Haus in Bad Salzschlirf: Hier wurde eine Frau getötet.
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Am 9. August spielte sich in diesem Haus in Bad Salzschlirf ein tödliches Familiendrama ab.

Tödlicher Ehestreit in Bad Salzschlirf

Zeugen berichten von Kindheit und Eheleben: Angeklagter habe „schwarzes Herz“

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Vor dem Landgericht Fulda ist am Donnerstag der Prozess gegen den Mann weitergegangen, dem vorgeworfen wird, seine Frau in einer Wohnung in Bad Salzschlirf erwürgt zu haben. Fünf Zeugen wurden befragt.

  • Tödlicher Ehestreit in Bad Salzschlirf: Der Prozess um Totschlag wurde heute fortgesetzt.
  • Der Großteil der Zeugen hatte harte Worte für den Angeklagten. Ein Ehepaar sprach aber äußerst positiv.
  • Der Richter zieht mittlerweile auch Mord in Betracht.

Fulda - Der rechtliche Hinweis des Vorsitzenden Richters Josef Richter zum Abschluss des Verhandlungstages hatte es in sich: Statt Totschlags, weswegen der 27-Jährige angeklagt ist, komme nun auch Mord aus heimtückischen Beweggründen in Betracht. Staatsanwalt Andreas Hellmich hatte bereits zum Prozessauftakt im Februar angekündigt, dass die Anklage nur eine „Arbeitshypothese“ sei und sich im Prozessverlauf auch herausstellen könne, dass es Mordmerkmale gebe.

Zuvor hatten die Prozessbeteiligten fünf Zeugen gehört, die unterschiedliche Gesichter des Angeklagten zeichneten: den liebenden und fürsorglichen Ehemann und Vater sowie seine misstrauische und eifersüchtige Seite.

Tödlicher Ehestreit in Bad Salzschlirf: Angeklagter war Ziehsohn der Opfer-Familie

Zunächst wurde ein jüngerer Bruder des 27-jährigen Opfers gehört. Der 21-Jährige berichtete von mehreren Telefonaten, die er am Tag vor der Tat und am Tat-Tag selbst mit dem Angeklagten und mit anderen Personen geführt hatte.

Doch zunächst erzählte er von der engen Verbindung des Angeklagten zu seiner Familie: Nach dem Tod von dessen Mutter – beide Familien lebten da noch im Irak – habe ihn die Familie des späteren Opfers bei sich aufgenommen. So lernten sich beide kennen. Nach der Hochzeit zogen sie in eine eigene Wohnung und gingen später nach Deutschland.

Die Beziehung zwischen beiden sei laut Bruder „normal“ gewesen. Auch bei gegenseitigen Besuchen seien ihm keine Spannungen zwischen den Eheleuten aufgefallen. Der Angeklagte habe jedoch ein „schwarzes Herz“, sei eifersüchtig und manchmal aggressiv gewesen.

Ende Juli 2019 kam seine Schwester ihn mit einem der beiden Kinder in der Nähe von Regensburg besuchen und blieb dort mehrere Tage – bis zum 8. August. An diesem Tag fuhr der Bruder seine Schwester zum Bahnhof nach Regensburg.

Zahlreiche Telefonate vor der Tat

Ab dem Abend dieses Tages folgten für ihn zahlreiche Telefonate – unter anderem mit dem Angeklagten, der wissen wollte, wo sich die Schwester aufhalte. Nach weiteren Telefonaten – mit dem späteren Opfer, dem Angeklagten, der Bekannten in Bad Salzschlirf, zu der seine Schwester reisen wollte – sei dann in Erfahrung gebracht worden, dass die 27-Jährige sich in einem Hotel in Frankfurt aufhalte – und nicht schon in Bad Salzschlirf bei der Bekannten. Dorthin fuhr sie erst einen Tag später – am 9. August. Der Angeklagte vermutete, sie sei in Frankfurt mit einem anderen Mann zusammen gewesen. Noch in der Nacht telefonierten auch die Eheleute miteinander – und dabei sagte das spätere Opfer offenbar auch, dass sie die Beziehung beenden wolle.

Am nächsten Tag machte sich der Angeklagte mit seinem Kumpel auf den Weg nach Bad Salzschlirf. Dem Bruder gegenüber habe er angegeben, nur noch einmal mit seiner Frau sprechen zu wollen – dann würde er akzeptieren, dass die Beziehung beendet sei. Doch so kam es nicht.

Zeuge über 27-jährigen Angeklagten: „Er ist eine Schlange“

Deutliche Worte für den Angeklagten fand eine der Schwestern des Opfers, bei der auch die beiden Kinder des Paares derzeit leben. Der 27-Jährige sei eine „Schlange“. Schon im Irak habe es oft Streit gegeben. Der Angeklagte habe das Handy seiner Frau kontrolliert, er habe sie nicht allein zu Eltern oder Freunden gehen lassen.

Schon einmal habe sich ihre Schwester von ihrem Mann trennen wollen. Doch der habe – die beiden kleinen Kinder bei sich – gedroht, den Gashahn aufzudrehen und sich und die Kinder umzubringen. Daraufhin hätten die Eltern ihre Tochter aus Angst gebeten, wieder zu ihrem Mann zurückzukehren. Von einem anderen Mann habe ihre Schwester aber nie berichtet, sagte die Zeugin.

Opfer wollte nicht mehr eingesperrt sein

Deren Mann wiederum vermutete einen Ehebruch – unter anderem deshalb, weil sich seine Schwägerin freizügiger kleidete als im Irak – und warnte sie in einer SMS davor. Sie habe das aber geleugnet, wie er im Zeugenstand berichtet, aber auch betont, nicht mehr eingesperrt sein und ihr Leben leben zu wollen.

Frau soll ihre Kinder geschlagen haben

Zum Abschluss des Verhandlungstages gehört wurde ein Ehepaar, das den Angeklagten und seine Frau aus der Zeit in der Asylunterkunft im saarländischen Lebach kannte. Beide Familien hatten eigene Wohnungen, teilten sich aber eine Küche. Der Angeklagte sei stets liebevoll und hilfsbereit zu seiner Frau und den Kindern gewesen, das spätere Opfer wiederum still und oft mit dem Handy beschäftigt. Die Zeugen warfen der Frau auch vor, ihre Tochter und ein weiteres Kind in der Unterkunft geschlagen zu haben.

Am Landgericht Fulda wurden nun die Plädoyers gehalten.

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