Archivfoto: Charlie Rolff

Topfittem RSV Petersberg gelingt 1994 der Aufstieg in die Hessenliga

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Petersberg - Derzeit dümpelt der RSV Petersberg im Tabellenmittelfeld der Gruppenliga Fulda, der siebten Liga, herum. Vor etwas mehr als 25 Jahren schaffte das Team vom Waidesgrund hingegen den Sprung in Hessens höchste Amateurklasse, sozusagen der Dritten Liga. Trainer heute wie damals – Jürgen Krawczyk.

Dem damaligen Aufstieg vorausgegangen war eine phänomenale Aufholjagd. Jürgen Krawczyk erinnert sich: „Der KSV Baunatal hatte schon mit großem Abstand geführt und ist dann auch souverän Meister der Landesliga geworden. Aber Platz zwei, den Eintracht Baunatal inne hatte, war noch in Reichweite, obwohl auch zu diesem der Rückstand bereits beträchtlich war.“

Da Petersberg zu diesem Zeitpunkt nach der Winterpause nur auf Platz fünf rangierte und die ersten drei Rückrundenspiele nur unentschieden spielte, besaß der RSV eigentlich keine Chance mehr auf den Relegationsplatz. Diese nutzte er jedoch fortan umso entschlossener, spielte ohne großen Druck auf und rückte dank zwölf Siegen in Serie und der damit einher gehenden Rückrundenmeisterschaft (27:3 Punkte) noch zur nun punktgleichen Eintracht auf, so dass ein Entscheidungsspiel zur Ermittlung des zweiten Hessenliga-Aufsteigers nötig wurde.

„Niemand würde uns noch aufhalten können“

Eines der Schlüsselspiele dieses Laufs stellte das 5:4 in Asbach dar. „In der Nachspielzeit hat der Peter Gehring aus fast unmöglichem Winkel das Siegtor geschossen“, gerät Krawczyk heute noch ins Schwärmen und hat auch gleich noch eine Anekdote parat, bei der der Glaube an die eigene Stärke mehr als deutlich wird:

„Meine Frau, die nicht vor Ort war, hat kurz darauf einen Bekannten getroffen, der mit in Asbach war. Er hat ihr nur gesagt, dass Petersberg vier Gegentore kassiert hat. Sie hat darauf geantwortet: Dann hat Petersberg eben fünf geschossen. Und so war es dann ja auch. Spätestens nach diesem Spiel wusste ich, dass uns jetzt niemand mehr würde aufhalten können.“

Abschlussfahrt nach Prag vor Entscheidungsspiel

Als das Entscheidungsspiel gegen Baunatal erreicht worden war, verkündeten einige Spieler dem verdutzten Übungsleiter, dass nun die mehrtägige Abschlussfahrt nach Prag stattfinden sollte: „Ich bin ja fast aus allen Wolken gefallen, als ich das gehört hatte. Aber sie haben mir fest versprochen, dass, wenn ich sie fahren lassen würde, sie das Spiel gewinnen werden. Zähneknirschend habe ich zugestimmt. Aber sie haben ja dann auch ihr Versprechen gehalten.“

Das Entscheidungsspiel fand in Melsungen vor 1400 Besuchern statt. „Zu Eintracht Baunatal waren damals immer wieder Spieler vom KSV gewechselt. Da waren einige Ex-Profis dabei wie William Donougher, Terry Scott, Hubert Schramowski, André Schubert oder Wojtek Kaluzny dabei. Mit einigen von denen hatte ich auch noch beim KSV Baunatal zusammen gespielt. Die waren, was die Einzelspieler anbelangte, im Vorfeld eindeutiger Favorit“, berichtet Krawzcyk, dessen Team nach 45 Minuten dann auch mit 0:1 im Rückstand lag.

„Das ist der Höhepunkt meiner Karriere“

„Baunatal war uns in der ersten Halbzeit klar überlegen, hätte eigentlich sogar noch ein oder zwei Tore mehr schießen müssen. Deswegen war auch deren Torhüter Schramowski, mit dem ich beim KSV zusammen gespielt hatte, stinksauer auf seine Vorderleute. Da er mich kannte, wusste er, was jetzt auf seine Mannschaft zukommen würde. Er hat denen gesagt, dass seine Mannschaft nun läuferisch nicht mehr mit uns würde mithalten können. Und so kam es dann ja auch.“

Dank Treffern von Norbert Urbanek, Günther Zinkand und Peter Gehring drehte der RSV die Partie und gehörte für eine Saison Hessens höchster Klasse an. Kurz nach Spielende meinte der damalige RSV-Kapitän Torsten Czarnecki, der vier Jahre zuvor bereits mit Borussia Fulda und Jürgen Krawczyk als Trainer in die Hessenliga aufgestiegen war: „Das ist der Höhepunkt meiner Karriere.“ Und Krawczyk: „Diesen Aufstieg stufe ich höher ein als den mit Borussia. Die Mannschaft von Borussia war auf Aufstieg programmiert. Mit Petersberg war dagegen nicht unbedingt zu rechnen.“

Tino Gnauck betreibt inzwischen Ferien-Lodge in Costa Rica

„Wir hatten damals eine unwahrscheinlich gute Kameradschaft, aber auch sehr gute Einzelspieler in unseren Reihen. Die Mannschaft von damals kann man natürlich nicht mit der von heute vergleichen. Allerdings freut es mich zu sehen, wie die jetzige Mannschaft im Vergleich zum Saisonanfang große Fortschritte gemacht hat. Und da viele Spieler ja auch schon in der Jugend zusammengespielt haben, herrscht auch jetzt wieder eine sehr gute Kameradschaft“, zieht Krawczyk einen Vergleich zwischen beiden Teams.

Einer der wenigen, der 1994 nicht dem näheren Umfeld des Rauschenbergs entstammte, war Tino Gnauck. Inzwischen Inhaber einer Ferien-Lodge in Costa Rica legte er bei einer Stippvisite in Deutschland vor rund einem halben Jahr einen Zwischenstopp in Petersberg ein, was beweist, dass der damalige Zusammenhalt über das rein Sportliche hinaus ging.

In Melsungen kamen an jenem 27. Mai 1994 folgende RSV-Spieler gegen Eintracht Baunatal zum Einsatz: Nees; Rumpeltes (46. Bleuel), Flügel, Vorndran, Czarnecki, Gehring, Lissek (60. Omazic), Wittke, Urbanek, Grösch, Zinkand.

Tore: 0:1 Wagner (29.), 1:1 Urbanek (70.), 2:1 Zinkand (75.), 3:1 Gehring (88.). / rd

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