Ein junger Waschbär erkundet einen Garten.
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Ein junger Waschbär erkundet einen Garten. (Symbolfoto)

Niedlich, aber gefährlich

Waschbär auf dem Vormarsch in Osthessen: Wie man sich den Schädling vom Leib hält

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Im Garten nerven sie, im Haus richten sie großen Schaden an, für viele Bodenbrüter und Kleinsäuger sind sie eine Gefahr: die Waschbären. Ursprünglich in Nordamerika zuhause, breiten sich die Kleinbären seit fast 80 Jahren in Deutschland aus.

  • In Deutschland gibt es rund 1,3 Millionen Waschbären.
  • Auch im Landkreis Fulda und im Vogelsbergkreis ist der Allesfresser auf dem Vormarsch.
  • Was Sie zum Waschbären wissen müssen, und wie sie sich ihn vom Leib halten.

Osthessen - Fachleute sind sich einig: Der Waschbär ist nicht mehr aus der Natur in Deutschland rauszubekommen. Seine ungehemmte Ausbreitung wollen aber sowohl Jäger als auch Naturschützer verhindern – wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. Der Hessenjäger, Mitgliedermagazin des Hessischen Jagdverbandes (LJV), rechnete kürzlich vor, dass „jeder Waschbär etwa 200 Wirbeltiere pro Jahr verzehrt“. Bei 1,3 Millionen Kleinbären in Deutschland „bedeutet das einen jährlichen Verlust von 260 Millionen Wirbeltieren“. Betroffen seien vor allem Amphibien, aber auch Brutvögel oder Fledermäuse.

Rund 1,3 Millionen Waschbären in Deutschland: Streit um Bejagung

Streit gibt es seit Jahren über den Umfang der Bejagung von Waschbären. Die Hessische Landesregierung wurde im Februar durch ein Urteil des Staatsgerichtshofs – geklagt hatte die FDP-Landtagsfraktion – gezwungen, die Jagdordnung anzupassen. Nun dürfen junge Waschbären das ganze Jahr über bejagt werden.

Ausbreitung und Population

1934 wurden zur Bereicherung der natürlichen Fauna bei Bringhausen am Edersee zwei Waschbärpärchen ausgesetzt. Der Initiator der Aussetzung, Forstmeister Wilhelm Freiherr von Berlepsch, sah nur eine geringe Gefahr für die heimische Tierwelt, andere Experten rieten ab. Die Population entwickelte sich so stark, dass die Tierart 1954 ins hessische Jagdrecht aufgenommen wurde und seither bejagt werden darf. Die Ausbreitung schreitet offenbar stetig nach Süden voran.

Experten des Bundesamtes für Naturschutz gehen davon aus, dass es 1,3 Millionen Waschbären in Deutschland gibt. Der Besatz könne sich in einigen Jahren auf 5 Millionen erhöhen.

„Die Population hat sehr stark zugenommen. Auch als Verein erhalten wir sehr viele Anrufe, in denen wir zur Bejagung aufgefordert werden. Die Waschbären sind absolute Kulturfolger und haben Einzug in die Städte gehalten“, erläutert Dr. Rudolf Leinweber. Der Hauswurzer ist Vizepräsident des LJV und Vorsitzender der Jäger- und Gebrauchshundevereinigung Rhön-Vogelsberg und beschreibt „ungeheure Probleme mit der Bejagung. Muttertiere bei Füchsen und Waschbären dürfen nicht erlegt werden. Immerhin wurde das bei den Jungtieren jetzt geändert. Erwachsene Waschbären dürfen weiterhin nur zwischen August und Februar bejagt werden.“

Waschbären werden als anpassungsfähige, intelligente Allesfresser beschrieben. Leinweber nennt ein Beispiel: „Katzen hetzen sich nicht besonders, wenn sie auf der Terrasse gefüttert werden. Wenn das die Waschbären mitbekommen, ist das Problem da. Die Menschen müssen mit Bedacht unterwegs sein.“ Die Kletterkünstler würden sich auch in Futterkästen setzen – oder fressen Erdbeeren, wie in Hauswurz geschehen.

Waschbären werden durch Tierfutter oder Mülleimer angelockt

Angelockt durch Tierfutter oder Mülleimer machen sich Waschbären in Gärten breit. Immer wieder wird auch von großen Schäden berichtet, wenn die bis zu 70 Zentimeter langen Tiere in Häuser eindringen – gerne vergnügen sie sich im Dachgeschoss mit der Dämmung. Eigentümer bleiben dann häufig auf den Kosten sitzen. Der erfahrene Jäger Leinweber erzählt von einem Anruf aus Hintersteinau, wo er Jagdpächter ist: „Bei einer Tierauffangstation, die keinen Platz mehr hatte, hieß es, dass der Jagdpächter zuständig sei. Er solle drei kleine Waschbären töten. So etwas fällt niemandem leicht.“

Waschbären in Osthessen

Im Landkreis Fulda ist die „Jahresstrecke bei Waschbären seit dem Jagdjahr 2004/2005 stetig gestiegen. Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Waschbären in den vergangenen 15 Jahren stark angestiegen ist“, heißt es seitens der Kreispressestelle.

Wurden 2004/05 im Kreis 200 Waschbären erlegt, so waren es 2009/10 dann 314 Tiere und 2014/15 bereits 704 Waschbären. 2019/20 wurde mit 1640 Tieren ein Rekord verzeichnet – und mit 266 ein zuvor nicht verzeichneter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Der Vogelsbergkreis ist eines der „Hauptverbreitungsgebiete des Waschbären in Hessen“, heißt es aus der Kreisverwaltung in Lauterbach. Er werde „häufiger beobachtet und erlegt, als der Rotfuchs“. Der Kreis sehe eine zentrale Bedeutung für den Rotmilan und den Schwarzstorch: „Eine direkte Auswirkung der Waschbärpopulation auf den Rückgang dieser Arten ist bei den Ornithologen unbestritten“.

In einigen Kommunen sei der Waschbär zu einer Plage geworden. Es gebe „Jagdbezirke, in denen jährlich mehr als 100 Waschbären erlegt“ werden. Wurden 1998 nur 355 Tiere erlegt, lag die Zahl ab 2003 im vierstelligen Bereich. 2019/2020 wurde mit 3938 Tieren ein Rekord erreicht.

Die Zuständigkeit eines Jagdpächters hängt stark vom Einzelfall ab. Die Ortslagen gelten als befriedet, dort darf nicht gejagt werden. Da Waschbären als Beutegreifer rechtlich als „herrenlos“ eingeordnet werden, sind von ihnen verursachte Schäden außerhalb der Ortslagen auch als Wildschaden anerkannt.

Ein Waschbär krabbelt aus seinem Versteck auf dem Dach. (Symbolfoto)

Demnach übernimmt niemand die Haftung. „Der örtliche Jagdausübungsberechtigte ist gesetzlich nicht dazu verpflichtet, Waschbären innerorts zu fangen beziehungsweise zu erlegen. Somit liegt eine ähnliche Situation vor wie bei Schädlingen, die sich in Häusern befinden“, heißt es seitens der Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises. „Selbstverständlich sollte man dann zum Schutz des Eigentums sowie vor allem aus Gründen der Hygiene und der menschlichen Gesundheit einen qualifizierten Schädlingsbekämpfer beauftragen.“

Tipps gegen Waschbär-Invasion

Um Waschbären den Zugang zum Haus nicht zu leicht zu machen, hier einige Tipps:

- Bäume und Sträucher, die an oder über das Dach reichen, großzügig zurückschneiden.

- Glatte Blechmanschetten (ein Meter hoch, ein Meter breit) über den Fallrohren der Regenrinne anbringen.

- Starkes Metallgitter auf dem Schornstein anbringen.

- Mögliche Einstiege konsequent und mit soliden Materialien verschließen.

- Katzenklappe nachts verschließen.

Für den Garten:

- Mülltonnen und Abfälle unzugänglich aufbewahren und Behältnisse sichern, etwa mit starken Spanngummis. Mülltonnen nach Möglichkeit mindestens einen halben Meter von Zäunen, Mauern und Zweigen entfernt aufstellen.

- Gelbe Säcke sollten erst am Tag der Abholung morgens vor die Tür gestellt oder in verschließbaren Boxen aufbewahrt werden.

- Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot und Obst nicht auf den Kompost werfen, Garten- und Gemüsereste sind hingegen unproblematisch.

- Keine Nahrungsreste in öffentlichen Papierkörben hinterlassen.

- Futter für Haustiere nicht über Nacht im Garten oder auf der Terrasse belassen.

(Quelle: nabu.de)

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