Mann wird in Gerichtssaal geführt
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Dem 27-jährigen Angeklagten wird Totschlag vorgeworfen. Er soll seine Ehefrau erwürgt haben.

Prozess wegen Totschlag in Bad Salzschlirf

Zeugen bringen Licht ins Dunkel: Nichts deutete auf Eskalation hin

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Langsam kommt etwas Licht ins Dunkel: Im Indizienprozess gegen einen 27-Jährigen aus dem Irak, der seine gleichaltrige Frau in einer Wohnung in Bad Salzschlirf erwürgt haben soll, haben zwei Schwestern ausgesagt, die zur Tatzeit im Nebenzimmer waren.

Fulda - „Die Decke war über ihren Kopf gezogen. Als ich nachschaute, war ihr Gesicht dunkelrot. Man konnte die Adern sehen und ihre Haare klebten im Gesicht. Das hat mir große Angst gemacht, und ich habe laut geschrien.“ Die 24-jährige Zeugin schildert am Landgericht Fulda sehr präzise, was sich am 9. August 2019 in ihrer Wohnung in Bad Salzschlirf zugetragen hat. Dort lebt sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester.

„Die Stimmung war locker“

Das Opfer, die 27-jährige Ehefrau des Angeklagten, kannte sie über eine Freundin im Irak. So kam auch der Kontakt zustande. Am 9. August sollte die 27-Jährige, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern eigentlich in Lebach im Saarland wohnte, die 24-Jährige besuchen. „Sie hat bei einem Telefonat zuvor kurz erwähnt, dass ihr Ehemann sie schlecht behandelt. Weitere Details hat sie nicht genannt“, erinnert sich die 24-Jährige.

Am besagten Tag habe die Zeugin mit ihrer Schwester die Wohnung geputzt, während die Mutter einkaufen ging und bei dieser Gelegenheit die 27-Jährige, die mit ihrem jüngsten Kind anreiste, vom Bahnhof abholte. Doch bevor die Mutter mit dem Besuch zurück war, klingelte schon der Angeklagte an der Wohnungstür. Er war zusammen mit einem Freund ebenfalls nach Osthessen gekommen.

Fast zeitgleich kamen die Mutter, die 27-Jährige und das Kind an der Wohnung an. „Die Männer haben sogar noch geholfen, die Einkäufe hochzutragen. Dann setzten wir uns ins Wohnzimmer. Ich holte Wasser und Schokolade. Die Stimmung war locker“, erinnert sich die Zeugin. Der Angeklagte sei sehr ruhig gewesen. Auch – und das habe sie erstaunt – als seine Frau ablehnte, wieder mit ihm nach Hause zu kommen. „Sie meinte: ,Ich komme nicht mit. Ich will nicht mehr mit dir zusammen leben.‘“, erklärt die Zeugin. Der Angeklagte habe daraufhin „Ok“ gesagt und um ein Vier-Augen-Gespräch gebeten.

Grund für Entschluss ein anderer Mann?

„Sie waren beide so ruhig und gingen dann zusammen mit dem Kind ins Nebenzimmer. Nach etwa fünf Minuten rief er seinen Freund, weil das Kind zur Toilette gebracht werden sollte.“ Schreie habe sie nicht gehört. Nach etwa 20 Minuten sei der Angeklagte allein aus dem Zimmer gekommen. „Er meinte, dass seine Frau weint und sich ausruhen möchte. Als ich ins Zimmer gehen wollte, sagte er „Nein“. Das kam mir komisch vor, weil wir uns gar nicht kannten und man so nicht mit Fremden spricht.“ Auch in der Situation habe der Angeklagte einen sehr ruhigen Eindruck gemacht. Die 24-Jährige sei dennoch ins Zimmer und habe das Opfer bewusstlos vorgefunden. „Als ich das sah, schrie ich und fragte ihn, warum er das getan hat“, erinnert sich die Zeugin. Daraufhin habe der Angeklagte geantwortet, dass das Gesetz in Deutschland streng sei und er sie nie wieder gesehen hätte, wenn sie ihn habe verlassen wollen. Die Polizei hätte sie dann vor ihm versteckt, soll er gesagt haben.

Ein Grund für diesen Entschluss ist womöglich ein anderer Mann. Das wird jedenfalls von der Staatsanwaltschaft vermutet. Die junge Frau soll sich die letzten drei Wochen vor der Tat bei ihrem Bruder aufgehalten haben und am 8. August – also einen Tag vor ihrem Tod – nach Frankfurt gefahren zu sein, um eine Person zu besuchen.

Durchgangsdetektor vor dem Gerichtssaal

Der Bruder des Opfers und ein der Zeugin unbekannter Mann sollen die 24-Jährige mehrfach angerufen haben, sowohl am 9. August 2019 als auch danach. Der Bruder habe sie am Telefon am Tattag gebeten „gut auf die Schwester aufzupassen“. Nach der Tat soll er der 24-Jährigen gedroht haben. Auch der fremde Anrufer achte ihr Vorwürfe. „Er behauptete, dass ich dem Angeklagten die Adresse verraten hätte, aber das stimmt nicht.“

Diese Drohungen könnten der Grund sein, weshalb bei dieser Verhandlung vor dem Gerichtssaal ein Durchgangsdetektor aufgebaut ist und jeder Besucher und Zeuge genau durchsucht wird.

Die Verhandlung wird am 5. Mai um 10 Uhr am Landgericht fortgesetzt.

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