unseren Tieren Kunststücke beizubringen, sondern ihnen Sicherheit im Umgang mit uns und anderen Menschen zu geben. Dies ist wichtig, damit sie später im unmittelbaren Kontakt mit Kindern nicht in Angst und Stress geraten, sondern den Kontakt entspannt genießen können“, erläutert die Tierärztin.

Auch wenn das Tiertraining noch einige Zeit in Anspruch nehme, wurden bereits erste Lernangebote – ohne unmittelbare Nähe zum Tier – geschaffen. In Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum Fulda gebe es einen gemeinsamen Workshop „Vom Schaf zur Wolle“: Hier sollen Kinder im Tiergarten erleben, was Schafe fressen, wie sie leben und aussehen, bevor die kleinen Besucher auf dem Gelände des Umweltzentrums selbst Wolle filzen.

„Dieses Angebot wird sehr gut angenommen“, unterstreicht Timo Heumüller, Leiter des Umweltzentrums. In enger Kooperation wolle man künftig weitere Angebote schaffen, wie Alexander Sust, ebenfalls Leiter des Umweltzentrums, betont. Denn für beide beteiligten Einrichtungen ist die Zusammenarbeit ein großer Gewinn: Das Umweltzentrum kann auf umfangreiche Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit blicken und verfügt über qualifizierte pädagogische Mitarbeiter, während der Tiergarten mit seinem Konzept neue inhaltliche Schwerpunkte erschließt.

Tiergarten Fulda: Weniger Zoo und mehr Begegnung zwischen Mensch und Tier

Bis zur LGS wird das Tiergarten-Gelände von knapp zwei auf nahezu vier Hektar vergrößert. Die Erweiterungsflächen liegen alle im nordwestlichen Bereich des bisherigen Tiergartens. Neben einem neuen Wirtschaftshof, der auch als Nebeneingang dienen soll, wird es ein zusätzliches Wegenetz, großzügige Gehege und Freiflächen sowie Ruhezonen und Rückzugsbereiche für Mensch und Tier geben.

„Beim Tierschutz werden wir höchsten Standards entsprechen: Dies betrifft die gesamte Haltung – von der Gehegegröße bis hin zur Fütterung. Deshalb wird auch das Füttern künftig einen neuen Charakter erhalten“, erläutert Dr. Bianca Reith. Zum Bestand des Tiergartens zählen überwiegend Grasfresser wie Schafe und Ziegen.

„Das, was in den Futtertüten steckt, ist für sie wie Schokolade für uns und damit im Übermaß gesundheitsgefährdend. Deshalb werden wir die Anzahl der Futtertüten begrenzen.“ Stattdessen sollen die jungen Besucher aktiv in die Abendfütterung einbezogen werden.

Video: Zoo im Lockdown - Besuch bei den Tieren

„Der Tiergarten hat ein zukunftsweisendes Konzept entwickelt“, zeigt sich Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld beeindruckt. Das geplante tierpädagogische Angebot ergänze das vorhandene städtische Freizeitangebot für Familien und Kindergruppen in bester Weise.

„Dank der Einbeziehung in das Gelände der Gartenschau können wir den Tiergarten gezielt fördern und die baulichen Voraussetzungen schaffen, die für das innovative Vorhaben des Tiergartens notwendig sind. Der neu gestaltete Tiergarten wird sicherlich ein gelungener Baustein der LGS werden und auch darüber hinaus eine hohe Anziehungskraft ausüben“, ist sich Wingenfeld sicher. (lea)

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