Nordseestrand beim Sonnenuntergang
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Die Nordsee – hier die Insel Juist – zählt bereits jetzt zu den Gewinnern dieses Sommers.

Urlaub wird anders als sonst

Regionen und Veranstalter stehen in den Startlöchern – und warten auf Touristen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will den freien Reiseverkehr so schnell wie möglich wieder erlauben. Damit steht dem Sommerurlaub eigentlich nichts mehr im Weg. Dieses Jahr wird dieser allerdings für viele anders aussehen als gewohnt.

  • In diesem Jahr wird es ein anderes Urlaubserlebnis sein.
  • In Österreich dürfen maximal nur zehn Personen zusammen wandern.
  • Das Frühstück wird im Hotel an den Tisch gebracht, denn es gibt kein Büffet.

Von Tobias Farnung

Fulda - Aufatmen bei Millionen Sommerurlaubern: Reisen in europäische Nachbarländer sollen trotz Corona-Pandemie ab Mitte Juni wieder möglich sein. Bundesinnenminister Horst Seehofer hat den baldigen freien Reiseverkehr als Ziel formuliert – vorausgesetzt, die Infektionszahlen bleiben unter Kontrolle.

Allerdings wird der Urlaub in diesem Jahr deutlich anders sein als die meisten ihn kennen und lieben. „Es wird definitiv ein anderes Urlaubserlebnis“, sagt Lukas Krösslhuber. Er ist Geschäftsführer des Tourismusverbands Wilder Kaiser und kann es kaum erwarten, dass Österreich ab 15. Juni die Grenze öffnet. Immerhin kommen aus Deutschland die meisten Touristen an den Wilden Kaiser.

Wanderungen in Österreich maximal mit zehn Personen

Konkret wird es in Österreich vorerst keinen Handschlag zur Begrüßung mehr geben, im Restaurant dürfen maximal vier Personen am Tisch sitzen, in Geschäften besteht – wie hierzulande auch – Maskenpflicht. Geführte Wanderungen sind vorerst mit maximal zehn Personen erlaubt – also neun Gäste sowie ein Wanderführer.

„Man kann es aber auch positiv sehen“, sagt Krösslhuber. „Denn die Leute, die zu uns zum Wandern kommen, haben sehr viel Ruhe, Platz und Exklusivität.“ Ein Wehrmutstropfen sei allerdings, dass die gesamten, bei Touristen beliebten, Veranstaltungen ausfallen müssen – unter anderem das beliebte Bergdoktor-Fanfest mit den Darstellern der gleichnamigen ZDF-Serie.

Etwas komplexer sind die Maßnahmen, die die großen Reiseveranstalter derzeit umsetzen müssen. Marktführer TUI zum Beispiel überarbeitet das gesamte Programm. Die eigenen Flieger stehen derzeit noch am Boden, die Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen. Aber: „Wir planen, demnächst mit kürzeren Routen in der näheren Umgebung wieder in See zu stechen“, sagt Marek Andryszak, Geschäftsführer von TUI-Deutschland. An Bord: vermutlich maximal 1000 Gäste.

Kein Essen am Büfett

In den Hotels wird es vorerst kein Essen am Büfett – sondern serviert am Platz – geben. Die meisten Restaurant-Besucher werden im Außenbereich sitzen. „Das ist ein erhöhter logistischer Aufwand für den Hotelier, aber ein absoluter Vorteil für den Kunden.“

Ausflüge werden eher in Kleingruppen organisiert, Sportangebote sehr exklusiv durchgeführt – beispielsweise in Form von Individual-Yoga. In den Flugzeugen der Tuifly-Flotte wird aus hygienischen Gründen das Speisenangebot reduziert, an Bord wird eine Maskenpflicht bestehen und das Ein- und Austeigen wird mit ausreichend Abstand stattfinden.

Reisefreiheit wieder mehr zu schätzen lernen

Andryszak und Krösslhuber finden aber bei allen Herausforderungen der Krise einen positiven Aspekt: „Die Menschen werden die Reisefreiheit wieder mehr schätzen und dankbarer sein, dass sie reisen dürfen“, sind sich beide einig.

Geht es nach Horst Seehofer, werden ab 15. Juni neben Österreich auch die Schweiz, Frankreich und Dänemark für deutsche Touristen erreichbar sein. Wann es wieder etwas mit einem Urlaub zum Beispiel in Italien, auf Mallorca, Kreta oder in der Türkei werden kann, steht allerdings noch in den Corona-Sternen.

Gewinner der Krise

Ein Trend zeichnet sich ab: Der Deutschland-Tourismus wird ein absoluter Gewinner der Corona-Krise sein. Nach einer Auswertung des Vermittlungsportals HRS haben die Buchungen für die Sommermonate um rund 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. HRS hat rund 180.000 Unterkünfte in Deutschland im Portfolio.

Besonders beliebt sind den Angaben zufolge Unterkünfte an Nord- und Ostseeküste sowie auf den Inseln. Dort und auch am Alpenrand könne es in Sachen Unterkunft langsam bereits eng werden für die Sommerferien. Schnäppchen gibt es demnach noch in eher weniger bekannten Urlaubsregionen.

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