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Schon wieder leere Supermarkt-Regale: Experten finden Hamsterkäufe unnötig

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Von: Hanna Wiehe

Einige Regale in den Supermärkten im Main-Kinzig-Kreis und im Kreis Fulda sehen geplündert aus. Vor allem bei Speiseölen greifen die Kunden zu. Der Verbraucherzentrale zufolge sind Hamsterkäufe unnötig.

Osthessen - Manfred Habig, Inhaber mehrerer Edeka-Märkte im Main-Kinzig-Kreis, berichtet, dass aktuell Mehl, Zucker, Obstkonserven und Nudeln ausverkauft sind. „Die Gründe dafür sind die sprunghaft einsetzende Nachfrage, da kommt die Logistik so schnell nicht nach, die Warenbeschaffung hochzufahren.“

Der Mangel an Ware ist laut Habig nicht das Problem: „Die Ware war vorher verfügbar und ist nicht plötzlich vom Markt verschwunden. Hier sind aktuell die Verbraucher die Spekulanten. Wir als Händler wollen unsere Kunden versorgen und halten keine Ware zurück. Was angeliefert wird, wandert umgehend in unsere Regale.“

Habig bittet Verbraucher, nicht zu stark zu bevorraten, „dann bekommt man auch keine Angst bei dem Anblick von leeren Regalen“. Auch die Medien sollten dazu beitragen die Sorgen um Lebensmittel nicht zu schüren, sagt er. (Lesen Sie auch: Ukraine-Krieg: Lebensmittelknappheit lässt bei Landwirt Alarmglocken schrillen)

Ukraine-Krieg: Leere Supermarkt-Regale - Sind Hamsterkäufe sinnvoll?

„Wir verzeichnen aktuell in unseren Filialen eine erhöhte Nachfrage insbesondere nach Sonnenblumenöl sowie Rapsöl und Olivenöl“, heißt es von der Aldi-Süd-Pressestelle. Man stehe jedoch „in engem Kontakt mit unseren Lieferanten, um frühzeitig auf weitere Entwicklungen reagieren zu können.“

Man könne jedoch heute noch nicht absehen, inwieweit sich die „Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe konkret für unser Sortiment in den nächsten Wochen oder Monaten verändern wird“. Deshalb bittet Aldi seine Kunden, Waren nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen. „Bei größeren Nachfragen behalten wir uns wie immer vor, die Abgabemenge pro Kunde vorübergehend einzuschränken.“

Aldi-Nord erklärt, der Abverkauf einiger Warengruppen, unter anderem bei Speiseölen, schwanke derzeit sehr stark von Tag zu Tag. Dadurch könne es sein, dass einzelne Artikel kurzzeitig vergriffen sind.

Aldi, Lidl, Edeka und Co: Diese Lebensmittel werden in manchen Märkten knapp

Auch Lidl berichtet, dass derzeit Speiseöl und Konserven „derzeit sehr stark nachgefragt werden“. Deshalb gebe man diese Produkte in allen Filialen nur in haushaltsüblichen Mengen ab. Die Warenversorgung in den Filialen der Handelssparten sei aber grundsätzlich sichergestellt, teilt die Pressestelle mit. Lediglich bei einzelnen Produkten könne es zu Lieferverzögerungen kommen. 

In einigen Supermärkten sind infolge des Ukraine-Kriegs Lebensmittel wie Speiseöle vergriffen.
In einigen Supermärkten sind infolge des Ukraine-Kriegs Lebensmittel wie Speiseöle vergriffen. © Santiago Armas/dpa

Bei Kaufland, Tegut und Rewe kommt es aktuell nur vereinzelt zu Hamsterkäufen - auch wegen der Hilfstransporte an die ukrainische Grenze. Eine flächendeckende Entwicklung sei nicht zu beobachten, heißt es aus den jeweiligen Pressestellen. (Lesen Sie auch: Ukraine-Krieg: „Bitte keine Sachspenden abgeben“ - Lagerkapazität in Flüchtlingsunterkunft erschöpft)

„Lebensmittel sind nicht knapp“: Verbraucherzentrale findet Hamsterkäufe unnötig

In Sachen Hamsterkäufe hat die Verbraucherzentrale Hessen eine klare Haltung: „Wir halten sie für überhaupt nicht sinnvoll“, betont Ernährungswissenschaftlerin Wiebke Franz: „Lebensmittel in Deutschland sind nicht knapp, die Regale sind vielmehr teilweise leer, weil die Menschen Hamsterkäufe tätigen. Der Handel wiederum hat ja eine bestimmte Frequenz, in der er Lebensmittel bestellt und muss dann ja auch Zeit haben, diese nachzufordern.“

Gerade mit Blick auf Mehl und Speiseöle habe Deutschland überdies andere Bezugsquellen - „nur 30 Prozent des Weizens kommt beispielsweise aus Russland und der Ukraine“. Die Ausfälle der neuen Ernte, die in der Ukraine nun nicht stattfinden könne, kämen erst später zum Tragen.

Doch die Expertin betont mehrfach: „Verbraucher in Deutschland müssen derzeit keine Sorge haben, dass die Lebensmittel ausgehen oder dass es zu Lieferengpässen kommt.“

Keine Hamsterkäufe, aber: Bundesregierung empfiehlt 10-Tage-Notfall-Vorrat

Doch wie sieht es überhaupt mit der Haltbarkeit von Ölen und Mehl aus? „Wenn eine Ölflasche geschlossen ist, hat sie eine Haltbarkeit von sicher anderthalb Jahren“, sagt Wiebke Franz. Auch eine Mehltüte, wenn es sich um Weißmehl handele, könne man drei Jahre aufbewahren; Vollkornmehl sei maximal ein Jahr haltbar. Ungeziefer wie Kornkäfer seien eher kein Problem - „höchstens, wenn man ganzes Getreide bevorratet“.

Grundsätzlich empfehle die Bundesregierung, einen Sicherheitsvorrat an Lebensmitteln für zehn Tage daheim zu haben (hier geht es zur Experten-Checkliste) - diesen jedoch in den Speisenplan einzubeziehen, sagt Franz.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt darüber hinaus einen Vorrat an Getränken sowie Hygiene- und Gebrauchsgegenständen, ebenso genügend Bargeld. Auch an Babynahrung, Medikamente und Futter für Haustiere sollten Verbraucher denken.

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