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„Die Leute haben Angst“: Ukrainischer Pfarrer berichtet über russische Angriffe

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Von: Andreas Ungermann

Ukraine Konflikt
Russland hat die Ukraine angegriffen. Viele Ukrainer in Deutschland haben Angst um ihre Familien. © Oleksandr Ratushniak/dpa

Enge Kontakte in den Westen der Ukraine – vor allem zur Erzdiözese Ivano-Frankivsk – unterhält das Bistum Fulda. Das hiesige Dezernat Weltkirche haben am Donnerstag bereits E-Mails aus Kiew erreicht.

Fulda/Kiew - Die Kirche in der Ukraine überlegt, wie sie die Menschen in der Ostukraine, die alles verlassen um Zuflucht zu finden, konkret unterstützen kann. Kein leichtes Unterfangen, denn: „Sogar die Priester sind demoralisiert. Weil ich nicht immer auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen kann. Jetzt müssen wir denen helfen, die weglaufen“, schreibt ein ukrainischer Pfarrer in einer E-Mail an den Leiter des Dezernats Weltkirche im Bistum Fulda, Steffen Jahn.

Wo es in Kiew oder im Westen der Ukraine am sichersten sein werde, das ist nicht bekannt, so der Pfarrer. Er selbst sei Donnerstag von den Geräuschen der Bomben aufgewacht, die in der Nähe von Kiew explodierten. Auch in der Nähe seines Elternhauses in Ivano-Frankivsk sei ein Flughafen getroffen worden. (Lesen Sie hier: Krieg in der Ukraine: Hessens Politiker fassungslos - Reaktionen aus der Region)

Ukraine-Konflikt: Pfarrer schildert Angriffe und wendet sich an Bistum Fulda

„Für die Menschen dort war der Krieg immer weit weg – 1000 Kilometer im Osten. Die Angriffe jetzt – zum Teil über Belarus – haben eine neue Qualität“, weiß Weltkirche-Dezernent Jahn, der selbst schon Projekte in der Ukraine besucht hat. Das Bistum Fulda steht in sehr engem Kontakt zu einigen Partnern dort.

Der ukrainische Pfarrer indes schildert die Szenen: „Der Angriff erfolgt in den Grenzregionen Luhansk, Sumy, Charkiw, Tschernihiw, Schytomyr. Auch von der Krim und den besetzten Gebieten der Ostukraine werden die Grenzschutz-Einheiten attackiert. Es werden Artillerie, schwere Waffen und Schusswaffen eingesetzt.“ Die Flugzeuge und Panzer hätten keine Erkennungszeichen, berichtet der Ukrainer, schreibt zudem von Provokationen in den Städten, die von pro-russischen Menschen ausgingen.

Bistum Fulda reagiert geschockt: Aufruf zu Gebet und Solidarität für Ukraine

Der Geistliche selbst versuchte gestern aus Kiew rauszukommen. „Die Leute haben Angst. Sie nehmen das Geld von den Banken, es gibt Schlangen an der Tankstelle“, heißt es in seiner Mail. Die Angst greift auch bis nach Fulda, wo ein Student angesichts der Vorkommnisse keine Details preisgeben will. Anonym sagt er nur, die Angst um die Familie sei groß, viele Tränen seien am Donnerstagvormittag geflossen. Am Freitagvormittag wurden schwere Gefechte aus Kiew gemeldet.

Bereits in der Vorwoche hatte sich der Erzbischof von Ivano-Frankivsk, Dr. Volodymyr Vijtyshyn, besorgt an das Bistum Fulda gewendet und um Solidarität sowie um Lebensmittel für die Bevölkerung gebeten, was Fuldas Diözesanbischof Dr. Michael Gerber und der Bischofsvikar für die Weltkirche, Weihbischof Karlheinz Diez auch in einem persönlichen Schreiben zugesichert hatten.

Sie reagierten gestern erschrocken und bedrückt und riefen zum Gebet und zur Solidarität auf, ebenso die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen Waldeck, Professor Dr. Beate Hofmann, sowie der Hessen-Nassauische Kirchenpräsident Volker Jung.

Video: Die Lage in der Ukraine

Um 12 Uhr erklangen die Kirchenglocken in der Region als Zeichen der Solidarität. Am Donnerstagabend fand zudem ein erstes ökumenisches Friedensgebet in der Christuskirche in Fulda statt. Zu dem Gottesdienst hatten die katholische Innenstadtpfarrei und die evangelische Christuskirchengemeinde eingeladen um beieinander zu stehen und miteinander um Frieden zu beten.

Für Frieden und Solidarität sind in Fulda außerdem zwei Mahnwachen geplant. Die erste findet am Freitag um 17 Uhr auf dem Universitätsplatz statt und wird vom Verein „Fulda stellt sich quer“ organisiert. Am Samstag, um 11 Uhr, laden die Parteien CDU, FDP, SPD und Die Grünen zu einer Wache auf dem Platz Unterm Heilig Kreuz ein.

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