Fotos: Tourist-Information Bischofsheim, Marzena Seidel, Rainer Ickler

Tourismus-Kritik reißt nicht ab – Umstrittene Aussagen der Rhön GmbH

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rhön - Die Diskussion um den Stellenwert des Wintertourismus in der Rhön geht weiter: Fuldas Landrat Bernd Woide (CDU) und der Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) pflichten den Touristikern der hessischen Rhön bei, die sich öffentlich über die Aussagen der Rhön GmbH geärgert hatten.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Der fehlende Schnee sei „kein Problem“ für den Tourismus in der Rhön. Wer Wintersport machen will, der „fährt in die Alpen“. Was Kathrin Kupka-Hahn als Sprecherin der Rhön GmbH in einem Bericht in unserer Zeitung äußerte, stößt auch bei Landrat Woide auf Kritik. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte er gestern: „Ich teile diese Aussage absolut nicht, ich halte sie sogar für falsch. Der Wintersport ist ein wichtiger Faktor.“

Alle Beteiligten müssten in Zukunft zwar schauen, wie sie mit Schneemangel umgehen und möglicherweise Ansätze finden, das Angebot zu verbreitern. „Aber zu sagen, der Wintersport sei nicht so ausschlaggebend, ist falsch. Dann können wir ja gleich deutschlandweit einige Skigebiete zu machen“, so Woide.

Unterstützung der Wintersportbetreiber

Auch der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Fulda, Steffen Ackermann, äußert sich deutlich: „Ich war erst einmal sprachlos. Diese Aussage ist wirklich unglücklich und für mich nicht nachvollziehbar.“ Die Rhön GmbH sollte die Wintersportbetreiber unterstützen.

Die Kritik der ein Dutzend Tourismusbetreiber, die sich vorgestern auf der Wasserkuppe getroffen haben, kreiste jedoch nicht nur um die Aussagen Kupka-Hahns. Die Gruppe aus Liftbetreibern, Rhön-Bürgermeistern sowie Gastro- und Hotelbetreibern beschwerte sich auch generell über die Arbeit der Rhön GmbH und warf der Tourismusgesellschaft „fehlende Wertschätzung“ vor.

Es werde zu wenig mit den Akteuren in der hessischen Rhön geredet – und vor allem werde vonseiten der Rhön GmbH, die ihren Sitz im bayerischen Oberbach hat, zu wenig für die hessische Rhön getan – obwohl sie, wie auch Landrat Woide erklärte, als Hauptziel die touristische Vermarktung der gesamten Rhön in Bayern, Thüringen und Hessen hat.

Keine Stellungnahme zur Kritik

Eine Stellungnahme zu der Kritik blieb bislang aus. Kathrin Kupka-Hahn erklärte unserer Zeitung am Freitag, dass die Rhön GmbH sich dazu aktuell nicht äußern werde. Auch Landrat Woide hält sich mit Äußerungen zu der generellen Kritik zurück. Er wolle erst einmal „mit den Protagonisten sprechen“ und herausfinden, „wo der Schuh drückt“.

Vor drei Jahren war die Rhön GmbH gegründet worden. Die fünf Anliegerlandkreise sind Gesellschafter: Fulda, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schmalkalden-Meiningen und der Wartburgkreis. „Die Kreise geben Gelder für den Betrieb, aber auch die Bundesländer“, erklärt der Poppenhausener Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU).

TAG besteht seit zehn Jahren

Vorher war für die Vermarktung der hessischen Rhön die Rhön Tourismus und Service GmbH zuständig, die in der Rhön GmbH aufgegangen ist. Die neue Gesellschaft sollte ein „Dach“ sein für die hessischen, thüringische und bayerische Tourismusdestination. „Leider ist die Vermarktung der Rhön GmbH noch zu fränkischlastig“, sagt Helfrich.

Er ist auch Sprecher der TAG. Das steht für Touristische Arbeitsgemeinschaft Die Rhöner. Diese besteht seit zehn Jahren aus den Rhönkommunen Gersfeld, Hofbieber, Poppenhausen, Ehrenberg, Hilders und Tann und hat sich auf die Fahnen geschrieben, den hessischen Teil der Rhön zu fördern. „Das sollte aber in Zusammenarbeit mit der Rhön GmbH geschehen“, betont Helfrich. Da gebe es Verbesserungsbedarf.

Mehr in den Fokus rücken

Es gebe „schon gute Schnittstellen“: beim Rhöner Wandertag beispielsweise oder auf den länderübergreifenden Märkten wie dem Brot- und Biermarkt. Aber auf Tourismusmessen hätten TAG und Rhön GmbH oft unterschiedliche Stände – „manchmal sogar in unterschiedlichen Hallen“, bedauert der Bürgermeister.

Hauptsächlich wünsche er sich, dass die hessische Rhön mehr in den Fokus gerückt wird. Die Touristiker, die sich auf der Wasserkuppe getroffen haben, hätten einen Stein ins Rollen gebracht. „Diese Initiative ist eine gute Sache. Es muss ein Gemeinschaftsgefühl entstehen“, wünscht sich TAG-Sprecher Helfrich.

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