Einsatz in Bad Salzschlirf: Frau wurde getötet.
+
In diesem Haus in Bad Salzschlirf hatte sich die Tat ereignet.

Tötung in Bad Salzschlirf

Rechtsmediziner gibt grausige Details bekannt: Todesopfer wurde länger als eine Minute gewürgt

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
    schließen

Die junge Frau, die 2019 in Bad Salzschlirf getötet worden war, muss sehr viel länger keinen Sauerstoff bekommen haben, als der Angeklagte angegeben hat. Zu diesem Schluss kam am Freitag ein Gutachter, der vor dem Landgericht aussagte.

  • Ein Mann steht vor dem Landgericht Fulda, weil er beschuldigt wird, seine Ehefrau in Bad Salzschlirf getötet zu haben.
  • In dem Totschlag-Prozess trug ein Rechtsmediziner nun die Ergebnisse der Obduktion des Opfers vor.
  • Anders als der Angeklagte behauptete, sei das Opfer länger als eine Minute gewürgt worden.

Bad Salzschlirf - Es seien nicht mehr als 15 Sekunden gewesen, in denen er seine Ehefrau am Hals gegriffen habe: So hatte es in der Aussage des Beschuldigten gestanden, die am Mittwoch verlesen worden war. Dies konnte Professor Dr. Manfred Riße, Facharzt für Rechtsmedizin in Gießen, jedoch widerlegen.

Tötung in Bad Salzschlirf: Opfer wohl in Todesangst und Panik

Bei der Obduktion des Opfers seien „ganz massive Stauungsblutungen“ im gesamten Gesicht festgestellt worden. Diese seien in erster Linie Folge einer Strangulation. „Und hier geht es nicht nur um wenige Sekunden, sondern um einen längeren Vorgang.“

Menschen, die etwa 15 Sekunden lang gewürgt werden, fielen zwar in Ohnmacht, wachten aber 20 Sekunden später in der Regel auch wieder auf, erklärte Riße. Das Opfer sei jedoch tief komatös gewesen. Er schätze, dass sie „über eine Minute hinaus“ und vermutlich noch länger ununterbrochenes Würgen und Sauerstoffmangel erlitten habe.

Sie habe sich wahrscheinlich gewehrt, sei in Todesangst und Panik gewesen, habe später vermutlich gekrampft. Der Vorsitzende Richter Josef Richter wies darauf hin, dass der Angeklagte etwa 20 Hautverletzungen davon getragen habe. Dies könnten Abwehrspuren der Frau gewesen sein, die wohl um sich geschlagen und gekratzt habe, bestätigte Riße.

Psychiater sieht keine Bewusstseinsstörung beim Täter

Gutachter Dr. Helge Laubinger hatte den Angeklagten sechs Monate nach der Tat hinsichtlich seiner Schuldfähigkeit untersucht und berichtete am Freitag von dem Gespräch mit ihm. Dabei habe der gebürtige Iraker auch von seiner Vergangenheit gesprochen.

Er habe im Alter von zwölf Jahren den elterlichen Haushalt verlassen und danach auf der Straße und abwechselnd bei Freunden oder Verwandten gelebt. 2011 habe er seine Frau kennengelernt, mit der er zwei Kinder hat. 2018 entschied sich die Familie, Irak zu verlassen.

Psychiater berichtet von epileptischen Anfällen des Angeklagten

Der Psychiater berichtete zudem von epileptischen Anfällen, unter denen der Angeklagte manchmal leide. Eine depressive Störung könne er bei ihm nicht erkennen, auch keine unangepassten Verhaltensweisen oder Denkmuster. Seine Intelligenz sei durchschnittlich.

Als seine Ehefrau ihm offenbarte einen Geliebten zu haben und ihn verlassen zu wollen, sei er sicher aufgeregt und verärgert gewesen, so Laubinger: „Enttäuschungswut führt manchmal zu Tätlichkeiten. Aber eine Affekterregung, die sein Denkvermögen beeinträchtigt hat, sehe ich nicht.“

Nach der Tat sei der Angeklagte geistesgegenwärtig gewesen, seine Handlungen waren klar und geordnet. „Ich sehe keine seelische Störung und auch keine Bewusstseinsstörung“, erklärte er abschließend.

Am Montag, 6. Juli, werden ab 9.30 Uhr die Plädoyers verlesen.

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema