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„Die Hälfte sind Kinder unter 15 Jahren“ - Helfer aus Fulda über die Situation an der ukrainischen Grenze

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Von: Rainer Ickler

In Zelten werden die Flüchtlinge an der Grenze mit Essen und Kleidung versorgt.
In Zelten werden die Flüchtlinge an der Grenze mit Essen und Kleidung versorgt. © Stefan Faulstich

Die 16 Helfer aus dem Kreis Fulda, die mit sechs Sprintern und zwei 40-Tonnern von Steinau Richtung rumänisch-ukrainische Grenze gefahren sind, um die flüchtenden Menschen zu versorgen sind wieder zurück. Sie haben 15 Flüchtlinge mitgebracht.

Steinau - Der Verein der Köche Fulda und die Rhöner Nachbarschaftshilfe haben ehrenamtlich einen großen Hilfsgüter-Transport auf die Beine gestellt. Die Eindrücke, die sie an der Grenze gesammelt haben, waren bedrückend, aber auch positiv, was die große Hilfsbereitschaft in Rumänien betrifft. Stefan Faulstich, Vorsitzender des Vereins der Köche Fulda, berichtet, dass bis zu 2000 Menschen an der Grenze bei zehn Grad minus ein bis zwei Tage darauf warten, dass sie in einem EU-Land dem Krieg entfliehen können.

Viele haben die Kälte unterschätzt und freuen sich über warme Kleidung. In Zelten werden die Flüchtlinge von verschiedenen Hilfsorganisationen mit dem Nötigsten versorgt und der Hunger gestillt.

Ukraine-Konflikt: Helfer aus Fulda berichten über Situation an der Grenze

„Aufgrund der Kälte waren Babyhandschuhe und Decken sehr gefragt“, berichtet Roland Röder aus Steinau, der mit Stefan Krick aus Bernhards am Montagabend mit einem Sprinter Richtung Fulda unterwegs war. Mit an Bord haben sie auf dem Heimweg zwei ukrainische Frauen und ein 15-jähriges Kind. Die drei wollen weiter nach Berlin.

Stefan Faulstich und Frank Niemann, die Organisatoren des Konvois, haben auf der Rückfahrt zwei Frauen und vier Kinder in Franken abgesetzt, wo sie Bekannte haben. Sechs Frauen und Kinder folgten in Privat-Pkws der Steinauer Kolonne. (Lesen Sie hier: 17-Jähriger flüchtet aus der Ukraine nach Schlüchtern - „Im Zug haben wir die Explosionen gehört“)

Die beiden berichten, dass mehrere Hilfsorganisationen die Versorgung und die Verteilung der Hilfsgüter an der Grenze organisieren. Kochen mussten die Fuldaer nicht, das übernehmen andere. Die großen Mengen an Lebensmitteln, die sie dabeihatten, wurden aber dankend angenommen. Medikamente und Verbandsmaterial, teilweise auch Lebensmittel, werden in die umkämpften Gebiete in der Ukraine gebracht, damit dort den Menschen, die unter dem russischen Beschuss leiden, geholfen werden kann.

Viele ukrainische Bürgerinnen und Bürger, vor allem Frauen mit Kindern, sind auf der Flucht. Lange Autoschlangen und Tausende Menschen warten an der ukrainisch-rumänischen Grenze.
Viele ukrainische Bürgerinnen und Bürger, vor allem Frauen mit Kindern, sind auf der Flucht. Lange Autoschlangen und Tausende Menschen warten an der ukrainisch-rumänischen Grenze. © Stefan Faulstich

„Du bist nur noch sprach- und fassungslos, was mitten in Europa passiert“, beschreibt Faulstich die Situation mit den vielen Flüchtlingen an der Grenze. Die Hälfte seien Kinder unter 15 Jahren, die mit ihren Müttern die Ukraine verlassen, in der Hoffnung, dass sie bald wieder zurückkehren können zu ihren Familien.

Video: Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland: Bund will „solidarische“ Verteilung

Jetzt gelte es, den Flüchtlingen, die in den nächsten Tagen kommen, zu helfen, sagt Jörg Witzel von der Rhöner Nachbarschaftshilfe. Er appelliert an Vereine und Bürger, speziell den Kindern zu helfen, damit sie von der schlimmen Situation in ihrer Heimat abgelenkt werden. Er hofft, wie auch Faulstich, dass die Menschen im Kreis Fulda Unterkünfte für Flüchtlinge bereitstellen.

Spenden

Unter dem Namen „Verein der Köche Fulda“ wurde für Geldspenden ein Sonderkonto bei der Sparkasse Fulda eingerichtet: DE45 5305 0180 0011 0085 10.

Faulstich ruft zu weiteren Spenden auf. Am besten seien Geldspenden auf das Konto des Vereins der Köche. Es seien schon mehr als 90.000 Euro eingegangen. Damit könnten die Hilfsorganisationen vor Ort Lebensmittel kaufen. Kleidung werde nicht mehr benötigt, nur noch Handschuhe, Decken, Schlafsäcke, Medikamente oder Verbandsmaterial.

Diese sollten in Kartons verpackt und beschriftet werden und können bis Freitag von 16 bis 18 Uhr bei der Firma Getränke Hess in Morles abgegeben werden. Faulstich dankt den vielen Menschen und Sponsoren, die geholfen haben. „Das war der Wahnsinn.“ Und er sagt angesichts seiner Erfahrungen: „Wir werden weitermachen.“

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