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Eichenzell hilft Ukraine-Flüchtlingen: Gemeindevertretung gibt 100.000 Euro frei

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Von: Volker Nies

Herzliche Begrüßung bei der Registrierung im Bürgerbüro Eichenzell
Herzliche Begrüßung bei der Registrierung im Bürgerbüro Eichenzell: Raphael Enders aus Lütter (Vierter von links), Claus-Dieter Schad aus Rönshausen (Dritter von rechts) und Dolmetscherin Marina Lich-Österle aus Rönshausen (ganz rechts) mit (von links) Matvii, seiner Mutter Tetiana, seinem Bruder Ivan sowie Denys und seiner Mutter Liubov. © Claus-Dieter Schad

In der Unterstützung von Ukraine-Flüchtlingen wird die Gemeinde Eichenzell aktiver werden. Die Vertretung gab in ihrer jüngsten Sitzung 100.000 Euro für Hilfsaktionen frei – und forderte die Verwaltung zu noch mehr Aktivitäten auf.

Eichenzell - Im Landkreis Fulda sind bislang etwa 1800 Menschen aus der Ukraine untergekommen, 90 davon in der Gemeinde Eichenzell. „Vor zwei oder drei Wochen waren es erst 24. Das zeigt: Die Zahl steigt rasch“, berichtete Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU). Er erwarte, dass die Zahl noch weiter steige. Die Aufnahme der Menschen in Eichenzell sei sehr gut: „Die Hilfsbereitschaft in unserer Gemeinde ist sehr hoch“, sagte Rothmund.

In Eichenzell würden aber weiter Wohnungen für Flüchtlinge gebraucht. „Ich bitte jeden Hauseigentümer zu überlegen, ob er nicht Wohnraum frei machen kann“, sagte Rothmund. Damit sich die Menschen aus der Ukraine untereinander und mit Helfern vernetzen können, soll es nach Ostern für alle Beteiligten auf Einladung der Gemeinde einen Willkommenstreff geben, kündigte der Rathauschef an.

Ukraine: Eichenzell gibt 100.000 Euro für Flüchtlinge frei

Die Gemeindevertretung gab 100.000 Euro zur Finanzierung konkreter Einzelmaßnahmen für die Flüchtlingshilfe frei. Was genau mit dem Geld passieren soll, soll der Gemeindevorstand entscheiden. Die FDP hatte zunächst 50.000 Euro beantragt, die Vertreter erhöhten die Summe aber auf Vorschlag von Bürgerliste-Chef Joachim Weber auf 100.000 Euro. Mit dem Geld sollen Hilfsaktionen in der Ukraine und in Eichenzell finanziert werden.

Die Liberalen waren es, die das Thema Ukraine-Hilfe mit einem Antrag auf die Tagesordnung gehievt hatten. „Wir erleben einen brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine. Öffentlich bekundete Empörung, Mahnwachen, und Resolutionen sind wichtig, aber sie helfen wenig bei der konkreten Bewältigung der humanitären Katastrophe“, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Claus-Dieter Schad.

„Nur unbürokratische und schnelle Hilfe vor Ort und nach der Flucht in Eichenzell kann die Hilfe lindern. Das ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe und der Solidarität mit den geschundenen Menschen“, sagte Schad. „Eichenzell kann mehr“, rief er aus.

Der Eichenzeller FDP-Chef hatte zunächst vorgeschlagen, dass die Gemeinde auch selbst einen Hilfskonvoi an die polnisch-ukrainische Grenze organisiert und auch selbst Wohnungen für Flüchtlinge anmietet. Aus den anderen Fraktionen kamen Bedenken gegen diese beide Vorschläge. Die FDP verzichtete deshalb auf die Forderungen.

Video: Unterwegs mit dem Hilfskonvoi an die polnisch-ukrainische Grenze

Alle Fraktionen dankten Schad für den Vorstoß. Bürgerliste-Chef Weber lobte, dass Schad auch selbst schon Wohnungen für Flüchtlinge gesucht habe. SPD-Fraktionschef Lutz Köhler erklärte: „Wer in dieser Situation die Augen verschließt, der hat kein Herz.“ CDU-Fraktionschef Julian Rudolf ergänzte: „Die Menschen, die zu uns kommen, sollen die Hilfe bekommen, die sie brauchen.“

Zu Beginn der Sitzung war Joachim Bohl (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung, auf die Lage in der Ukraine eingegangen. „Die Ursache des Krieges liegt wohl darin, dass das ukrainische Volk sich dafür entschieden hat, sein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung zu gestalten.“ Nun seien ukrainische Männer, Frauen und Kinder täglichen Bombardements ausgesetzt.

Bohl schloss: „Für die freie Welt heißt es nun, die Stimme zu erheben, Beistand zu leisten und vor allem Not und Leid der ukrainischen Bevölkerung zu lindern.“ Der Vorsitzende dankte allen, die sich in Eichenzell für Menschen aus der Ukraine engagierten.

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