Der 27-jährige Ehemann steht in Fulda vor Gericht, weil er seine Frau umgebracht haben soll
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Der Angeklagte (graues Oberteil) sitzt seit der Tat im August 2019 in Untersuchungshaft.

Prozess um Totschlag

Tödlicher Streit in Bad Salzschlirf: Angeklagter verfolgte seine Ehefrau

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Der Angeklagte, dem vorgeworfen wird, seine Ehefrau in Bad Salzschlirf erwürgt zu haben, reiste dem Opfer offenbar schon Stunden vor der Tat hinterher. Mit einem Freund soll er die Nacht auf den 9. August – dem Tag, an dem die Frau starb – am Bahnhof in Frankfurt verbracht haben, um auf sie zu warten.

Fulda - So richtig klar ist es noch nicht, was der 27-jährige Angeklagte kurz vor der Tat und auch danach genau gesagt und getan hat. Die Aussagen der Mutter und ihrer beiden Töchter aus Bad Salzschlirf, die das Opfer besuchen wollte, und die Angaben des Freundes, der mit dem Angeklagten unterwegs war, gehen teilweise auseinander.

Zum Beispiel bei der Frage, ob der Angeklagte um das Gespräch unter vier Augen bat, oder ob es ein gemeinsamer Vorschlag des Paares war; ob die Idee im Raum stand, dass die anderen – also die Mutter, ihre beiden Töchter und der Freund des Angeklagten – das Wohnzimmer verlassen, damit die beiden sprechen können; und ob das Opfer nach dem Angriff auf dem Rücken oder auf der Seite lag.

27-Jährige zeigte kaum Gefühle

Eines berichten aber bisher alle Zeugen: Der 27-Jährige zeigte offenbar wenig Gefühlsregung – weder als ihm seine Frau klarmachte, dass sie nicht zu ihm zurückkommt, noch nach der Tat. „Ruhig“ und „normal“ sei er aus dem Zimmer gekommen, in dem das Paar sprechen wollte. Er soll seinem Kumpel danach vorgeschlagen haben, einen Kaffee trinken zu gehen. Auf die Frage der Mutter, warum er das in ihrer Wohnung getan hat, habe er erwidert: „Das ist meine Frau. Das geht euch nicht an.“ Auch habe er gesagt: „Ich habe meine Frau getötet“, erklärt die Mutter.

Der Freund des Angeklagten berichtet, dass er den 27-Jährigen geschlagen habe, nachdem er sah, was passiert war. „Er ging dann mit seinem Kind zum Fenster und wollte herunterspringen“, erinnert sich der Zeuge. Davon konnte er ihn aber abhalten, erklärt er. Vor Gericht schweigt der Angeklagte. Er stammt aus dem Irak und kam vor einiger Zeit mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern nach Deutschland. In Lebach im Saarland stellte er Anfang 2019 einen Asylantrag. Dort lebt auch der Zeuge. „Wir kennen uns noch von der Schule im Irak“, erklärt der Freund.

Observation am Frankfurter Bahnhof

Einen Tag vor der Tat sei der Angeklagte zu ihm an die Arbeit gekommen. „Er wollte seine Familie zurückbringen und bat, dass ich mitkomme. Wir sind abends mit dem Auto erst in Richtung Regensburg gefahren, weil er dachte, dass die Frau dort bei ihrer Schwester ist.“

Doch noch auf dem Weg habe der Angeklagte den Plan geändert, und sie seien nach Frankfurt zum Bahnhof gefahren. Dort hätten sie die Nacht verbracht und zu zweit Ausschau nach der Frau gehalten. Am nächsten Morgen soll der Angeklagte seine Frau dann mit einem anderen Mann gesehen haben. Zum Gespräch kam es am Bahnhof wohl nicht. Die Frau stieg in den Zug nach Fulda, der Angeklagte fuhr mit dem Auto hinterher.

Am Landgericht Fulda werden am Montag, 6. Juli, die Plädoyers gehalten.

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