Zuchtbulle Ideal ist ein 1400 Kilo schwerer Import aus Frankreich.
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Zuchtbulle Ideal ist ein 1400 Kilo schwerer Import aus Frankreich.

Limousin-Rinder in Buchenau

Tierwohl im Vordergrund - Stefan Kohlmann setzt auf Mutterkuhhaltung

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Tiergerechte Haltung und wirtschaftliche Führung eines konventionellen Hofes schließen sich aus, weil die Preise nicht kostendeckend sind. So heißt es immer wieder. Dass es anders geht, zeigt Stefan Kohlmann aus Buchenau – als erfolgreicher Züchter ist er ein Sonderfall.

Buchenau - Die Tiere stehen auf Stroh. Kohlmann und seine Partnerin Nina Gilbert müssen welches zukaufen. Misten und das Einstreuen des Strohs im Stall sind arbeitsintensiv. „Der ganze Aufwand, den wir betreiben, ist total unwirtschaftlich“, sagt Stefan Kohlmann. „Unsere Rinder sind im Laufstall und können immer raus. Sie haben Bewegung und schlafen auf Stroh im alten Stall. Es wird immer von Tierwohl geredet, aber niemand will einen höheren Preis bezahlen. Es ist traurig, dass eine solche Tierhaltung nicht wirtschaftlich ist.“

Limousin-Rinder in Buchenau: Zuchterfolg finanziert Stefan Kohlmann das Wohl der Tiere

Mutterkuhhaltung werde vorwiegend von Nebenerwerbslandwirten betrieben. Sie habe den Vorteil, dass „man das Grünland nutzt und sie nicht so arbeitsintensiv wie Milchviehhaltung“ sei. Bei seiner Betriebsgröße relativiert sich das etwas, da nur etwa die Hälfte seiner 300 Tiere ständig auf der Weide sind – und die übrigen natürlich auch verpflegt werden müssen. Dass sich der Landwirt aus dem Eiterfelder Ortsteil Buchenau im Vollerwerb diesen Aufwand leisten kann, hat seinen Grund: Er hat ein zweites Standbein.

Kohlmann, der auch gelernter Fleischer ist, hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Züchter von Limousin-Fleischrindern gemacht. „Das ist eine faszinierende Rasse. Sie liefert sehr feinfaseriges Fleisch, ist sehr robust, kalbt ohne Hilfe und hat einen guten Mutterinstinkt. Außerdem ist sie schön anzuschauen“, schwärmt der 45-Jährige.

Sich als Züchter einen Namen gemacht: Kohlmann verkauft seine Limousin-Bullen

Stefan Kohlmann und Nina Gilbert züchten in Buchenau Limousin-Rinder.

Er verkaufe auch Zuchttiere, hauptsächlich Bullen. „Ich bin als Züchter relativ erfolgreich und bekannt. Dadurch kann ich die Tiere gut vermarkten und bessere Preise erzielen.“ Kunden habe er in Deutschland, Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Polen und über den Zuchtverband auch in der Mongolei.

Mutterkuhhaltung bedeutet, dass „die Kuh ihr Kalb aufzieht und etwa neun Monate von ihrer Milch ernährt. Dazu bekommt es Getreide und Heu sowie das Gras von der Weide“, erläutert Kohlmann. Je nach Wetter seien 150 seiner Tiere auf der Weide. „Männliche Tiere, die zur Zucht sollen oder gemästet werden, sind komplett draußen.“

Seine acht Koppeln sind um das Dorf verteilt. Auf einer ist „Ideal“ ganz klar der Herrscher. Um den 1400 Kilo schweren, aus Frankreich importierten Bullen, versammelt sich einiges an Jungrindern. Trotz des nahen Baches kann von saftigem Gras nicht die Rede sein. Ähnlich verhält es sich auf einer anderen Wiese: Hier weiden 21 Kühe mit ihren Jungtieren – darunter ein am Vortag geborenes Kalb.

Trotz großer Mühen Preise für den Betrieb unwirtschaftlich

Im Alter von neun Monaten werden männliche und weibliche Tiere getrennt. Die Bullenkälber sind im Alter von etwa 18 bis 24 Monaten schlachtreif. Die weibliche Tiere werden zur Nachzucht genommen, verkauft oder geschlachtet.

Zum Schlachten bringt er die meisten Rinder zu Metzger Walter Schott ins drei Kilometer entfernte Fischbach, ein Ortsteil von Hauneck im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Andere nach Flieden zu Paul Müller. „Die Tiere sind den Hänger gewöhnt. Dadurch sind sie ruhig. Es ist eine kleine Metzgerei und es sind keine anderen Tiere da“, erklärt Nina Gilbert. Auch wenn seine Abnehmer die „Qualität anerkennen und um die 50 Cent pro Kilo mehr bezahlen als der Markt“, seien die Preise für den Betrieb unwirtschaftlich. Kohlmann: „Zeitweise gab es für einen Bullen 4,30 Euro pro Kilo, heute sind es 3,50. Vor 35 Jahren hat man Vater 8 Mark für einen normalen Bullen bekommen. Die Kosten für Pacht, Diesel und Geräte sind dagegen deutlich gestiegen.“

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