Das Bild zeigt das Schwarze Moor.
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Während der Corona-Pandemie sind die Pfade in der Rhön, wie hier im Schwarzen Moor, verwaist.

Corona-Pandemie

Tourismus in der Krise: In Region Fulda sind Gästezahlen eingebrochen - Betriebe stehen mit Rücken zur Wand

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Seit November sind touristische Reisen innerhalb Deutschlands verboten. Viele Hotel- und Gaststättenbetriebe kämpfen ums Überleben. In den Landkreisen Fulda, Main-Kinzig und Vogelsberg sind die Übernachtungszahlen von 2019 auf 2020 um rund 40 Prozent zurückgegangen. 

Fulda - Der Tourismus ist in den vergangenen Jahren für die Region zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. 2019 gab es in Fulda fast 700 000 Übernachtungen bei rund 421.000 angekommenen Gästen. 2020 waren es nur rund 370.000 Übernachtungen und 213.000 Gästeankünfte, ein Minus von fast 50 Prozent, im Landkreis Fulda beträgt das Minus 41,6 Prozent. Dass 2020 die Zahlen überhaupt so hoch waren, lag vor allem an den Sommermonaten, in denen der Inlandstourismus boomte.

Für 2021 sieht es in der Corona-Pandemie momentan nicht gut aus: Vor einigen Tagen wurde der Musicalsommer in Fulda erneut um ein Jahr verschoben. „Derzeit läuft die Umbuchungsphase. Bisher ist die Tendenz zur Umbuchung auf 2022 bei den Gästen groß. Einige wenige möchten dieses Jahr auch ohne das Musical ,Robin Hood‘ nach Fulda kommen“, macht Elisabeth Schrimpf, Leiterin des Tourismusbüros Fulda, Hoffnung. Sie ist zuversichtlich, dass die Buchungen wieder anziehen, sobald touristische Reisen erlaubt sind.

Corona: Tourismus in der Krise - In Fulda sind die Gästezahlen eingebrochen

Auch Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU), der Vorsitzender des Vereins für Tourismus sowie Sprecher der Touristischen Arbeitsgemeinschaft „Die Rhöner“ ist, sieht nicht nur die Misere: „Durch die Pandemie hat sich das Freizeitverhalten geändert. Ich denke, dass der Inlandstourismus und gerade die Rhön davon profitieren kann. Wer will sich jetzt schon in einen Flieger mit 300 Leuten setzen?“ Der Tourismus habe für die Rhön eine große Bedeutung. „Er sichert Arbeitsplätze und die Nahversorgung, auch Handwerksbetriebe hängen mit dran.“

Gerade in der Corona-Pandemie hätten viele die Zeit genutzt, um ihre Ferienwohnungen zu sanieren und zu renovieren. Anbieter von Ferienwohnungen gibt es in der Rhön viele. „Vor der Pandemie lagen die Übernachtungszahlen in Poppenhausen insgesamt bei etwa 110.000, davon entfielen 75.000 Übernachtungen auf gewerbliche Betriebe mit über zehn Betten. Der Rest sind Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Wohnmobilstellplätze“, erklärt Helfrich. (Lesen Sie hier: Bad Salzschlirf trotzt Corona: Tourismus dennoch stark gebeutelt - Minus von 51,2 Prozent bei Ankünften 2020)

Reger Tourismus im Sommer 2020 in der Rhön - Doch das böse Erwachen könnte bald folgen

In der Corona-Pandemie fiel die Gesamtzahl auf etwa 60.000 Übernachtungen im Jahr. „Durch den regen Tourismus im Sommer wurde 2020 noch ein ganz guter Umsatz gemacht. Aber ich leide mit jedem Haupterwerbsbetrieb. Ich schätze, dass ein Drittel aller Betriebe mit dem Rücken zur Wand steht. Und von diesen Betrieben wird eine nicht kalkulierbare Zahl gezwungen sein, Insolvenz anzumelden“, sagt Helfrich und spricht damit ein Problem an: Überschuldete Firmen müssen aufgrund einer Corona-Sonderregel derzeit keine Insolvenz anmelden.

Video: Corona hat Reisebranche fest im Griff - Sommergeschäft bleibt aus

Wenn diese Pflicht wieder gilt, könnte das böse Erwachen kommen. Das Geld fehlt dann auch in den Gemeindekassen – sowohl bei der Gewerbesteuer als auch bei den Kurtaxen. „Wir haben 2019 eine Tourismusabgabe eingeführt. 2019 haben wir in Poppenhausen dadurch 50.000 Euro eingenommen, 2020 waren es 30.000 Euro, das wird 2021 nochmal runter gehen“, sagt Helfrich.

Bei der jetzigen Corona-Inzidenz von über 200 im Landkreis Fulda hält er Öffnungen im Tourismusbereich für schwierig, sagt aber auch: „Es ist wichtig, dass der Branche eine Perspektive gegeben wird. Es wäre hilfreich, wenn wenigstens die Ferienwohnungen gebucht werden könnten.“

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